Ehemaliger Turm der römischen Stadtmauer

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Franz-Ludwig-Straße 29
Beschreibung
Bereits die Stadt des 1. Jahrhunderts n. Chr. besaß Torbögen an den Grenzen der zivilen Bebauung, die aber keinen fortifikatorischen Charakter hatten, sondern als Triumph- oder Ehrenbögen gestaltet waren. Fundamente solcher Bauten konnten archäologisch am stadtseitigen Brückenkopf der Moselbrücke, zwischen Simeon- und Moselstraße sowie als verbauter Rest in einem Bogen der Kaiserthermen nachgewiesen werden. Sie bildeten vermutlich den Abschluss der Gründungsstadt des 1. Jahrhundert noch vor der Erbauung von Circus und Amphitheater.

Die 6418 m lange römische Stadtmauer umschloss dann eine Fläche von 285 ha. Ihre Datierung ergibt sich unter anderem daraus, dass sie im Norden an der Porta Nigra Teile des dortigen Gräberfeldes durchschneidet. Die spätesten Bestattungen innerhalb der Mauern datieren in das dritte Viertel des 2. Jahrhunderts. (Die Römer bestatteten ihre Toten grundsätzlich außerhalb der Stadtmauern, die Gräber müssen also älter als die Mauer sein.) Kleinfunde im Mauerbereich weisen auf das späte 2. Jahrhundert. Im Süden durchtrennt die Mauer den Töpfereibezirk, der aber im 3. Jahrhundert beidseitig der Mauer weiter produzierte. Markierungen an den Steinen der Porta Nigra verweisen zudem auf Kaiser Mark Aurel (161–180) und seinen Sohn Commodus (180–192).

Die Mauer wurde als typisches römisches Gussmauerwerk errichtet. Der Kern bestand aus Schiefer, kleinen Steinen und reichlich Mörtel, während außen Sand- oder Kalksteinquader vorgeblendet wurden. Die Höhe des Laufgangs lässt sich anhand der erhaltenen Mauerausgänge an der Porta Nigra auf 6,20 m rekonstruieren. Die Breite betrug im Fundamentbereich bis zu 4 m, reduzierte sich zum Abschluss auf bis zu 3 m. Regelmäßig waren runde Türme eingefügt, die sich meist an den Enden der Straßenfluchten befanden. Die insgesamt 48 oder 50 Türme der Trierer Stadtmauer sprangen dabei noch an beiden Seiten gleichmäßig aus der Mauer hervor. Spätere römische Befestigungen besaßen dagegen meist weit nach außen vorspringende Türme, die es erlaubten, die seitlichen Mauerbereiche besser zu schützen und Angreifer ins Kreuzfeuer zu nehmen.

Die moderne Forschung geht zumeist davon aus, dass die Trierer Stadtmauer – ähnlich wie die vieler anderer römischer Städte im friedlichen 1. und 2. Jahrhundert – nicht errichtet wurde, um auf eine konkrete Bedrohung zu reagieren; sie war weniger eine militärische Anlage als ein Prestigeprojekt, das die Bedeutung des Ortes unterstreichen sollte.

Von der Mauer sind lediglich im Norden und entlang der Mosel kleinere Abschnitte erhalten, die in die spätere mittelalterliche Stadtmauer integriert wurden (Schießgraben, an der Berufsschule; Keller des Hauses Schützenstraße 20, von außen einsehbar). In den südlichen Abschnitten wurde sie bis auf das Fundament ausgebrochen. An der Langstraße ist ein Teil auf der Länge von 70 m zugänglich.

Die Stadtmauer besaß insgesamt fünf Torbauten, von denen einige wie die Porta Nigra sehr aufwendig gestaltet waren und zur Zeit ihrer Errichtung bereits den später verbreiteten Bautyp der Torburg vorweg nahmen. Das südliche Tor gegenüber der Porta Nigra wurde bereits im Mittelalter abgebrochen, weshalb von diesem nur Fundamente bekannt sind. Das Westtor an der Moselbrücke wurde im Mittelalter weiter benutzt und trug zu dieser Zeit den Namen Porta Inclyta (= berühmtes Tor). Von Osten her gelangte man durch ein Tor südlich des Amphitheaters, das als Nebeneingang genutzt wurde, in die Stadt. Im späten 4. Jahrhundert wurde noch ein Südosttor hinzugefügt, das seit dem Mittelalter Porta Alba genannt wurde.

Die großzügige Befestigungsanlage war zur Zeit ihrer Erbauung noch auf Zuwachs ausgelegt, wie viele Freiflächen in den Randbereichen zeigen. In militärischer Hinsicht war die Mauer dagegen wenig nützlich. Das Bauwerk musste sich in den ersten 200 Jahren seines Bestehens kaum bewähren – die einzige bekannte Ausnahme bietet die fränkisch-alamannische Attacke um 275, bei der die Mauer die Angreifer nicht aufhalten konnte. Im 5. Jahrhundert war es dann kaum möglich, die Stadt mit der eher auf Repräsentation denn auf Verteidigungswert angelegten Anlage wirksam zu verteidigen. Vor dem Überfall der Vandalen als Folge des Rheinübergangs von 406 konnte sich die Restbevölkerung der von Hof und Verwaltung geräumten Stadt nur schützen, indem sie sich im Amphitheater verschanzte.

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Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Wehrbauten und militärische Anlagen / Stadtbefestigungen
Zeit:
4. Jahrhundert nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.637949
lat: 49.761367
Lagequalität der Koordinaten: Vermutlich
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.landesmuseum-trier.de/

Datenquellen
- Plan der römischen Stadt Trier im 4. Jahrhundert n. Chr. Kartenbeilage 1 zu: Rettet das archäologische Erbe in Trier. Zweite Denkschrift der Archäologischen Trier-Kommission. Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 31 (Trier 2005).
- Seite "Augusta Treverorum". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Oktober 2011, 22:10 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Augusta_Treverorum&oldid=95396177 (Abgerufen: 1. November 2011, 12:35 UTC)

Bildquellen
Bild 1: Rheinisches Landesmuseum Trier (Foto: Thomas Zühmer) [CC BY-NC-SA] http://www.museum-digital.de/nat/singleimage.php?objektnum=59494&imagenr=73837

Stand
Letzte Bearbeitung: 01.11.2011
Interne ID: 23714
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=23714
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