Gedenkstele an der alten Synagoge

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier An der alten Synagoge
Beschreibung
Die Gedenkstele an der alten Synagoge wurde im Jahr 1984 von Franz Schönberger (*1946) aus Bronze gefertigt. Die Inschrift erinnert an die Synagoge der jüdischen Gemeinde, welche im Jahr 1859 auf dem Zuckerberg erbaut wurde und in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 (Reichspogromnacht) geplündert und demoliert wurde. Inschrift:

AN DIESER STELLE
STAND DIE SYNAGOGE
DER
JÜDISCHEN GEMEINDE
DER
DER STADT TRIER
ERBAUT 1859
ZERSTÖRT AM
9. NOVEMBER 1938
DURCH
NATIONALSOZIALISTEN [1]

Vermutlich geht das mittelalterliche Trierer Judenviertel am Hauptmarkt bis auf das Ende des 9. und den Beginn des 10. Jahrhunderts zurück. Die Trierer Judengemeinde des 13. Jahrhundert Hatte ihr Domizil im Judenviertel am Hauptmarkt. Es erstreckte sich über 60 Häuser. Dort stand auch eine nach Geschlechtern getrennte Synagoge. Die Trierer Judengemeinde war dort bis zu ihrer Vertreibung im Jahr 1418 ansässig.

Die Wiederansiedlung zeigte sich im beginnenden 17. Jahrhundert, nicht im ehemaligen Judenviertel, sondern im Bereich der Weberbach und der Neustraße. In der Weberbach befand sich, vermutlich auf dem Gelände des heutigen Priesterseminars, die Synagoge, auch Judenschule genannt. Dieses Haus war von der Judengemeinde nur angemietet und wurde ihnen 1757 gekündigt. Im Jahr 1761 erwarb die Jüdische Gemeinde in der Nachbarschaft der ehemaligen Synagoge, im Hinterhof des Hauses Nr. 64, ein zweigeschossiges Wohnhaus.
Über den im Vorderhaus befindlichen eigenen Zugang konnte die Gemeinde den Synagogenhof erreichen.
Die Synagogengemeinde richtete sich in der Erdgeschossebene sowohl einen nach Osten orientierten Betraum, als auch einen eingeschossigen Verbindungsgang zum Synagogenhof ein. Die Frauenempore befand sich im 1. Obergeschoss über dem Verbindungsgang und konnte sowohl über eine im Gebetsraum vorhandene Treppe, als auch einen im 1. Obergeschoss gelegenen Zugang im Haus Nr. 64 erreicht werden.
An der Ostwand befand sich der in die Wand eingelassene Wandschrank zur Aufbewahrung der Thorarollen.

Die alte Synagoge an der Weberbach war allmählich zu klein geworden und entsprach in ihrem Zustand nicht mehr den Anforderungen. Darauf beschloss die Jüdische Gemeinde eine neue Synagoge zu erbauen. Das geeignete, der Jüdischen Gemeinde gehörende Grundstück fand man am Zuckerberg. Es umfasste außer der Synagoge drei in der Metzelstraße gelegene zweigeschossige Häuser und einem dreistöckigem Haus mit zum Zuckerberg offenen Garten. Dieses unmittelbar neben der Synagoge gelegene Gebäude wurde später das Rabbinerhaus.
Am 6. Oktober 1857 fand die Grundsteinlegung der Synagoge am Zuckerberg statt. Das Gebäude wurde nach den Plänen des Architekten Christian Wilhelm Schmitt und unter der Leitung der Maurer- Zimmermeisters Joseph Weis errichtet. Das neue Gebäude konnte am 9. September 1859 eingeweiht werden. Am 9. Und 10. November 1938 wurde die Synagoge und ihre Einrichtung mit den sakralen Gegenständen demoliert und geplündert. Lediglich zwei Thorarollen haben den Krieg überstanden und konnten der Jüdischen Gemeinde zurückgegeben werden. Die später durch Bomben zerstörte Synagoge am Zuckerberg wurde dann 1956 abgerissen.
Die Synagoge war äußerlich ein einfacher, unverputzter rechteckiger Sandsteinbau mit einem verschiefertem Satteldach. Ein eisernes Gitter gab den Eingang, des von einer Mauer umschlossenen Vorhofs, frei. Drei Stufen führten zum Eingang empor, über dem eine hebräische Inschrift zu lesen war. Das Bauwerk lässt sich aufgrund der unterschiedlichen Gestaltungselemente keinem alleinigen Stil zuordnen. Neoromanische Stilelemente wurden jedoch bevorzugt.

Das Innere der Synagoge war eindrucksvoll. Zwischen den drei Bankreihen waren die Gänge mit Teppichen ausgelegt. Vor der letzten Bank der mittleren Bankreihe stand das Vorlesepult des Kantors auf einer Art Empore. Rechts davon waren die Kanzel und links der Platz des Rabbiners - der Gemeinde zugewandt. Die vordere Bank der Mittelreihe war den Kindern reserviert. Die männlichen Mitglieder nahmen im Erdgeschoss aktiv am Gottesdienst teil, was den Frauen untersagt war. Sie durften auf der an den Längsseiten verlaufenden Empore dem Gottesdienst beiwohnen. Vor jedem Platz, also n der Rückseite der davor stehenden Bank befand sich ein verschließbare Kasten. Er diente dem Aufbewahren der Gebetsbücher, des Tallith (Gebetsmantel) und oft auch des zusammenklappbaren Zylinders.

Die Trierer Synagoge war lediglich für den Gottesdienst erbaut worden und konnte somit nicht allen Notwendigkeiten, sozialer und kultureller Art, gerecht werden. Es fehlte an geeigneten Räumen für Veranstaltungen außerhalb des Gottesdienstes, zum Beispiel Kurse, Vorträge, also alles das was gesellschaftliches Leben in einer Gemeinde ausmachte. Die Räume waren zwar in der Planung vorgesehen, wurden dann aber nicht ausgeführt. So war die Synagoge das religiöse Zentrum der Gemeinde während sich das kulturelle Leben in einem Lokal in der Johannisstraße abspielte. [2]

[3] Jacques Jacobs schildert aus der Erinnerung den Bau in seinem Buch Existenz und Untergang der alten Judengemeinde in Trier (Trier, 1984) als einen äußerlich schmucklosen Sandsteinbau, das Innere dagegen als eindrucksvoll. Er schreibt: Teppiche befanden sich in zwei Gängen zwischen den drei Reihen Bänke des Ergeschosses. Die mit Teppichen belegten Reihen reichten bis zu den Stufen, die zum Vorplatz der heiligen Lade führten. Ein großer Teppich zierte diesen Platz, über dem ständig eine rote Ewige Lampe leuchtete. Die heilige Lade selbst war ein Schrein, in dem Thorarollen aufbewahrt wurden, darunter einige sehr alte ... [3]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Schönberger, Franz (Bildhauer), Trier [* 15.03.1946 Bonn].
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Denkmale
Zeit:
1985
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.636432
lat: 49.755019
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
https://public-art-trier.de/objekt/gedenkstele-an-der-alten-synagoge/

Datenquellen
[1] Public Art Trier https://public-art-trier.de/ Die Europäische Kunstakademie Trier hat in Kooperation mit der Universität und der Hochschule eine Datenbank zur Kunst im öffentlichen Raum Triers aufgebaut.
[2] Robert Reichard / Thomas Heidenblut: Synagogen im Landkreis Trier-Saarburg. 2000
[3] Juden in Trier, Ausstellungskatalog der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs Trier, 1988

Bildquellen
Bild 1: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
Bild 2: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
Bild 3: © Peter Valerius, Kordel, 2011.

Stand
Letzte Bearbeitung: 08.11.2018
Interne ID: 2767
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=2767
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