Ehemaliger Viehmarktbrunnen (2)

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Viehmarktplatz
Beschreibung
Im Jahre 1811 wurde der Viehmarkt angelegt. 18 Jahre später, am 23. April 1829, errichtete man ungefähr in der Mitte des Platzes einen Brunnen nach den Plänen des Stadtbaumeisters Johann Georg Wolff.

Der Brunnen war als Viehtränke vorgesehen. Er erhob sich 8 Meter über den Viehmarkt und maß im Fundament 4,71 x 3,39 Meter. Auf einem zweifach abgetreppten Sockel befand sich ein schmuckloser rechteckiger Unterbau, der den kleineren, ebenfalls rechteckigen Brunnenstock trug. Die zwei Brunnenbecken waren an den Langseiten in den Unterbau eingetieft. Sie waren flankiert von zwei ruhenden Löwen. Den Brunnenstock zierten an den Langseiten muschelartige Vertiefungen, die mit einem Strahlenmotiv und abschließendem Rosettenband geschmückt waren. In den Zwickeln befanden sich Lotosmotive. Unterhalb der Nischen floß das Wasser aus gußeisernen Löwenmasken. Auf der südlichen Schmalseite war ein Relief mit Emblemen der Landwirtschaft (Sense,...), auf der Nordseite Embleme des Verkehrs (Anker, Kette, Ruder) dargestellt. Darüber umlief ein schmales Zungenornament den Brunnenstock, das in ein breites Schmuckband mit Blattwerk und Lotos sowie Widderköpfen an den Ecken überleitete. Es folgte ein Perlband, und den oberen Abschluß bildete ein leicht vorkragendes Gesims. Die Spitze des Brunnens bestand in einer mächtigen, breiten Steinvase, deren Henkel von Schlangen umwunden waren.
Ursprünglich war der Brunnen wohl anders geplant: Die Schlangen und Löwen sind als Wasserspeier geschaffen worden, waren aber niemals als solche eingesetzt.

Knapp 70 Jahre alt, war der Brunnen schon baufällig geworden. Als Gründe werden spielende Kinder angegeben, die den Brunnen als Raufplatz nutzten und eines Tages sogar einen steinernen Löwen zu Fall gebracht haben sollen. Zuletzt konnte der Brunnen allerdings auch nicht mehr genutzt werden - die stark angewachsene Bevölkerung (in 100 Jahren von 7000 auf 43000!) brauchte das ganze Wasser. Bevor der Wasserspender dem Verfall preisgegeben war, wurde er lieber abgetragen. Dies geschah am 19. August 1898 durch Maurermeister Pompeius, der mit 310 RM entlohnt wurde.

Von dem Brunnen sind heute zwei Löwen erhalten, die im Schloß Liebig in Kobern-Gondorf Wasser speien. Ein weiterer Löwe verblieb in Trier, ebenso die Widderköpfe und eine der gußeisernen Löwenmasken.

Isabel Weiher [1]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Wolff, Johann Georg (Stadtbaumeister), Trier [1789-1861].
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Brunnen / Kunstobjekte
Zeit:
1829
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.636872
lat: 49.751537
Lagequalität der Koordinaten: Vermutlich
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Mitte/Gartenfeld

Datenquellen
[1] Klassizismus in Trier. Photos aus der Sammlung Prof. Wilhelm Deuser. Katalog des Städtischen Museums Simeonstift Trier zur Ausstellung vom 21.1. bis 6.3.1994. Hrsg. Richard Hüttel und Elisabeth Dühr.

Bildquellen
Bild 1: Abbildung: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier
Bild 2: Abbildung: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier

Stand
Letzte Bearbeitung: 22.07.2000
Interne ID: 2493
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=2493
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