Römischer Grabtempel Grutenhäuschen (2)

Igel, Gemeinde Igel
Beschreibung
Römer setzen weitere Duftmarke - Renovierung des Grabtempels in den Igeler Weinbergen geht ihrem Ende entgegen
Von unserem Redakteur
CLEMENS BECKMANN
IGEL. Der Name Grutenhäuschen sagt alleine nicht viel. Doch das Gemäuer hat Geschichte. Es handelt sich um den am besten erhaltenen oberirdischen Grabbau nördlich der Alpen.
Die Igeler Säule ist den an Geschichte interessierten Menschen in der Region ein Begriff. Demnächst setzt die Gemeinde eine weitere römische Duftmarke. In den Weinbergen zwischen Igel und Wasserbilligerbrück wird die im Volksmund als Grutenhäuschen bekannte römische Urnengrabkammer restauriert.
Verkehrsteilnehmer, die auf der Bundesstraße 49 zwischen beiden Orten unterwegs sind, brauchen sich nicht verwundert die Augen zu wischen, wenn ihr Blick in die Weinberge fällt. Das Gebäude, das sie dort sehen, ist tatsächlich ein Tempel, wenn auch ein kleiner. Nach Angaben der Bauverwaltung der Verbandsgemeinde Trier-Land ist es der am besten erhaltene oberirdische Grabbau nördlich der Alpen.
Viele Hände haben zugepackt, um aus dem zweigeschossigen verfallenen Gebäude ein architektonisches Schmuckstück zu machen. Mitglieder der Igeler Ortsvereine haben zwei Monate lang Samstag für Samstag am Vorplatz und am Treppenaufgang gearbeitet.
Und es kam auch eine besondere Verbindung zustande. Auszubildende der Stuckateur-Innung haben unter Anleitung von Lehrlingswart Josef Hill Hand an den Putz gelegt. Maurer-Auszubildende und Umschüler des Lehrbauhofs Kenn erstellten, nach Original-Abgüssen, die jeweils 540 Kilo schweren Säulen. Das hat natürlich Geld gespart, zeigt sich Bernhard Kaster, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land, erfreut über das Engagement. Genug Geld verschlingt die Renovierung dennoch: circa 95 000 Mark. Geldgeber gibt es mehrere (EU, Land, Kreis, Gemeinde, Sparkasse). Rundum zufrieden ist der Igeler Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig trotzdem nicht. Sein Blick geht sogar im Zorn zurück auf den 28. Mai 1998. Damals gab es vor dem Grutenhäuschen einen Ortstermin mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Der Vertreter der Behörde habe, so der Ortsbürgermeister, seine Hosentaschen umgestülpt und damit signalisiert, dass von der Denkmalpflege kein Geld zu erwarten sei. Erst als man in Mainz hörte, dass fast 100 000 Mark zusammen gekommen sind, waren die angeblichen Wandmalereien im unteren Bereich von immenser Bedeutung, erzählt Scharfbillig. Um die Malereien zu untersuchen, sollten, so die Forderung, 15 000 Mark abgezweigt werden.
Auch bei der Ausführungsart habe die Denkmalpflege auf einmal eigene Vorstellungen gehabt, obwohl sie anfangs keinerlei Bedenken gegen irgendeine Ausführungsart hatte, führt der Ortsbürgermeister aus. Ich glaube, hier wollte man die Narrenfreiheit, die eine solche Behörde besitzt, mal wieder deutlich zu Tage tragen.
Die Arbeiten gerieten ins Stocken. Ich hatte die Vereine angetrieben und motiviert, erzählt der Ortsbürgermeister, und wurde nun dauernd gefragt, warum die Renovierung nicht weiter laufe.
Mittlerweile sind die Arbeiten fast beendet. Wenn die Maler ihr Werk vollbracht haben, fällt das Gerüst, und der Grabtempel wird allen Interessenten zugänglich sein. Die offizielle Einweihung ist aber erst für September geplant.
Karl-Heinz Weichert, Vorsitzender des Igeler Kulturvereins und Kreiskultur-Referent, sieht in dem Tempel einen Baustein des Projektes Kulturhistorischer Rad- und Wanderweg beiderseits der Sauer und entlang der Mosel. Mit Freude vermeldet er, dass das Rheinische Landesmuseum einen römischen Sarkophag zur Ausstattung der Grabkammer avisiert hat.
Eigentümer des Weinbergs, in dem das Grutenhäuschen steht, ist die Familie Herresthal-Johaentges. Sie vermarktet den Tempel bereits: mit einem Elbling, der die Bezeichnung Grutenhäuser trägt und auf dem Etikett das Gebäude zeigt. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Bestattungen / Römische Grabanlagen
Zeit:
Spätes 3. oder 4. Jahrhundert nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.532162
lat: 49.716273
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Beim Gruthenhäuschen

Internet
http://www.intrinet.de/20010602/sb307833.htm

Datenquellen
[1] Trierischer Volksfreund, Samstag, 2. Juni 2001 http://www.intrinet.de/20010602/sb307833.htm

Bildquellen
Bild 1: © Rheinisches Landesmuseum Trier. 2001
Bild 2: © Dr. Christian Credner, Lambertsberg, 2009. http://www.flickr.com/photos/36577363@N04
Bild 3: © Helge Rieder, Konz, 2012.

Stand
Letzte Bearbeitung: 25.06.2012
Interne ID: 3097
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=3097
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