Römisches Kastell - Turm P

Bitburg, Stadt Bitburg Hans-Lehnert-Gasse
Beschreibung
Spätrömisches Kastell Bitburg
Das spätrömische Kastell Bitburg stammt aus dem 4. Jahrhundert und ist neben dem Boppard die best erhaltenste spätantike Befestigungsanlage nördlich der Alpen. Hier wurden vor 150 Jahren die ersten archäologischen Funde bekannt. Wie die meisten römischen Städte und Dörfer des Rheinlands wurde auch Bitburg bei den verheerenden Germaneneinfällen des Jahres 275 n. Chr. zerstört und daher kann die Entstehung des Kastells auf das 2. Viertel des 4. Jahrhunderts, das heißt um 330 n. Chr. datiert werden. Als bescheidender Anhaltspunkt für die Datierung Anhaltspunkt der Errichtung kann eine im Estrich eines großflächigen Bodens verbackene Münze genannt werden. Weitere Indizien für diese Zeit sind aber auch zahlreiche vicuszeitliche Steingebäude und Pfostenstellungen frührömischer Holzbauten.

Den Kernbereich des früheren Bitburg bildet ein Kastell mit ovalem Grundriss, welcher den äußeren Abschluss in Form von mächtigen Mauern, zwei Stadttoren und 13 Türmen findet. Weitere Teile des spätantiken Mauerrings konnten dank einer Spende der Bitburger Brauerei, die damit das Ziel verfolgte die Römerzeit stärker hervorzuheben und der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, konserviert und zugänglich gemacht werden konnten. Insgesamt betrug die Fläche rund 2 ha und wurde von der in Nord-Süd-Richtung verlaufende Römerstraße in zwei annähernd gleich große Hälften geteilt wurde. Der Wallgraben konnte bisher an vier Stellen festgestellt werden. Die Wehrmauer war 3,80 m stark und bestand aus einem mit Kalksteinquadern verblendeten Gußmauerwerk.

Die Kastellmauer hatte stark unter Kriegszerstörungen gelitten, so dass im Jahr 1947 in Etappen der Wiederaufbau einsetzte. Die an der Kastellmauer von Bomben zerstörten befindlichen zerstörten Häuser wurden abgetragen und die privaten Grundstücke von der Stadtverwaltung erworben. Die ersten großflächigen Untersuchungen im Innenraum der Befestigungsanlage wurden erst 1984 in Verbindung mit der Rathauserweiterung vorgenommen. Weitere Restaurationen fanden bereits 1982 und später noch 1986 statt. Es kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob das Kastell vorwiegend dem Schutz der ansässigen Bevölkerung oder übergeordnet militärischen Zwecken gedient hat. Festgestellt wurde jedoch, dass es in jedem Fall eine starke Truppenbesatzung und die Verwaltung des umliegenden Gebietes beherbergte. Weiterhin nahmen Truppenunterkünfte, Werkstätten und Speicherbauten einen großen Raum ein. Ebenso sind eine kaiserliche Reichspost, Herbergen und Stallungen sowie eine Wohnbebauung anzunehmen. Das Kastellgelände beherbergt heute, bei zum Teil sehr lockerer Bebauung neben den beiden Großbauten der Kirche und des Rathauses noch etwa 70 Häuser.

Eine Neubefestigung der Stadt wurde urkundlich 1239 erwähnt. Möglicherweise geht die mittelalterliche Erneuerung der römischen Mauern auf diese Zeit zurückgeht. Diese Annahme ist jedoch nicht eindeutig belegbar. Bei der Neuerung wurde der römische Mauerring beibehalten. 1340 erfuhr die Stadtbefestigung eine beträchtliche Erweiterung nach Süden, davon sind jedoch nur sehr geringe Reste erhalten, jedoch lässt sich der Verlauf im Stadtbild bis heute sehr gut verfolgen.

[Nadine Lichter: Militärische Güter als Kulturgut. Zusammenstellung der wichtigsten militärischen Denkmäler und Anlagen des Bitburger und Speicherer Landes und Umgebung. Bitburg, 2005.]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Wehrbauten und militärische Anlagen / Stadtbefestigungen
Zeit:
306-337 nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.525537
lat: 49.975299
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.bitburg.de/

Datenquellen
Nadine Lichter: Militärische Güter als Kulturgut. Zusammenstellung der wichtigsten militärischen Denkmäler und Anlagen des Bitburger und Speicherer Landes und Umgebung. Bitburg, 2005.

Bildquellen
Bild 1: © Lothar Monshausen, Fotostream http://www.flickr.com/photos/lomo56/tags/meteorite/
Bild 2: © Lothar Monshausen, Fotostream http://www.flickr.com/photos/lomo56/tags/meteorite/
Bild 3: Info-Tafel an der Römermauer. Jürgen Bier, Trier, 2014.

Stand
Letzte Bearbeitung: 23.07.2010
Interne ID: 17379
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=17379
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