Jüdischer Friedhof

Oberemmel, Stadt Konz Altenbergstraße
Beschreibung
Kleiner Friedhof der ehemaligen Synagogengemeinde, 12 Grabstätten mit schlichten Kunststeinstelen, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ansprache von Willi Körtels anläßlich der Enthüllung einer Gedenktalfel zur Erinnerung an die Oberemmeler Juden am 23. 11. 1997

Werte Anwesende,
als Autor eines Buches über die Geschichte der Oberemmeler Juden empfahl ich im vergangenen Jahr anläßlich der Präsentation meines Werkes in der Stadtbibliothek Konz, man solle in Oberemmel eine Tafel anbringen lassen, die an die jücischen Mitbürger erinnert, die bis zu ihrer Vertreibung oder Vernichtung in den 30er und 40er Jahren unseres Jahrhunderts in Oberemmel lebten.
Ich freue mich, daß schon innerhalb einer Jahresfrist dieses Anliegen umgesetzt werden konnte. Ich darf mich herzlich bedanken bei Herrn Rudolf Steinheuer, der die Tafel entworfen hat, bei dem Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Trier-Saarburg, Herrn Dittmar Lauer, der das Vorhaben von Anfang an befürwortet, die konkrete Planung und die Ausführung sachkundig geleitet hat und bie Herrn Ortsvorsteher Joachim Weber, der im Namen der Gemeinde Oberemmel unserer Erinnerungstafel mit Rat und Tat gefördert hat.
Unsere Gedenktafel will keine moralischen Urteile über Vergangenes aussprechen, sondern an die Erinnerung an die jüdischen Mitbürger, die in Oberemmel gelebt haben, wachhalten. Diese Erinnerung sollte sich allerdings nocht als ein Speichern von Informationen verstehen, wie es der moderne Computer vorsieht, sondern als ein Zurückrufen einer vergangenen jüdischen Lebenswelt, die es nich erspart, auch den Schmerz, der in der Erinnerung enthalten ist, zuzulassen.
Nach christlichem Verständnis heilt nicht die Zeit automatisch die Wunden, sondern nur Gott kann dies bewirken. So vermißt der katholische Theologe Johann Bptist Metz eine Erinnerungskultur in Europa, weil diese mit der Vernichtung der Juden zerstört worden sei.
Unsere Tafel stellt einen kleinen Beitrag gegen das Vergessen dar. Es sollte unter uns nicht vergessen werden, was im Namen fragwürdiger Ziele unbescholtenen Menschen angetan wurde, damit die gegenwärtige Welle der Faszination für nationalistische Strömungen in Gestalt von Fremdenhaß und unterschwelligem Anitsemitismus infrage gestellt werden kann.
Den wenigen den Holocaust überlebenden Oberemmeler Juden möge diese Gedenktafel ein Zeichen sein für den Willen der Gemeinde, ihre jüdischen Mitbürger nicht zu vergessen und ihren Friedhof als letzten Rest ihrer Existenz zu erhalten.
Wie wichtig dies ist, erfuhr ich, als ich, als ich in diesem Sommer Julius Herrmann in Ceret in Südfrankreich besuchte. Er freute sich außerordentlich über einen im Auftrag der Gemeinde Oberemmel und der Verbandsgemeinde Konz überreichten Zinnteller. In einem Dankschreiben an Ortsvorsteher Weber und Bürgermeister Manz bat er eindringlich darum, auf den jüdischen Friedhof achtzugeben.
So möge diese Gedenktafel dazu beitragen, daß der Herzenswunsche ehemaliger Oberemmeler Mitbürger zu unserem eigenen Anliegen wird, damit sie ihre erste Heimat besser annehmen können. [1]

Einordnung
Kategorie:
Naturobjekte / Parks, Gärten und Friedhöfe / Jüdische Friedhöfe
Zeit:
Nach 1918 bis 2000
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.63380
lat: 49.65904
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.oberemmel.de/

Datenquellen
[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Kreis Trier-Saarburg, 12.1 Wernersche Verlagsgesellschaft 1994.

Bildquellen
Bild 1: © Helge Rieder, Konz, 2018.
Bild 2: © Helge Rieder, Konz, 2018.
Bild 3: © Helge Rieder, Konz, 2018.
Bild 4: © Helge Rieder, Konz, 2018.
Bild 5: Sebastian Körtels, 1997.

Stand
Letzte Bearbeitung: 03.04.2018
Interne ID: 2584
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=2584
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