Aussichtspunkt Kettenkreuz

Buchet, Gemeinde Buchet
Beschreibung
An der Wintersportanlage Zum Schwarzen Mann [1]


Ein Stück Gegenwart aus dem Mittelalter
Grenzstein aus dem 16. Jahrhundert auf dem Schneifelrücken ist bis heute Grundlage für das Kataster

Von unserem Redakteur
HARALD P. JANSEN

BLEIALF SELLERICH . Geschichte erhalten heißt Identität wahren. Dieser hehre Spruch hat für den Eifelverein Bleialf-Schneifel eine ganz praktische Seite. Eine neue Hinweistafel weist auf die Geschichte des sogenannten Vierhöfesteins in der Schneifel hin, an dem heute noch vier Gemeinden aufeinander stoßen.


Die Eifel war immer Grenzland. Dies beweisen der sogenannte Vierhöfestein auf der Schneifel ebenso wie die Westwall-Bunker oder die ehemaligen Zollhäuser an der Grenze zu Belgien. Gemein ist all den Markierungen, dass sie Einfluss-Sphären voneinander abgrenzen. Nur die Durchlässigkeit der Grenzen wechselt und ist den politischen Launen unterworfen. Der Vierhöfestein ist ein Zeugnis dafür, dass Grenzen auch Jahrhunderte überdauern können.

Wichtiger Punkt für die Landvermessung
Geballt finden sich die Zeugnisse der Grenzziehung in der Schneifel. Der einst kahle Höhenrücken zwischen Stadtkyll und Brandscheid ist nachweislich seit 1200 Jahre ein Ort, an dem Grenzen gezogen wurden. Und obwohl die Scheidelinien zwischen politischen Machtspähren mal mehr und mal weniger willkürlich gezogen wurden, endete der Machtanspruch immer wieder in der Schneifel.
Ein Grund für dieses Ziehen von Grenzen in diesem Raum liegt sicher in der Topographie des Bergrückens begründet. Die dichten Nadelholz-Monokulturen heutiger Zeit sind eine Erfindung der Moderne. Es bedurfte der preußischen Forstverwaltung und den Aufforstungen des vergangenen Jahrhunderts, um aus dem kahlen, windgepeitschten Bergrücken ein großes Waldgebiet zu machen.
Ein Baum, der aus dem kahlen Höhenzug hervorragt ist das Beste, was den Grenzziehern im Mittelalter passieren konnte. Die Königs- oder Blutbuche unweit des höchstens Punkts des Schneifelrückens ­ heute Schwarzer Mann genannt ­ bot sich dazu geradewegs an.
Hier endete das Gebiet des fränkischen Königguts Manderfeld. Unter der Buche steht seit dem 16. Jahrhundert ein Stein, der gleich vier Endpunkte von Herrschaftsgebiet anzeigt. Der Vierhöfestein unweit des Parkplatzes am Skigelände. Gleich vier mittelalterliche Gebiets- und Rechtseinheiten trafen an dieser Stelle zusammen. Es sind dies die Höfe Alf ­ heute Bleialf ­, Auw, Gondenbrett und Sellerich.
Die Höfe gibt es schon lange nicht mehr. Das einzige was von ihnen blieb sind Dokumente und Akten, die in Archiven konserviert und in Urkundensammlungen abgedruckt sind. Geblieben ist überdies die Bedeutung des Vierhöfesteins als Grenzmarkierung. Ein Blick in das Kataster verrät, dass auch die Fachleute von heute auf den Stein bauen. Denn der unscheinbare Stein am Straßenrand ist die Stelle, an der die Ortsgemeinden Buchet, Schlausenbach, Gondenbrett und Sellerich aufeinander treffen
Doch nicht nur vier Höfe, sondern auch drei Bistümer und damit drei landesherrliche Fürsten trafen sich einst an diesem Dreiländereck des Mittelalters: Sellerich und Auw gehörten zum Erzbistum Trier, Alf zum Bistum Lüttich und Auw zum Erzbistum Köln.

Eifelverein kümmert sich um Kulturgüter
Diese Bistumsgrenzen sind Geschichte. Die Verhältnisse haben sich umgekehrt. Heute hat ein Bischof keine weltliche Macht mehr. Die Grenzen des Bistums orientieren sich an politischen Grenzen. Die gesamte Schneifel bis zur Our gehört heute zum Bistum Trier.
So verwundert es nicht, dass der unscheinbare Stein abseits des Schneifelhöhenwegs in Vergessenheit geriet. Der Eifelverein Bleialf-Schneifel hat sich deshalb kürzlich des geschichtsträchtigen Orts angenommen. Toni Fuchs und Herbert Leifgen von der Ortsgruppe des Eifelvereins haben die unansehnliche Info-Tafel restauriert und mit einem Kupferdach versehen wieder aufgestellt.
Das Engagement für historische Plätze in der Schneifel ist nicht die erste Arbeit in Sachen Geschichte der Eifel. Bereits 1997 restaurierte der Bleialfer Eifelverein das Kettenkreuz auf der Schneifel. Ein sagenumwobener Ort, an dem eine Frau namens Kätt umher spuken soll, weil ihre Seele keine Ruhe findet. Das gleiche Schicksal, das einem Unglücklichen in früheren Zeiten widerfahren wäre, der den Vierhöfestein verrückt hätte. Da haben es die Grenzsteinverletzer der Moderne ein wenig besser. Heute kommen sie mit einem Ordnungswidrigkeitsdelikt und mehreren hundert Euro für die Kosten der Neuvermessung weg. Umherspuken müssen sie nicht mehr, nur noch zahlen. [2]

Einordnung
Kategorie:
Naturobjekte / Aussichtspunkte /
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.370615
lat: 50.263031
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Schneifel

Internet
http://www.buchet.de/

Datenquellen
[1] Wanderkarten im Maßstab1:50.000 und 1:25.000
[2] Harald P. Jansen in Trierischer Volksfreund (Bitburg) vom 20.09.02

Bildquellen
Bild 1: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2010.

Stand
Letzte Bearbeitung: 31.12.2010
Interne ID: 19848
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=19848
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