Evangelische Kirche

Bitburg, Stadt Bitburg Trierer Straße 17
Beschreibung
Im Bitburger Land hatte die Reformation keinen Fuß gefasst. Erst seit der Gründung des Landkreises Bitburg in der Preußischen Rheinprovinz vor 175 Jahren kamen allmählich protestantische Verwaltungsbeamte in die Region, die zunächst von der Trierer evangelischen Gemeinde betreut wurde.

Im Jahre 1850 wurden die evangelischen Christen des Kreises der Prümer Pfarrgemeinde zugeteilt, 1854 wurde eine eigene evangelische Gemeinde gegründet. Sie zählte auch 1875 nur 148 Seelen. In diesem Jahr war für die kleine Diaspora-Gemeinde an der Trierer Straße in Bitburg die erste evangelische Kirche des Kreises nach Plänen des königlichen Kreisbaumeister A. Krone erbaut worden. Diese Kirche, ein einfacher neugotischer Saalbau, stand mit der Westfassade zur Straße. Er wurde mit dem benachbarten Pfarrhaus am 24.12.1944 durch Bomben zerstört.

Bereits 1948/49 hatte der damalige Pfarrer Schmidt mit dem Trierer Architekten Baurat Vogel erste Verhandlungen über den Wiederaufbau geführt. Dieser wurde in den Jahren 1950/ 52 vorgenommen, die Einweihung der Kirche erfolgte am 28.09.1952.

Der heutige Kirchbau erstreckt sich an gleicher Stelle wie sein Vorgänger, jedoch straßenparallel von Süd nach Nord. Dem kleinen Saal ist am Nordgiebel ein kräftiger quadratischer Chorturm vorgestellt. An diesen stößt auch das quer zum Kirchenschiff stehende Pfarrhaus. Der Kirchbau besaß ursprünglich nur zwei Achsen; an seinem nördlichen Giebel stand in einer Flucht mit der straßenseitigen Längswand ein halbrunder Turmanbau, der etwa bis zur Traufhöhe des Kirchenschiffes reichte. Dieses Motiv des angehängten Tannstumpfes hat der Architekt später auch beim Rathausneubau in Bitburg verwendet. Möglicherweise wurde Vogel durch die Türme des römischen Kastells Beda zu diesem Motiv angeregt. Der kleine, steinsichtig belassene Bau aus Rotsandstein wird an der Straßenfront lediglich durch ein halbkreisförmig schließendes Fenster in tiefer Mauerlaibung und das einfache hochrechteckige Eingangstor mit Schutzdach gegliedert. Ganz ähnlich wurde auch beim Wiederaufbau der stark kriegsbeschädigten Kyllburger evangelischen Kirche - auch dieser ist ein Werk Heinrich Otto Vogels - die Eingangsfront gestaltet.

Das Innere der Kirche besteht aus einem kurzen Schiff und dem Chorraum im Untergeschoß des Turmes. Beide Raumteile sind durch einen hohen und weiten Triumphbogen miteinander verbunden. Das Schiff ist flachgedeckt, der Chorraum durch eine flache Holztonne überwölbt. Auf der Süd- sowie auf der Nordseite umläuft die Holzkonstruktion einer Empore den Raum. Ihre Kassettenbrüstungen sind ebenso wie die Holzbänke der Kirche farbig gefaßt.

Den schlichten Sandsteinaltar schmückt ein Gemälde des Trierer Malers Martin Mendgen (ÖI auf Holz). Es zeigt vor Goldgrund den an einem Astkreuz sterbenden Christus. Die realistische Darstellung erinnert an Kreuzigungen der späten Gotik, aber auch an die Malerei des deutschen Expressionismus, etwa von Otto Dix.

Mit seiner evangelischen Kirche hat H. O. Vogel das Motiv der mittelalterlichen Chorturmkirchen aufgegriffen, die auch im Bitburger Land häufig vertreten sind. Sowohl in der Proportionierung des Bauvolumens als auch in den Einzelformen und in der handwerklichen Ausführung hat sich der Architekt an der ländlichen Architektur der Region orientiert.

Im Jahre 1981 wurde das Kirchenschiff durch einen Anbau, der etwa die Hälfte des bisherigen Volumens ausmacht, nach Süden erweitert. Dabei wurde der am alten Giebel befindliche Turmstumpf entfernt. Dach, Mauerwerk, Fenster und ein zweiter Eingang wurden der vorhandenen Bausubstanz exakt angepasst. Jedoch hat die Verlängerung die vorher so ausgewogenen Proportionen zerstört. Der Anbau hat Büro-, Archiv und Gruppenräume aufgenommen, das Kircheninnere blieb unverändert. [1]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Vogel, Heinrich Otto (Architekt), Trier. [* 20. Mai 1898 in Darmstadt; † 15. September 1994 in Trier]
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Evangelische Kirchen
Zeit:
1950-52
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.523541
lat: 49.969941
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.bitburg.de/

Datenquellen
[1] Michael Berens: Die Kirchen und Kapellen des Bitburger Landes. Beiträge zur Geschichte des Bitburger Landes. Sondernummer 8/9 1992. Fotos: Heinz Drossard. http://www.gak-bitburg.de/bericht/Heft_8_9.pdf

Bildquellen
Bild 1: © Margraff: Kirchen, Burgen, Bauernhäuser. Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook Trier, 1986
Bild 2: © Helge Rieder, Konz, 2000

Stand
Letzte Bearbeitung: 12.11.2003
Interne ID: 1782
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=1782
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