Evangelische Kirche

Saarburg, Stadt Saarburg
Beschreibung
Am Standort des ehemaligen Amtshauses unterhalb der Burg und innerhalb des ummauerten Felsgrates stehende Baugruppe aus Kirche und Pfarrhaus. 1892/93 nach Plänen des Kreisbauinspektors Natorp aus Oldeslohe erbaut. Nach Teilzerstörung 1944 wiederhergestellt.

Die evangelische Kirche ist architektonisch ein außen, innen und im Detail bemerkenswert durchorganisierter Kirchenbau der Neugotik. Stadtgeschichtlich bezeugt die Kirche die Selbständigkeit der sich nach 1900 entwickelnden evangelischen Gemeinde in Saarburg. Als Dominante des Stadtpanoramas bildet sie das Bindeglied zwischen Burg und Oberstadt. Im inneren stammt die barock anmutende vorschwingende Holzempore ebenso wie die offene Dachkonstruktion aus der Zeit des Wiederaufbaus. Original aus der Erbauungszeit erhalten haben sich die Holzkanzel und der Seitenaltar. [1]

Geschichte:
Der Zuzug evangelischer Einwohner in die neu errichteten Kreise Merzig und Saarburg begann erst nach dem Wiener Kongress in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese evangelischen Einwohner waren zunächst preußische Verwaltungsbeamte.

Die Gründung einer selbständigen Kirchengemeinde in Merzig, der auch die evangelischen Einwohner von Saarburg zugeordnet waren, fand im Jahr 1851 statt. In Ermangelung einer eigenen Kirche in Saarburg fanden die Gottesdienste zunächst im Saal des Amtsgerichts statt. Erst 1893 konnte in Saarburg ein eigenes evangelisches Gotteshaus eingeweiht werden, das nach Plänen des Regierungsbaumeisters Natorp (Bad Oldesloe) errichtet wurde. Die Grundsteinlegung war am 8. Mai 1892 erfolgt, die Einweihung fand am 11. Juli 1893 statt. Für die Bauleitung hatte der örtlich zuständige Kreisbaumeister Heudler verantwortlich gezeichnet.

Mit Wirkung zum 1. April 1895 erfolgte die Trennung Saarburgs von der Muttergemeinde Merzig und die Erhebung zur selbständigen Kirchengemeinde, die aber aufgrund ihrer geringen Finanzkraft bis zur Jahrhundertwende nur einen Vikar anstellen konnte.

Im Dezember 1944 erlitt die Kirche schwere Beschädigungen, nach deren Beseitigung die Wiedereinweihung am 10. April 1949 erfolgen konnte.

Im Jahr 1983 wurde die Kirche einer umfangreichen Innenrenovierung unterzogen.

Architektur:
Das Kirchengebäude, das Stil des Historismus errichtet wurde, gliedert sich von West nach Ost in einen Turm mit Spitzhelm, ein dreiachsiges Langhaus und einen fünfseitigen polygonalen Chor. Dem Turm, der der westlichen Schmalseite des Langhauses in der Längsachse vorgebaut ist, wird von einem zweigeschossigen Treppenturm seitlich begleitet. Vervollständigt wird die Anlage durch einen Sakristeianbau an der Südseite des Chors. Als Baumaterial für das aufgehende Mauerwerk wurden gelbrötliche Sandsteinquader verwendet.

Eine Holzdecke schließt im Inneren der Kirche den längsrechteckigen Kirchenraum nach oben hin ab, während der gegenüber dem Langhaus um zwei Stufen erhöhte Chorraum über ein Rippengewölbe verfügt. An der Turmseite befindet sich eine vorschwingende Empore.

Ausstattung:
Das Kirchengestühl besteht aus zwei Blöcken von geraden Querbänken, zwischen denen ein Mittelgang vom Eingangsportal im Turm zum Chorraum hinführt. Im Chorraum, der drei Maßwerkfenster besitzt, steht der Altar. An der Südseite des Triumphbogens, der Chorraum von Langhaus trennt, befindet sich ein Kanzelkorb. Altar und Kanzelkorb gehören noch zur ursprünglichen Ausstattung.

Nach der Renovierung von 1983 wurden neue Fenster eingebaut, die von Maler und Grafiker Werner Persy (Trier) entworfen wurden. Die Fenster im Chorraum haben die christlichen Hauptfeste Weihnachten, Ostern und Pfingsten zum Motiv, während die Rosetten der Seitenfenster Darstellungen von möglichem, heute gelebten christlichen Glauben aufweisen. Die Fenster im Chorraum stellen eine Anknüpfung an die spätmittelalterliche Tradition der Biblia pauperum dar.

Nahezu gleichzeitig wurden unter ähnlichen Rahmenbedingungen die folgenden evangelischen Kirchen in der Umgebung erbaut: Die Evangelische Kirche Konz-Karthaus, die Evangelische Kirche in Hermeskeil und die Evangelische Kirche in Wittlich. [2]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Natorp (Regierungsbaumeister), Bad Oldeslohe
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Evangelische Kirchen
Zeit:
1892
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.553902
lat: 49.608845
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Aufm Schloß

Internet
http://www.saarburg.de/

Datenquellen
[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Trier-Saarburg, 12.1 Wernersche Verlagsgesellschaft 1994.
[2] Seite "Evangelische Kirche (Saarburg)". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 10. Juni 2014, 08:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Evangelische_Kirche_(Saarburg)&oldid=131176876 (Abgerufen: 16. Juni 2014, 21:29 UTC)

Bildquellen
Bild 1: © Helge Rieder, Konz, 2015.
Bild 2: © Helge Rieder, Konz, 2015.
Bild 3: © Helge Rieder, Konz, 2015.
Bild 4: © Helge Rieder, Konz, 2015.
Bild 5: © Helge Rieder, Konz, 2015.

Stand
Letzte Bearbeitung: 15.06.2015
Interne ID: 1971
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=1971
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