Ehem. St. Elisabeth-Krankenhaus - Lazarett

Gerolstein, Stadt Gerolstein Raderstraße 11
Beschreibung
Das Krankenhaus wird 1914 Genesungsheim.

14. August
Soldaten, die durch die Mobilmachung auf der Fahrt und bei Märschen erkrankten, wurden dem Gerolsteiner Krankenhaus zugewiesen.
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"Im Oktober wurde unser Haus Genesungsheim und an das Reservelazarett Bitburg und ans Rote Kreuz des Kreises Daun angegliedert. Anfangs betrug der Pflegesatz für die Soldaten 1,40 Mark, stieg dann im September auf 3 Mark, wurde aber im Oktober vom Roten Kreuz (Landrat Weismüller) auf 2 Mark herabgedrückt. Im Beginn des Krieges wollten wir dem bedrohten Vaterland möglichst entgegenkommen und gaben uns darum gerne mit dem äußerst niedrigen Pflegesatz zufrieden. Es zeigte sich aber schon bald, dass unser junges, noch mittelloses Haus ohne einen angemessenen Pflegesatz auf Dauer nicht bestehen kann."
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"1915. 17. März Sonntag. Ganz plötzlich wurden wir heute durch die Ankunft von 12 Verwundeten aus Rethel (Frankreich) überrascht, für die wir aus dem Flecken [so nannten wir Gerolsteiner unseren Ort bis zur Wiederverleihung der Stadtrechte im Jahr 1953. Danach ersetzte der Begriff "Stadt" das Wort "Flecken" Anm.: Wilma Herzog] noch etliche Betten leihen und aufstellen mussten, womit der ganze Sonntag hinging."
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"31. Dezember. Gesamtzahl der im Haus verpflegten Civilkranken 24 mit 1773 Pflegetagen. Militärpersonen 334 mit 124.213 Pflegetagen. Zusammen wurden im Hause verpflegt 358 Kranke. Außer dem Hause 10 Kranke verpflegt und 30 Krankenbesuche gemacht. Die Bewahrschule [Kindergarten] wurde von 115 Kindern besucht."
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"1917. Die immer schwieriger werdende Beschaffung von Milch und Butter ließ in uns den Plan reifen, einige Kühe zu halten, wozu der Ankauf von Wiesen notwendig war. Zugleich war durch den Ankauf die Gefahr beseitigt, dass in der Nähe unseres Hauses andere Gebäude errichtet werden könnten."
"19. März. Wir erhielten heute unsere erst für 1.250 Mark in Bitburg gekaufte Kuh. Als Stallung war die bisherige kleine Remise mit Hühnerstall entsprechen umgebaut worden. Für den Kostenpunkt sind wir selbst aufgekommen, da die Gemeinde ohnehin and den verhältnismäßig großen Ausgaben für uns schwer zu tragen hat-"
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"21. Mai. Heute trat Johann Pauly aus Densborn, der mehrere Wochen hier verpflegt wurde, in unseren Dienst. Am 21. Mai wurde unser Viehbestand um einen zweite Kuh bereichert, welche wir wieder in Bitburg für den Preis von 1.600 M. erstanden."…
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"Anfang Oktober wurden uns aus Lazarettzügen viele an der Grippe erkrankte Soldaten gebracht. Da nur Schwerkranke, welche nicht mehr weiter konnten, gebracht wurden, starben sehr viele, und hatten wir im Oktober und November fast täglich 4-7 Tote im Leichenraum liegen"
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Der Zudrang von kranken Soldaten war so stark, daß die durch Sterbefälle leer gewordenen Betten manchmal sofort wieder belegt werden mussten. Schließlich kam es soweit, daß die armen Toten in Massengräbern ohne Sarg auf dem neu errichteten Ehrenfriedhof bestattet werden mussten. Selbst die Massengräber konnten aus Mangel an Kräften nicht schnell genug hergerichtet werden, da auch noch manche Tote aus den Lazarettzügen zum Ehrenfriedhof gebracht wurden; so blieben zuweilen eine ganze Reihe von Leichen über Nacht auf dem Friedhof unbeerdigt liegen. P. Schwager segnete bei einer Beerdigung von zwei unserer Toten noch zehn andere Leichen ein, die ohne Sarg, nur mit Tannenzweigen bedeckt, auf dem Boden lagen. Die Pflege der vielen Schwerkranken und Sterbenden machte es den Schwestern [gemeint damit sind ausnahmslos katholische Nonnen, unsere Franziskanerinnen von Waldbreitbach, hochherzige Frauen, die auch im 2. Weltkrieg selbstlos und unter größter Lebensgefahr im Bombenhagel hier die Kranken versorgten. Anm.: Wilma Herzog], seit mehreren Wochen unmöglich, and den Gebetsübungen und den Mahlzeiten pünktlich teilzunehmen. Die Anzeichen von übergroßer Ermüdung mehren sich bei uns allen."[...]



Ein Hundegespann
Fuhrpark des alten Gerolsteiner Krankenhauses
Peter Schend, Gerolstein
Als am Fest der Namenspatronin das neue Sankt Elisabeth-Krankenhaus am 18. November 1912 eingeweiht wurde, betrugen die Gesamtbaukosten der Anlage mit Ökonomiegebäuden 100.000 Mark. Gemäß dem Vertrag zwischen Stadt und Genossenschaft der Franziskanerinnen zu Waldbreitbach wurde an diesem Tag das Gebäude den Schwestern in betriebsfertigem Zustand zur freien Benutzung und Bewirtschaftung übergeben. Die Gemeinde hatte noch die Operationsräume eingerichtet und stellte fortan Wasser, Licht sowie Brennmaterial. Die Franziskanerinnen sollten dagegen die Krankenpflege und Bewirtschaftung komplett übernehmen und dafür mindestens fünf Schwestern zur Verfügung stellen. Ein wichtiger Vertragspunkt war die Einhaltung eines mittleren Pflegesatzes für das neue Krankenhaus mit 25 Betten in zehn Krankenzimmern. Die Nonnen waren es gewohnt, schwer zu arbeiten und dabei in großer Armut zu leben. Darum akzeptierten die wenigen Frauen diese hohe Bürde an Bedingungen. Denn als im Oktober 1914 das Krankenhaus ein Genesungsheim für Reservisten wurde, betrug der Pflegesatz pro Soldat und Tag 1,40 Mark. Im ersten Weltkrieg wurden die Lebensmittel knapp und unerschwinglich teuer. Um ihren niedrigen Pflegesatz zu halten, ihre Patienten und sich mit frischem Gemüse, Salat, Kräutern und Tee zu versorgen, pflanzten die Nonnen schon von Anfang einen großen Garten an, sie hielten nebenher auch Hühner. Dann zwang schiere Not sie eine Kuh zu kaufen, bald standen drei im Stall. Überdies wurde eine Anzahl Schweine gehalten, die jeden Essensrest verwerteten. Damit die Schwestern winters genügend Heu für ihre Kühe hatten, kauften sie eine Wiese. Sie lag dort, wo heute das Schwimmbad steht. Die meisten der bäuerlichen Arbeiten erledigten sie neben der Krankenpflege selbst. Ein heute kaum vorstellbarer Einsatz. Doch hatten sie für die schwersten Arbeiten einen guten Helfer zur Seite, der ihnen bereits, wie ich mich erinnere, schon vor dem zweiten Weltkrieg half. Es war ein älterer Mann, Daniel Schneider vom Marktplatz. Auch mein Vetter Heinrich Schend, ein damals junger Bursche, half den Krankenhaus Schwestern. Seine Aufgabe war es, mit dem Hundegespann zu fahren. Mehrmals die Woche holte er Kraftfutter von den Landesprodukten-händlern Vogt oder Flamm ab. Dann waren es Touren zur Post oder Bahn, um Pakete abzuliefern oder abzuholen. Die Hunde waren stets mit heller Begeisterung dabei. Wenn es mit großer Last bergauf zum Krankenhaus ging, musste mein Vetter auch schon mal schieben. Die Tiere waren kaum zu bändigen, wenn er sie von der Kette losband und an den Karren spannte. 1946 übernahm Heinz Regnery, damals elf Jahre, mit großer Freude die Arbeit mit diesem Hundegespann. Sein Tag begann als Messdiener in der Krankenhauskapelle, danach erhielt er sein Frühstück, ging zur Schule und freute sich schon nach dem Mittagessen und den Hausaufgaben, mit Cäsar und Prinz die Milch von Burg Lissingen abzuholen, oder Brot abwechselnd von den Gerolsteiner Bäckereien Böffgen, Körperich oder Wollwert. Auch weitere Touren zu den umliegenden Dörfern standen bis 1949 auf seinem Programm. Er schaffte die von den Bauern zu leistenden Eier- und Butterabgaben, für den Betrieb des Krankenhauses aus den Dörfern herbei. Es begleitete Heinz Regnery zu den Fahrten nach Hinterhausen und Michelbach immer eine Schwester, die, sobald das letzte Gerolsteiner Haus passiert war, den ersten der vielen unterwegs gebeteten Rosenkränze anstimmte.

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Müller (Kreisbaumeister), Daun
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Krankenhäuser / Lazarette
Zeit:
1912
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.652215
lat: 50.222018
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.krankenhaus-gerolstein.de/Historie.2480.0.html

Datenquellen
- "Um Munterley und Löwenburg" von Pater Josef Böffgen.
- Wilma Herzog, Gerolstein, 2014.

Bildquellen
Bild 1: Sammlung Wilma Herzog, Gerolstein, 2013.

Stand
Letzte Bearbeitung: 03.02.2013
Interne ID: 26103
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=26103
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