Haus Zum Mohren (1)

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Neustraße 20

Beschreibung
Das sehr interessante Gebäude wurde wahrscheinlich um 1795 von dem Bauherrn Görheuser errichtet; Neumeister und andere datieren es in das Jahr 1810.
Im Adreßbuch von 1797 firmiert die Witwe und in demjenigen von 1818 die Erbengemeinschaft Görheuser als Eigentümer. Eine dieser Parteien als Bauherren anzunehmen, ist relativ unwahrscheinlich. Auch ähnelt die Bauauffassung eher Gebäuden aus der Zeit um 1790.
Das Gebäude hat drei Achsen, zwei Geschosse und trägt ein hohes Mansarddach. Die Fenster mit ihren geohrten Gewänden sind sehr groß und je links und rechts von einem glatten Kolossalpilaster mit dorischem Fantasiekapitell frankiert, der in einer zur Triglyphe ausgearbeiteten Verkröpfung des Gebälks in der Drempelzone endet.
Die beiden mittleren Pilaster tragen einen kleinen vasenbekrönten Giebel; daneben über den äußeren Fensterachsen im Mansarddach je eine Gaube mit Fenstern derselben gewaltigen Breite wie die Fenster darunter, seitlichen Voluten und einem flachen Dreiecksgiebel.
Den Supraportbereich über der zentralen Eingangstüre bildet ein geschwungen ausgeschnittenes Putzfeld mit Feston und Medaillon mit ägyptisierendem Kopf und darüber befindlicher Schleife.
Neumeisters Bezeichnung 'Hauptwerk des Trierer Empire trifft auf das Gebäude sicher nicht zu; vielmehr sind hier zwei Bauepochen vereint: das Barock und der eigentlich eher dekorative Stil Louis-Seize. Bei einem Baudatum um 1795 ist die enorme Größe der Fenster nicht mit der für die französische Zeit ab 1800 gerne beigebrachten Fenstersteuer zu erklären; wir finden Fenster derselben Form und Größe in Trier durchaus auch in wesentlich älteren Gebäuden. Elemente des Louis-Seize-Klassizismus, der seine Wurzeln im Palladianismus hat, sind die fassadengliedernden Kolossalpilaster, die sich auch am Gebäude Hauptmarkt 17 aus dem Jahre 1785 finden. Ebenso ist die Dekoration mit Festons und ägyptisierenden Medaillons oder Schleifen und Bändern dem Zopfstil, wie er häufig in Deutschland heißt, geläufig; die großen Gauben mit den eigenartigen seitlichen Voluten lassen sich beinahe identisch im niederländischen Palladianismus um die Mitte des 17. Jahrhunderts finden.
Mansarddach und bescheidenes Supraport sowie die Fenster mit ihren geohrten Gewänden sind barocke Elemente, die in der Stadt Trier sowie auf dem umliegenden Lande häufig zu finden sind; auch die Vasenbekrönung auf dem Giebelchen schließlich ist ein gängiges Louis-Seize-Element. Das Haus wirkt in seiner Gesamtheit harmonisch und gehört in die neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts, eine Zeit, die in Trier relativ häufig überlieferte formale Strukturen mit aktuellen neuen Trends zu oft sehr spannenden Kombinationen verbindet. Die Fassade wurde nach dem Krieg in den Neubau integriert und ist uns somit erhalten geblieben.

Michael Zimmermann

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wohn- und Wirtschaftsgebäude / Bürgerliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Zeit:
1795
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.638463
lat: 49.752247
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.museum-trier.de/

Datenquellen
Klassizismus in Trier. Photos aus der Sammlung Prof. Wilhelm Deuser. Katalog des Städtischen Museums Simeonstift Trier zur Ausstellung vom 21.1. bis 6.3.1994. Hrsg. Richard Hüttel und Elisabeth Dühr.

Bildquellen
Bild 1: © Peter Valerius, Kordel, 2007.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2007.
Bild 3: © Peter Valerius, Kordel, 2007.

Stand
Letzte Bearbeitung: 08.01.2010
Interne ID: 2040
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=2040
ObjektURL als Mail versenden