Römische Villenanlage

Leudersdorf, Gemeinde Üxheim
Beschreibung
Fundstelle 1299
Südlich von Leudersdorf wurde 1878 vom Provinzial Museum Trier unter Leitung von F. Hettner eine große römische Villenanlage ausgegraben. Das Hauptgebäude ist nach Hettner mehrphasig. Den Nukleus der Anlage bildete eine relativ kleine Risalitvilla (Frontbreite ca. 35 m; T. ca. 25 m) deren Front hangabwärts (SSO) orientiert war. Zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt wurde dieser Kernbau erheblich erweitert, so daß ein Komplex von 78 m Breite (Ost-West Ausdehnung) entstand, der mehrere hypokaustierte Räume und einen Badetrakt umfaßte. Südsüdöstlich vorgelagert wurde schließlich eine Porticus mit beidseitig anschließenden Flügeln, deren Frontbreite insgesamt 108 m betrug. Es handelte sich somit um eine sehr große Villenanlage, die zudem luxuriös ausgestattet war, worauf u.a. umfangreiche Reste von qualitätvollen Marmorauskleidungen hinweisen. In einem Kellereingang fanden sich einige farbige Glasplättchen, bei denen es sich um Rohlinge von Mosaiksteinchen handeln dürfte. Ein zweiter Gebäudegrundriß wurde ca. 65 m östlich des Hauptgebäudes freigelegt. Es handelt sich um einen ca. 23 x 15 m großen Steinbau mit großem Hauptraum und drei kleineren Nebenräumen, von denen einer hypokaustiert war. 83 m in südlicher Richtung, am Fuß des Hangs, deckte man die schlecht erhaltenen Fundamente eines dritten Steingebäudes auf, das eine Länge von 57,38 und eine Breite von 9,83 m besaß. Hettner interpretierte es als Wirtschaftsgebäude mit Ställen und Scheunen. Bemerkenswert ist allerdings, daß sich entlang der Nord-Seite dieses Gebäudes zahlreiche Terrakotten fanden. Es handelt sich überwiegend um Statuetten weiblicher Gottheiten, darunter Kybele (Schwertheim 1974, 228 Nr. 189), Fortuna und gallo-römische Muttergottheiten mit Wickelkindattribut. An derselben Stelle wurden "sieben kleine Uernchen gefunden, welche aus rohem, röthlichen Thon bestehen, starke Bauchung, aber hohen Fuss haben und in der Höhe zwischen 4 und 5 cm schwanken " (Jahresber. Ges. Nützl. Forsch. Trier 1878-1881, 57). Hettner (ebd.) nahm an, daß "diese Uernchen die Opfergaben für die Gottheiten enthalten haben". Die Terrakotten gehören überwiegend dem 2. Jahrhundert n. Chr. An. Die gesamte Villenanlage ist schlecht datiert, da bei den Ausgrabungen nur sehr wenig aussagekräftiges Fundmaterial geborgen wurde. Die Terrakotten legen eine Entstehung spätestens im 2. Jahrhundert n. Chr. Nahe. Das Ende der Anlage dürfte im fortgeschrittenen 4. oder im 5. Jahrhundert n. Chr. Zu suchen sein. In diesem Zusammenhang verdient ein germanischer Knochenkamm Erwähnung, der im Bereich des Hauptgebäudes gefunden wurde (ebd. 57f.; van Ossel 1992, 166). Eine dicht westlich gelegene römische Hügelgräbernekropole (s. u.) könnte zur Frühphase der Villenanlage oder zu einer Vorgängersiedlung gehört haben.

Van Ossel 1992, 153, 166f., 376; Römer Mosel, Saar, 316f.; Jahresber. Ges. Nützl. Forsch. Trier 1878-81, 52ff.
In: Römisch-Germanische Forschungen, Bd. 63. Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld. Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt a. M. Fundstellenkatalog von: Dirk L. Krausse unter Mitarbeit von Antje Fischbock. 2006

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Siedlungen
Zeit:
2. Jahrhundert nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.736204
lat: 50.337122
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Am dicken Baum

Internet
http://www.dainst.org/medien/de/krausse.pdf

Datenquellen
- Fundstellenkatalog: Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld. Dirk L. Krausse unter Mitarbeit von Antje Fischbock, 2006.
- Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Verlag: Philipp von Zabern, Mainz, 2006. Beilage 1.


Stand
Letzte Bearbeitung: 29.11.2011
Interne ID: 11951
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