Festung Mont Royal - Ehemalige Schanze

Montroyal, Gemeinde Kröv
Beschreibung
Im Jahre 1687 erteilte der Sonnenkönig Ludwig XIV. nach einer örtlichen Besichtigung seines Ministers Louvois den Befehl zum Bau einer französischen Zwingburg, die das größte Festungswerk in Europa werden sollte. Die Anlage war dazu bestimmt, die von französischen Truppen besetzten Gebiete an der Mosel und im Rheinland zu kontrollieren, und sollte 22 000 Soldaten und 3000 Pferden Platz bieten. Außerdem war ein Lazarett für rund 1000 Verwundete und Kranke geplant.

Der Sonnenkönig beabsichtigte darüber hinaus die Errichtung einer ganzen Stadt auf dem Hochplateau neben der Festung Mont Royal für die Etappenversorgung. Ein Stadtplan sah rechtwinklig sich schneidende Straßen, fünfzehn Baublöcke, eine Kirche, die sich an einer Marktseite zwischen dem Rathaus und dem Hauptquartier erheben sollte, sowie Schlacht- und Backhäuser vor. Die Stadt sollte Unterkunft für insgesamt 5000 Zivilpersonen bieten. Dieser Plan konnte jedoch nie fertiggestellt werden.

Beim Bau der Festung Mont Royal wurden die Reste des im 16. Jahrhundert erwähnten, untergegangenen Ortes Falerich zerstört. Die Leitung des teuren Unternehmens lag in den Händen des berühmtesten Festungsbaumeisters Frankreichs, Sebastien Vauban. Er wurde mit Hilfe Millionen französischer Staatsmittel und deutscher Zwangsgelder finanziert. Zur Errichtung wurden bis zu 8000 Fronarbeiter verpflichtet. Als Baumaterial wurden unter anderem Steine der 1689 geschleiften Stadtmauer von Bernkastel-Kues verwendet. Der benötigte Kalk wurde aus Steinen gewonnen, die oberhalb von Wehr an der Obermosel gebrochen wurden. Das zum Kalkbrennen nötige Holz entnahm man dem Gemeindewald bei Wincheringen an der Obermosel, ca. 10 km westlich von Saarburg gelegen.

Ihren Namen erhielt die Festung Mont Royal (Königsberg) zu Ehren des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Möglicherweise aber hieß die Erhebung bei Traben-Trarbach auch schon in früheren Zeiten Königsberg. Diese Bezeichnung würde mit der Tatsache im Einklang stehen, daß Traben einstmals Königsgut war und die Bergfläche später noch herrschaftlicher Besitz war.

Bereits 1690 hatte die noch im Bau befindliche Festung Mont Royal unter dem Befehlshaber Graf de Montal eine Kampfbesetzung von 14 Regimentern mit knapp 8500 Soldaten und 155 Geschützen. Außerdem lagerten dort zu diesem Zeitpunkt Riesenvorräte, darunter etwa 2000 Fuder Wein. Wenige hundert Meter von diesen Festungskellern entfernt befinden sich heute die modernen, unterirdischen Keller der Langguthschen Weinkellereien. Die Gesamtanlage Mont Royal hatte 1690 eine Größe, gegenüber der die französischen Stützpunkte Saarlouis und Luxemburg das Nachsehen hatten. Fertiggestellt waren bis dahin die Bastionen, ein Teil der Kasernen, das Zeughaus, eine zweigeschossige Anlage mit zwei Binnenhöfen, die Wasserleitung, drei Pulvermagazine und diverse andere Magazine, 20 Privathäuser, einige Schlacht- und Backhäuser, sowie über ein Dutzend Straßen und Plätze.

Lange sollte Frankreich jedoch keine Freude an seiner Festung haben. Schon im Laufe der Kriegsjahre wurde die Zweckmäßigkeit der kostspieligen Anlage in Zweifel gezogen und auf die Dauer war Mont Royal, 100 km tief im Rheinland gelegen, gegen die anderen europäischen Mächte nicht zu halten. Zwar versuchten England und Holland die Festung unzerstört einzuhandeln; dies wurde ihnen aber von Frankreich nicht gegönnt. Nach dem Friede von Rijswijck 1697, 10 Jahre nach Baubeginn, ließ Ludwig XIV. Mont Royal schleifen. Die Franzosen mußten die Mosel räumen, bekamen aber im Gegenzug dafür die Stadt Straßburg. Laut Überlieferung sollen einige Häuser in Traben-Trarbach, Reil, Pünderich und Cochem mit den gesprengten Teilen der ehemaligen Festung erbaut worden sein.

In den Jahren 1929 bis 1938 wurden von der Festung Mont Royal Teile der Bastionen und Keller und die Fundamente des Zeughauses weitgehend wieder freigelegt. Die fünfseitige Festung war von fünf Bastionen mit tiefen Gräben und Kasematten umgeben. Sie besaß zwei Tore (Luxemburger und Trabener Tor), zwei Tüme zum Flankenschutz, ein vorgelagertes großes Hornwerk an der Südseite und drei kleinere Hornwerke an der Nordseite. []]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wehrbauten und militärische Anlagen / Schanzen
Zeit:
1690
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.10968
lat: 49.98606
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Montroyal

Internet
http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-11a-festung-mont-royal/index.html

Datenquellen
[1] http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-11a-festung-mont-royal/index.html
[2] Preußische Kartenaufnahme 1:25000 (1843-1878).


Stand
Letzte Bearbeitung: 20.03.2002
Interne ID: 18973
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