Ortsgeschichte Rom

Rom, Gemeinde Birresborn
Beschreibung
Die Gründung Roms

An einem schönen Maientage stieg die Muttergottes mit dem Jesusknaben vom Maialtar herab und schritt mit ihm aus der traulichen Stille der Kirche von Salm in die sonnenhelle Flur. Das Jesuskind spielte mit den Tieren und pflückte Blumen für seine Mutter. Als sie schon ihre Schritte heimwärts lenken wollten, sahen sie einen Pilger des Weges kommen. Der schleppte ein schweres Kreuz und kam mit seiner schweren Last nur mühsam vorwärts. Voll Mitleid fragte ihn Maria, weshalb er das Kreuz trage. Der Pilger sagte, er habe im Streite einen Mann erschlagen und trage zur Buße das Kreuz nach Rom. Da sah Maria bittend ihr Kindlein an. Der Büßer erblickte plötzlich die Gestalten in strahlendem Lichte und hörte den Knaben sagen: "Dir sei vergeben!" Dann entschwanden Mutter und Kind seinen Augen. Freude und Friede zogen in des Pilgers Herz. Die Stätte des Wunders wollte er nicht mehr verlassen. Er richtete das Kreuz am Wege auf, baute sich eine Hütte und nannte den Ort, an dem seine Pilgerfahrt ihr Ende gefunden hatte, Rom, weil er dorthin hatte pilgern wollen.

[Aus dem Eifelkalender 1926 von Studienrat Hubert Rahm, Gerolstein]



In Rom spricht niemand italienisch
Post wandert zwischen Italien und der Eifel

Mein Onkel, der ein weitgereister Mann ist, war gestern sehr böse auf mich. Ich hatte ihm erzählt, daß ich in Rom gewesen sei und dabei festgestellt habe, daß dort kein Mensch italienisch sprechen kann. Weiter habe ich ihm erzählt, daß beileibe nicht alle Wege nach Rom führten, und die dorthin gingen, seien außerordentlich schlecht. Und als ich hinterher noch sagte, daß es dort keine Sankt Peterskirche gäbe und daß ich zudem die Fahrt in eineinhalb Stunden mit dem Wagen von Trier aus bewältigt habe, stieg über seinen ersten Ärger ob dieser ganz unmöglichen Behauptungen eine tiefe Besorgnis um meinen Verstand. Mein Onkel, das muß man ihm zugute halten, ist nicht von hier, aber ich bezweifle stark, ob es hierzulande viele Leute gibt, die sofort gewußt hätten, daß natürlich nicht Rom, die ewige Stadt und Hauptstadt Italiens, sondern der kleine Ort Rom im Kreis Prüm gemeint war. Ich selber muß gestehen, daß ich es auch erst seit einigen Wochen bei einem der beliebten Spaziergänge mit dem Finger über die Landkarte durch Zufall entdeckt habe.

Rom in der Eifel gehört zur Gemeinde Birresborn und besteht nur aus ein paar Häusern und Gehöften diesseits und jenseits der Straße zwischen Salm und Birresborn. Etwa 30 Einwohner, Bauern- und Arbeiterfamilien, bevölkern den Ort. So klein er auch ist, und so versteckt er im Salmwald liegt, der Krieg hat ihn gefunden. Das Eckhaus an der Straße wurde zerstört, andere beschädigt. Rund um die Häuser erstrecken sich bis zum nahen Waldrand Felder und Wiesen, und man kann sich vorstellen, daß der Winter hier auf der Höhe lange und einsam ist. Woher der Name Rom stammt, war nicht zu ergründen. Aber schon oft hat "gute" Postverbindung zur ewigen Stadt bestanden. Besonders vor den Festtagen, wenn in der Eile die Bezeichnung Eifel hinter der Ortsangabe ausgelassen wurde, wanderten schon viele Briefe und Kartengrüße den weiten Weg nach Italien, um meist nach drei Monaten mit zahlreichen Stempeln und Vermerken versehen an ihren richtigen Bestimmungsort in die Eifel zu gelangen. Und man kann sich vorstellen, daß sich die römischen Postbeamten sehr gewundert haben mögen, daß es noch ein Rom gibt irgendwo in Germania. Wenn ich noch einmal nach Rom komme, nehme ich der Hauptpost der italienischen Metropole am Tiber ein Foto von Rom in der Eifel mit, damit mir auch geglaubt wird.

[Abschrift eines Zeitungsartikels: "Trierischer Volksfreund", Jahr 1956]

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte /
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.673933
lat: 50.160265
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.birresborn.de/

Datenquellen
Eifelkalender 1926, Trierischer Volksfreund und Uwe Widera, 54550 Daun, 2009.


Stand
Letzte Bearbeitung: 08.09.2009
Interne ID: 17486
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=17486
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