Walterburg

Oberwinkel, Gemeinde Winkel (Eifel)
Beschreibung
An einer Wegespinne in der Flur Die Walterburg. 1300 erstmalig erwähnt. 1838 waren noch die Grundmauern sämtlicher Gebäude zu erkennen. [1]

Mit einem Freund und mithilfe des ehemaligen Ortsbürgermeisters der Ortsgemeinde Winkel, dem 95 Jahre alten Josef Hölzer [Bild 1], konnte der Standort, zumindest eines Teils des Hofes, lokalisiert werden.
Teilweise stand der Hof auf der heutigen Parzelle, Gemarkung Winkel,Flur 22, Nr. 120. Dort befand sich zu Kindertagen von Josef Hözer eine Wiesenfläche, die von seinem Vater bewirtschaftet wurde. Auf der Wiese waren noch Steine eines Gebäudes zu sehen, die heute durch die Hecken überwachsen sind. Außerdem befand sich auf der Wiese eine Quelle, Voraussetzung für eine Besiedlung.

Der untergegangene Hof Walterburg bei Winkel
Pest, Krieg, Hexenwahn und Scheiterhaufen

Die Geschichte des Hofes Walterburg, die der Dauner Heimatforscher Willi Steffens unter Eifeler Sagen und Geschichten einordnete, hat einen realen Hintergrund. Den Hof Walterburg bei Winkel gab es tatsächlich. Nördlich des Ortsteils Oberwinkel, vom Wald eingeschlossen, liegt auf einer Hochebene die sogenannte "Heide". Dort war im 13. Jahrhundert ein Hof entstanden. Der Hofname könnte vom Erbauer mit Vornamen "Walter" abgeleitet worden sein. Das weitere Wort "burg" deutet darauf hin, dass der Besitz des Walters befestigt, mit einer Schutzmauer oder einem Schutzzaun umgeben war. Eine Burg im heutigen Sinne war es nicht, sondern eine befestigte und gegen Feinde gesicherte Hofanlage.

Mehrere Hofhäuser und Wirtschaftsgebäude zeugten von der Größe und Bedeutung des Hofes. 1563 sind 4 Feuerstellen (Wohnhäuser) auf Walterburg nachgewiesen. Im Feuerbuch werden die Haushaltsvorstände mit ihren Vornamen "Frantz, Bernhart, Johannet" aufgeführt und ferner "der Hoebmann" (Hofmann), der namentlich nicht erwähnt ist. Vor 1600 war Matthias Loge aus Daun der zeitliche Pächter; Eigentümer des Hofes war der jeweilige Grundherr der Herrschaft Wollmerath. Matthias Loge war ein angesehener und ehrbarer Mann, von 1590 bis 1608 Schöffe des Hochgerichts Wollmerath. Das Schöffenamt wurde nur unbescholtenen, gottesfürchtigen und im Gerichtsbezirk anerkannten Männern übertragen. Zusammen mit seinem Sohn und der Schwiegertochter führte er den Hof, der hohe Erträge erbrachte.

Wahrscheinlich waren es Neid und Missgunst, die zu den Vorwürfen und Anschuldigungen führten. Es kamen böse Gerüchte über den Hofmann und seine Schwiegertochter auf, von Zauberei war die Rede, aber auch von Blutschande. Matthias Loge wurde als Hexenmeister denunziert, der das Vieh anderer Leute verhexte und bei seinen nächtlichen Untaten bis auf den Hunsrück flog. In einer Zeit, als die Hexenprozesse auch in der Eifel eine grausame Spur von Folter und Tod zogen, endeten derlei Anschuldigungen fast immer mit dem Tod. „Selbst die unsinnigste Klage reichte oft aus, um jemand auf die Folter oder den Scheiterhaufen zu bringen.“ Ja, gerade Frauen und Männer, die erfolgreich waren oder besondere Fähigkeiten besaßen, wurden übernatürliche Kräfte zugesprochen oder mussten mit dem Teufel im Bunde stehen. Loge und seine Schwiegertochter wurden im April 1612 verhaftet und in das Gefängnis der „Weiherburg“ nach Wollmerath gebracht. Bald darauf wurde den Beschuldigten der Prozess wegen Hexerei und Blutschande gemacht. Das Hochgericht Wollmerath tagte unter dem Vorsitz des Lehns- und Gerichtsherrn Ludwig Zandt von Merl, in Anwesenheit des Schultheißen, des Gerichtsschreibers und 7 Schöffen; vermutlich fand der Prozess in der Burg statt. Mehr als eine Woche tagte das Hochgericht, denn nicht nur die Angeklagten, sondern auch eine Reihe von Zeugen mussten vernommen werden.

Die Beklagten wurden nach der 1532 von Kaiser Karl V. erlassenen "Peinlichen Gerichtsordnung", die die Landesherrn anwendeten, zunächst gütlich befragt, später unter Vorzeigung der Folterinstrumente verhört und wenn dies zu keiner Aussage führte, "peinlich befragt", also der Folter unterzogen. Durch die Folter war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie die ihnen zur Last gelegten Taten gestanden. Der Prozess fand nicht – wie bei Zivilprozessen und anderen Strafverfahren üblich – mündlich und öffentlich, sondern schriftlich und geheim statt und war damit auch der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogen. Niemand durfte ohne Geständnis verurteilt werden. Matthias Loge und seine Schwiegertochter Helene gestanden wohl unter Folterqualen die erhobenen Vorwürfe, das Gericht hielt sie für schuldig. Auf Verbrechen wie Hexerei und Blutschande stand die Strafe des Feuertodes, also der Scheiterhaufen. Nach dem der Grund- und Gerichtsherr Ludwig Zandt von Merl das Todesurteil unterzeichnet hatte, wurde es vollstreckt. Bald loderte das Feuer des Scheiterhaufens, die Verurteilten wurden vor den Augen der zahlreich erschienen Kinder, Männer und Frauen aus Wollmerath und den umliegenden Dörfern auf dem Gerichtsplatz, nahe der Burg, verbrannt. Die Anwesenheit des Scharfrichters deutet darauf hin, dass die "Schuldigen" vor dem Verbrennen getötet wurden. Diese Vergünstigung wurde den Verurteilten erwiesen, die ihre Taten gestanden. Die am Prozess Beteiligten verzehrten im Gasthaus in Wollmerath während des Prozesses und der Hinrichtung Wein und Essen für 45 Florin und 15 Albus. Ludwig Zandt von Merl wurde mit dem Gerichtsschreiber und seinem Diener während der Gerichtsverhandlung und der Exekution im Pfarrhaus mit Essen und Trinken versorgt; Pastor Wilhelm stellte 17 Florin und 22 Albus in Rechnung. Der Scharfrichter erhielt als "Belohnung" für sein tödliches Handwerk 19 Florin. Die Kosten des Prozesses summierten sich auf insgesamt 128 Florin 12 Albus und waren von den Verurteilten zu tragen. Eine unvorstellbare hohe Summe, wenn man bedenkt, dass 1601 bei einem Verkauf eines kleinen Hauses in Wollmerath ein Erlös von 21 Florin erzielt wurde. Wenn die Hinterbliebenen nicht zahlen konnten, wurde das Vieh aus dem Stall geholt oder Haus und Hof verkauft, um die Kosten zu decken.

Der Sohn des Matthias Loge blieb bis 1617 auf dem Hof, dann bewirtschaftete ein Schwiegersohn des Hingerichteten den Hof Walterburg. Aber auch er verließ nach der Sage bald die Walterburg, denn kein Knecht und keine Magd wollte auf dem Hof bleiben, weil in der Nacht immer wieder die Geister der Hingerichteten erschienen. Um 1625 ist ein Hofmann namens Paulus auf Walterburg, der vom Hochgericht mit 3 Goldgulden bestraft wurde, weil er sich trotz Verbots nach Gillenfeld "in die böse (sterbende) Luft begeben" hatte; die Pest wütete in der Eifel. Wo waren die übrigen Bewohner geblieben, denn 50 Jahre vorher waren noch drei weitere Familien auf Walterburg? Wahrscheinlich ist, dass nicht die Geister von Matthias und Helene Loge die Bewohner vertrieben hatten, sondern natürliche Gründe für das Aussterben des Hofes ursächlich waren. Hatte die damals wütende Pest oder eine andere Epidemie die Bewohner dahingerafft? Waren sie aus ihren Behausungen während des 30jährigen Krieges vor den plündernden, schändenden und mordenden Soldaten geflüchtet? Hatten sie Haus und Hof verlassen, weil ihr Hab und Gut angezündet und das Vieh geraubt worden war? Es spricht vieles dafür, denn sowohl die Winkeler Mühle als auch der nahe Robeshof fielen in dieser Zeit Brandschatzungen zum Opfer. Welche Spuren Pest und Dreißigjähriger Krieg hinterlassen hatte, geht aus einem Bericht von 1630 des Lehnsherrn Ludwig Zandt von Merl an den Trierer Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern hervor, um die Einquartierung von Soldaten in der Herrschaft Wollmerath abzuwenden: "Die Dörfer in der Herrschaft Wollmerath waren beinahe ausgestorben, die Mühlen bleiben stehen. Ein Dorf (vermutlich Filz) war 1630 abgebrannt. Saat und Ernte bleiben aus, das Land war mit Kriegsleuten gefüllt." 1650 waren die Gebäude des Walterburger Hofes bereits verfallen, 1838 noch die Grundmauern sichtbar. [2]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Wüstungen
Zeit:
13. Jahrhundert
Epoche:
Gotik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.947404
lat: 50.154787
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Auf dem Hofplatz

Internet
http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb2006/hjb2006.127.htm

Datenquellen
[1] Janssen,W.: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. 2 Bände. Text u. Katalog, 1975.
[2] Friedbert Wißkirchen, Daun in Heimatjahrbuch Daun 2020.

Bildquellen
Bild 1: © Friedbert Wißkirchen, Daun, 2020.
Bild 2: © Friedbert Wißkirchen, Daun, 2020.
Bild 3: © Friedbert Wißkirchen, Daun, 2020.

Stand
Letzte Bearbeitung: 02.08.2020
Interne ID: 11696
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=11696
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