Karmelitenkloster - Ehemaliges Siechenhaus

Springiersbach, Gemeinde Bengel Karmelitenstraße 2
Beschreibung
Bezeichnung: Seichenhaus.

Topographische Lage: Auf dem Gelände des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstiftes in Springiersbach, abseits des Klosterberings; nach dem Urkataster von 1829 überbaute das Gebäude den Springiersbach.

urkundliche Ersterwähnung: Erbauung zwischen 1493 und 1529.

Gebäude: Das Siechenhaus bestand aus Wohntrakt, Küche, Keller und Scheune; neben dem Gebäude befand sich ein Brunnen. Zwischen 1670 und 1675 umfangreiche Restaurierung.

Verwaltung: Verwaltung durch das Kloster.

Stiftungen und Schenkungen, Einkünfte und Besitz: Nach den Rechnungen der Jahre 1669 bis 1684 verfügte das Siechenhaus über folgende Einkünfte: 5 Reichstaler Pension jährlich aus einem Kapital von 300 Reichstalern und 2 &.12 Taler Pension durch einen Kröver Bürger; beide Zahlungen wurden nur unregelmäßig geleistet. Außerdem bestanden Einnahmen aus einem Weingarten; jährlich wurde ein Ohm Wein verkauft, der Erlös schwankte zwischen 5 und 9 &.12 Reichstalern. Insgesamt ergaben sich jährliche Einnahmen von 13 Reichstalern.

Schließung: Vor 1789 wurde das Siechenhaus zu einem reinen Ökonomiegebäude umgebaut.

Quelle: Erwin Schaaf: Das gotische Haus in Springiersbach. Zur Geschichte eines mittelalterlichen Hospitals. In: Das Alftal in Gegenwart und Geschichte. Chronik der Alftalgemeinden. 6, 1996/97, S. 31-38.

Martin Uhrmacher: Ortslexikon zur Geschichte der Leprosorien im Rhein-Moselraum
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Die Lepra, heute zwar weitgehend heilbar, aber noch nicht ausgerottet, kam wahrscheinlich bereits in römischer Zeit aus dem Orient nach Europa, dann vermehrt mit den Kreuzfahrern, die zuvor jahrelang an der Levante gelebt hatten und sich dort angesteckt hatten.

Entstanden waren die Leprastationen aus der einfachen Feldsieche, das heißt der Kranke wurde aus der Gemeinschaft ausgegrenzt und baute sich auf freiem Feld eine Hütte, die nach seinem Ableben verbrannt wurde. Entsprechende daran sich anschließende barmherzige Stiftungen von Orden, die sich der christlichen Krankenpflege verschrieben hatten, konnten der Grundstock für Orte werden, wie zum Beispiel Velden bei Düren, dessen Name auch heute noch an eine solche Stiftung erinnert.

Als sich die Lepra seit dem 13. Jahrhundert weiterverbreitete, entwickelten sich in der gefestigten Stadt- und Territorialstruktur die 'Siechenhäuser', die in dieser Form wohl von den Kreuzfahrern aus Byzanz nach Mitteleuropa gebracht worden waren. Im Rheinland ist das erste Leprosorium in den Jahren 1180 - 1189 für Köln nachweisbar. Diese Art der Einrichtung wurde gefördert durch die Bestimmungen des dritten Laterankonzils von 1179, das die Absonderung der Kranken von den Gesunden forderte (,Aussatz') und den Siechen das Recht auf eine Kapelle mit Friedhof und einen eigenen Priester zusprach. Daraus entwickelte sich ein Terrain mit eigenem Ackerboden und eigenen Wirtschaftsräumen.

Mangelnde Hygiene, mangelhafte medizinische Kenntnisse und das Zurückführen jeglicher Krankheit auf eine Strafe Gottes verstellten dem mittelalterlichen Menschen den Blick auf eine schnell wirksame Abwehr gegen diese Seuche. In Verbindung mit religiösen Gedanken und einer Aussonderungspolitik gelang es jedoch, der Seuche Einhalt zu gebieten. Darin erschöpfte sich die Reaktion des mittelalterlichen Menschen - die Heilung war die Sache Gottes. Im Gegensatz zur Pest, die sich epidemisch verbreitete, gehörte die Lepra durch ihre bis zu Jahrzehnten dauernde Inkubationszeit und die lange Krankheitsphase zu einer der Geißeln der Menschheit, mit deren Opfern man zwar leben, auf die man aber auch reagieren mußte. Der christliche Gedanke der caritas, die pflegende Bemühung um den Kranken, in dem man Christus sah, bestimmte den Umgang mit den von dieser Krankheit Befallenen. Almosen und Unterstützung waren gottgefällig. Die Kirche förderte diese Krankenpflege zum Beispiel durch die Gewährung von Ablässen, wie sie 1230 für Aachen überliefert sind.

Zur Diagnose wurden die Kranken v. a. nach Köln geschickt, von Aachen aus auch nach Lüttich, zu dessen Diözese Aachen gehörte. Die Feststellung der Krankheitssymptome scheint recht genau gewesen zu sein. In Zweifelsfällen konnte der Betroffene auch zur Nachuntersuchung bestellt werden. Wurde jedoch Lepra diagnostiziert, wurde der Kranke förmlich ausgesegnet bis hin zu seiner Teilnahme an der eigenen Totenmesse. Er verlor seine Rechtsfähigkeit und alle Rechte und Pflichten, die seine Teilnahme an der menschlichen Gemeinschaft ausmachten. Für die Gesunden galt er als tot. Im Laufe der Zeit, v. a. seit im 16. Jahrhundert die Lepra zurückging, versuchten jedoch auch immer wieder Gesunde aus Gründen der Bequemlichkeit oder der ,Altersversorgung' in die teilweise sehr gut versorgten Leprahäuser zu gelangen.

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Brigitte Beyer: Leprosenstätten am linken Niederrhein. In: Archäologie im Rheinland 1988. Landschaftsverband Rheinland. Rheinisches amt für Bodendenkmalpflege.

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Krankenhäuser /
Zeit:
1493
Epoche:
Gotik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.07067
lat: 50.02550
Lagequalität der Koordinaten: Vermutlich
Flurname: Im Eulenberg

Internet
http://gepc189.uni-trier.de/cgi-bin/RMnetIndex.tcl?hea=tf&for=tlepro

Datenquellen
Martin Uhrmacher: Ortslexikon zur Geschichte der Leprosorien im Rhein-Moselraum. Universität Trier 23.10.2003 (Informationsnetzwerk zur Geschichte des Rhein-Maas-Raumes, ); Brigitte Beyer: Leprosenstätten am linken Niederrhein.


Stand
Letzte Bearbeitung: 25.10.2007
Interne ID: 10551
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