Schießstand mit Schützenhaus

Euren, Stadt Trier Waldfrieden 2

Beschreibung
Im Trierer "Naturpark" Busental liegt der Schießstand des Schießsportvereins "Ehemalige Artillerie 1890 Trier" mit dem dazugehörige "Schützenhaus".

Die Geschichte von Schützenhaus und Schießstände beginnt im Jahr 1934.
Im allgemeinen Aufschwung des Schießsports entstand in diesem Jahr im Busental der bis heute genutzte Schießstand. Das Trierer Nationalblatt vom 9.August 1934 wies darauf hin, dass die Schießstände des "Trierer Verein gedienter Jäger und Schützen" bereits vor der feierlichen Einweihung am 16. September 1934, auch von Nichtvereinsmitgliedern jederzeit benutzt werden könne.

Am 10.10.1934 berichtete die Trierische Landeszeitung dann ausführlich über die Fertigstellung nach viermonatiger Bauzeit: "Der „Verein ehemaliger gedienter Jäger und Schützen e.V. Trier und Umgebung" hat aus eigenen Mitteln einen neuzeitlichen Schießstand errichtet. Dieser umfasst ein "wunderbar angepasstes Schützenhaus", sowie 5 Schießstände zu 50 Metern und 3 Stände zu 100 Meter. Flottes und fehlerfreies Anzeigen und die Zugänge und Deckungen, die unterirdisch liegen, sorgen für die Sicherheit. Allen Schießsportlern, Vereinen und Weidmännern stehen die Stände zur Verfügung. Gewehre und Munition sind auf den Ständen vorhanden."

Der "Verein ehemaliger gedienter Jäger und Schützen zu Trier" war einer der vielen Kriegervereine, die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet wurden.

Im Adressbuch der Stadt Trier von 1894 wird der Verein unter Nr. 38 der Kriegervereine aufgeführt: "Verein ehemaliger Jäger und Schützen; Vorsitzender Fürst." Der Zusatz "gedienter" (Jäger….) ist noch nicht enthalten. 1901 führt das Trierer Adressbuch unter der Rubrik Militärvereine den "Verein gedienter Jäger und Schützen in Trier" auf.

1936 wird dann im Trierer Adressbuch die "Kameradschaftliche Vereinigung ehemals gedienter Jäger und Schützen e.V. Trier" aufgeführt. Der Vorsitzende ist jetzt "Führer (!) : Joh. Weber, Revierförster im Ruhestand"

Dem Traditionsverein "Kameradschaftlichen Vereinigung ehemals gedienter Jäger und Schützen e.V. Trier" wird es in den folgenden Jahren unter Nationalsozialistischer Herrschaft ebenso ergangen sein, wie allen Schützenvereinen: Sie existierten nach 1933 zunächst ganz normal weiter. 1936 wurden dann aber die Einzelverbände aufgelöst. Der Deutsche Schützenverband wurde gegründet und 1938 der SA (Sturmabteilung der NSDAP) unterstellt. Die Alliierten haben den Deutschen Schützenverband und die Vereine dann 1945 im Zuge der Auflösung der NSDAP verboten.
Nach der Kapitulation der Wehrmacht und dem Ende des 2. Weltkrieges verboten die Alliierten 1945 die Schützenvereine als uniformierte Waffenträger zunächst ganz. Erst mit der Gründung der Bundesrepublik wurden sie wieder zugelassen, lebten mit Beginn der 1950iger Jahre wieder auf, entwickelten sich aber immer mehr hin zu Sportvereinen. Der heutige Nutzer des Schützenhauses und der Schießstände , der Schießsportverein "Ehemalige Artillerie 1890 Trier", ist seit der Neugründung des Landesverbandes 1954 Mitglied im Deutschen Soldatenbund Kyffhäuser e.V..

Der Vereinsname hält die Erinnerung an das, in der Trierer Artillerie-Kaserne stationiert gewesene Feld-Artillerie-Regiment Nr. 44 wach. Dieses Regiment, ab 1902 umbenannt in Triersches Feld-Artillerie-Regiment Nr. 44, lag dort von 1899 bis 1918 in Garnison.

Ab Mitte der 1950iger Jahre wurde das Schützenhaus zu dem beliebten "Waldrestaurant". Mit "Gut bürgerlicher Küche und gepflegte Getränke" warb ein Wegweiser an der Napoleonsbrücke. Susanna Morgen, liebevoll "Tant´ Sus" genannt, bewirtschaftete das Ausflugslokal bis zu ihrem Tode 1979. War Übernachtung in dem abseits gelegenen Schützenhaus angesagt, habe ein Karabiner hinter der Tür und der Wachhund für Sicherheit gesorgt, erinnert sich Roland Morgen an die Worte seiner Oma.

Heute ist das "Waldrestaurant" wieder das "Schützenhaus" und ausschließlich Vereinsheim der Sportschützen. [1]

Die Fotos 1-3 zeigen die Anlage im Jahr 1921
Bild 4 zeigt die Schützen des Vereins im Jahr 1935.
Bild 5: Die Postkarte von um 1900 stellt die Namensgeber des Vereins, die Trierer Artilleristen, dar.

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wehrbauten und militärische Anlagen /
Zeit:
1934
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.591886
lat: 49.745781
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Eurener Wald

Internet
http://www.euren.de/

Datenquellen
[1] Albert Bebelaar, Trier, 2022. Quellen: Stadtarchiv Trier, Stftung Welter, Roland Morgen und Borggräfe, Henning: Schützenvereine im Nationalsozialismus, kyffhaeuserbundev.de und Schießsportverein "Ehemalige Artillerie 1890 Trier".

Bildquellen
Bild 1: © Albert Bebelaar, Trier, 2022.
Bild 2: © Albert Bebelaar, Trier, 2022.
Bild 3: © Albert Bebelaar, Trier, 2022.
Bild 4: Schießsportvereins "Ehemalige Artillerie 1890 Trier", 2022.
Bild 5: Schießsportvereins "Ehemalige Artillerie 1890 Trier", 2022.
Bild 6: Ansichtskarte von 1905. Sammlung: Jörg Busch, Trier-Biewer, 2020.

Stand
Letzte Bearbeitung: 13.12.2022
Interne ID: 34736
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