Turm der mittelalterlichen Stadtmauer - Nr. 36

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Kaiserstraße 24
Beschreibung
Sogenannter Roter Turm; runder Stadtmauerturm, Sandsteinquaderbau, nach 1540. [1]

[...] Die Mittelalter-Stadtmauer umgab eine Fläche von knapp 1,4 Quadratkilometern – weniger als die Hälfte der ummauerten römischen Stadt, deren kompletter Süden vor den Mauern des "neuen" Triers blieb. Sie zementierte das Siedlungsgefüge für viele Generationen. Erst im 19. Jahrhundert sprengte Trier sein zu eng gewordenes Korsett und verleibte sich die Vororte ein.
Die längst überflüssig gewordene Mauer, deren Verlauf heute im Alleenring ablesbar ist, verschwand noch vor 1900 weitgehend von der Bildfläche. Nur an einigen Stellen blieben Teile erhalten. [2]

Abbruch der Stadttore
Im Zuge der Gesamtvergrößerung der Stadt Trier um die Jahrhundertwende, wurden auch die Stadttore und große Teile der Stadtmauer abgerissen. Dass die Stadttore überhaupt bis ins späte 19. Jahrhundert der Stadt Trier von Bedeutung waren, ist auf die sogenannte Mahl- und Schlachtsteuer zurück zu führen. Diese war die Haupteinnahmequelle der Stadt und besteuerte alle Fleisch- und Getreideprodukte, die von Bäckern, Metzgern und Mehlhändlern nach Trier gebracht wurden. Daher gab es in Trier nur wenige, gut kontrollierte Eingänge. Nachts verschloss man die Tore. Die 1820 eingeführte Steuer, die den Toren eine Zentrale Rolle in der Stadt Trier gab, veranlasste auch deren Abriss. 1875, als man eine neue Steuer einführte, welche nicht die Kontrolle an den Stadttoren benötigte, wurde der Weg frei zum Abriss der Tore und der Stadtmauer. An Stelle der Mauer beziehungsweise der Tore entstanden Ringstraßen und Wohnhäuser.

Im Norden der Stadt stand direkt neben der noch heute vorhandenen Porta Nigra das Simeonstor. Es war, im Norden, der einzige Zugang zur Stadt, da die Porta Nigra seit dem Mittelalter als Kirche umfunktioniert war. Das Wappen ist das des Kurfürsten Franz Georg von Schönborn. Er war der Auftraggeber zum Bau des Tores, welches dann 1746 fertiggestellt wurde. Auf der Spitze des Tores befindet sich eine Statue des Namensgebers, der heilige Simeon. Diese Statue ist das einzige was heute noch von dem Tor erhalten ist. Es wurde 1875 abgerissen, nachdem es zum einen wegen wegfallen der Mahl- und Schlachtsteuer unbrauchbar wurde und es zum anderen dem perfekten Straßenverlauf der Stadt im Wege stand.
Endlich, sind wir die lästige Steuer losgeworden, endlich kann unsere Stadt sich frei entfalten, von keinen Mauern, Toren und deren Wächtern mehr behindert, welche den Zutritt [...] des Unternehmungsgeistes, der Industrie, des ungehinderten Verkehrs in unserer Stadt Jahrhunderte lang abgewehrt haben [...] Unsere Stadtverordneten werden sicher nicht zögern, für das Niederlegen der abscheulichen Mauern und Tore recht bald Sorge zu tragen; dann gibt’s schöne Straßen und Bauplätze in Hülle und Fülle, dann erst kann und wird sich Trier in baulicher Hinsicht kräftig heben", so schrieb ein Trierer Bürger in der Trierischen Volkszeitung, anlässlich der Entscheidung, dass die Steuer abgeschafft wurde. Auch die Trierische Volkszeitung selbst schrieb, das mit dem Fall der Mauern und der Tore, Trier eine neu Physiognomie annehmen und aus einer mittelalterlichen geschlossenen eine offene, neue Stadt werden." Dies sei die Ansicht aller Trierer Bürger.
Aus dieser Aussage erkennt man klar, dass sich die Trierer Bürger seit Einführung der Mahl- und Schlachtsteuer 1820 nicht sehnlicher wünschten als den Abriss der Mauern und Tore. Nach den Stadtverordneten und der Mehrzahl der Trierer Bürger, hätte die Mauer und die Tore, die bis Dato Trier auf der Größe der römischen Zeit hielt, unverzüglich verschwinden können. Man wollte eine Ringstraße entlang der ehemaligen Mauer ziehen, die so eine Umgehung um die gesamte Altstadt der Stadt Trier ermöglichen würde.
Am 3. Dezember 1875 genehmigte Kultusminister Falk den Abriss der Stadttore und -mauern. Als diesem Beschluss dann noch der Stadtrat zustimmte, begannen unverzüglich die Abbruchmaßnahmen in der Stadt. Wenige Monate später fielen sowohl Mus- und Schellentor, 1876 dann noch das Weberbachtor und das Simeonstor. Die Stadtmauern fielen bis zur Jahrhundertwende fast vollständig. Lediglich von der Weberbach über die Kaiserthermen bis hin zum Mustor blieben die Mauern erhalten. Dies kam daher, das sich hier der Exerzierplatz des Miltärs befand. Dieser sollte weiterhin abgesperrt bleiben. Auch blieb die Mauer am Schiessgraben stehen, da auch das hier befindliche Proviantamt abgesperrt bleiben sollte.
Dies sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Abriss der historischen Stadtmauer und der -tore ohne Widerstand aus der Bevölkerung ablief. Die Gesellschaft städtische Deputation zur Denkmalpflege" zum Beispiel rief am 2. Juni 1906 in der Trierischen Zeitung zum Widerstand gegen den schonungslosen Abriss der historischen Bauten auf. In dem kleinen Zeitungsartikel wägen die Verfasser zuerst ab, was nun wichtiger sei: der Fortschritt der Städte mit großen Strassen und Wohnhäusern, oder die Pflege der historischen Bauten, die eben den speziellen, geliebten Charakter von Trier ausmachen.
Es heißt, das Stadtbild in Trier habe sich im Laufe der Jahre immer mehr dem Bild anderer rheinischen Städte angepasst. Neue Strasse, renovierte Häuserzeilen etc. prägen immer mehr das Trierer Stadtbild. Die Gesellschaft zur Denkmalpflege weiß jedoch, dass sie ohne Hilfe aus der Bevölkerung, die Denkmäler der Stadt nicht vor dem Fortschritt retten kann. Daher rufen sie die Menschen in Trier auf, der Gesellschaft beizutreten, um so ihr Interesse an der Erhaltung des historischen Triers zu bekunden. [3]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Wehrbauten und militärische Anlagen / Stadtbefestigungen
Zeit:
nach 1540
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.63386
lat: 49.75042
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.landesmuseum-trier.de/

Datenquellen
[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010.
[2] http://www.volksfreund.de/totallokal/trier/aktuell/art754,952203.html
[3] Rettet das archäologische Erbe in Trier. Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier. Nr. 31. Online-Shop: www.landesmuseum-trier-shop.de

Bildquellen
Bild 1: © Peter Valerius, Kordel, 2009.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2009.
Bild 3: © Helge Rieder, Konz, 2018.
Bild 4: © Helge Rieder, Konz, 2018.

Stand
Letzte Bearbeitung: 15.03.2018
Interne ID: 12299
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=12299
ObjektURL als Mail versenden