Stein aus der Zeit des Kulturkampfes in der Eifel

Utscheid, Gemeinde Utscheid
Beschreibung
Der in den Jahren 1871 / 1875 entstandene Stein aus der Zeit des Kulturkampfs bei Utscheid wurde vermutlich für die römisch-katholischen Gläubigen von Utscheid und Baustert erschaffen. Der Stein wurde aufgrund seiner rot-braunen Farbgebung sehr wahrscheinlich aus den angrenzenden Sandsteinbrüchen von Rußdorf, Berghausen oder aus dem 3 km entfernten Feilsdorfer Graben gewonnen.

Während des Kulturkampfes von 1871 bis 1886 kamen die Katholiken in der Eifel in arge Bedrängnis. Selbst die Feier der heiligen Messe wurde ihnen verboten oder erschwert. Der damalige Pfarrer von Baustert, Johann Wilhelm Kähl, versteckte sich im Heinzenhaus in Brimingen und leitete von dort aus Gegenmaßnahmen ein. So trafen sich die Gläubigen von Utscheid und Baustert jeden Sonntag in einer Schlucht, dem Tiresloch bei der Glashütte Utscheid und feierten unter strenger Geheimhaltung die heilige Messe. Viele ähnliche Ereignisse während des Kulturkampfes in der Eifel fanden z.B. in Niederbettingen oder in Herforst und Hillesheim bei Daun statt.

Der Obelisk aus Eifelsandstein, auf dem deutlich die eingravierten Konturen einer Monstranz mit Fuß, Schaft und Hostie dargestellt sind, erinnert an diese Zeit. Der in den 1870er Jahren errichtete Stein mit einer Breite von ca. 28 cm und einer Gesamthöhe von ca. 90 cm ohne Sockel, könnte damals zur Messfeier gedient haben. Auf der Vorderseite des Sandsteins sind die Initialen "W.C R" eingemeisselt. Der Heimatforscher A. Valentin deutete diese Buchstaben als Abkürzung für den Errichter Wilhelm Colling, Rußdorf.

Der historische Sockel und der Stein mit eingravierter Baummonstranz waren noch bis zum Jahre 1995 an einer nicht leicht zu findenden Stelle im Wald erhalten. Nach genauer Untersuchung des alten Sockelsteins war zu bemerken, dass Sockel und Stein zu mobilen Zwecken ausgelegt waren; sie waren nicht miteinander verbunden. So war es möglich, Stein und Basis unabhängig zu transportieren; sie konnten bei einer geheimen Messe einfach ineinander gesteckt werden. Tatsächlich gab es keinerlei Spuren von Fundamentresten oder Bodenverankerungen am ursprünglichen Sockel und am damaligen Standort. An dem Stein ließen sich ebenfalls keinerlei Mörtelreste nachweisen, was einen dauerhaften Verbleib an einem Ort - in Form einer Gedenkstätte oder gar Flurkreuz - ausschließt.

Der alte Sockel wurde während des Flurbereinigungsverfahrens 1995 zerstört. Ersetzt wurde er 1996 durch einen größeren und farblich passenden Buntsandstein mit der Jahreszahl 1870. Um das original erhaltene Teil von dem neuzeitlichen Sockelstein leichter unterscheidbar zu machen, wurde die Rückseite des Sockels absichtlich maschinell bearbeitet. [1]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Bildstöcke und Kreuzwegstationen
Zeit:
1871 / 1875
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.36752
lat: 49.98426
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: In Theisbüsch

Internet
https://marjorie-wiki.de/w/index.php?title=Stein_aus_der_Zeit_des_Kulturkampfes_in_der_Eifel&oldid=1808867

Datenquellen
[1] Stein aus der Zeit des Kulturkampfes in der Eifel. (29. November 2017). MARJORIE-WIKI, . Abgerufen am 24. Juli 2018, 19:48 von https://marjorie-wiki.de/w/index.php?title=Stein_aus_der_Zeit_des_Kulturkampfes_in_der_Eifel&oldid=1808867.

Bildquellen
Bild 1: By Colling-architektur - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54344788
Bild 2: By Colling-architektur , via Wikimedia Commons

Stand
Letzte Bearbeitung: 19.09.2021
Interne ID: 32785
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=32785
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