Mehrener Bildchen (2)

Mehren, Gemeinde Mehren
Beschreibung
Während die Eintragung in der Tranchot-Müfflingschen Karte von 1803/1820 fehlt, findet sich das im Volksmund als Mehrener Bildchen bezeichnete Heiligenhäuschen fortlaufend in späteren Karten. Gelegen ist dieses Flurdenkmal auf einem privaten Grundstück (Acker/Wiese) östlich der Weinfelder Kapelle auf der Gemarkung Mehren an der alten Wegeverbindung von Mehren nach Weinfeld (Weijmeld).

Nach dem Volksmund soll das Mehrener Bildchen auf dem Kellergewölbe des ehemaligen Weinfelder Pfarrhauses oder an einem Opferstein(?) errichtet sein. Vor der heutigen Umfeldgestaltung war gut erkennbar, dass die Standfläche des Heiligenhäuschens von großen unförmigen Steinblöcken gebildet wird. Es ist offensichtlich, dass das Objekt auf Bauresten einer römischen Siedlung mit einem großen Grabdenkmal und der späteren Wüstung Weinfeld (aufgegeben vor 1562) steht. Dass es sich bei den Steinblöcken um die Reste des Pfarrhauses der ca. 500 m westlich gelegenen ehemaligen Weinfelder Pfarrkirche handelt, ist zweifelhaft und nicht gesichert.

Das Mehrener Bildchen hat die Abmessungen von ca. 110/100/185 cm, ist aus Bruchsteinen gemauert und grob verputzt. Die vierseitig abgewalmte Spitze wird von einem einfachen Eisenkreuz mit gespaltenen Enden (Ankerkreuz) bekrönt. Die Bildnische ist nach Nord-Osten(wetterabgewandt) ausgerichtet. Die Nischensohlbank bildet ein massiver Block aus rotem Sandstein mit stirnseitiger Kartusche und der Inschrift:

MARIA JESUS JOSEF
ARNOLD SCHILDGEN 1770

Der Name des Stifters/Errichters ist infolge der Verwitterung heute nicht mehr lesbar.

In der Chronik der Pfarrei Mehren von Pastor Friedrich Müller von 1887 findet sich auf Seite 34 folgender handschriftlicher Nachtrag von Pfarrer Nikolaus Loyo(1930-60):

"An dem Feldweg von Mehren nach Weinfeld auf der Höhe ist ein Bildstock, der an einem Götter-Opferstein errichtet sein soll Inschrift: MARIA – JESUS – JOSEF ARNOLD SCHILDGEN 1770. In einem unterirdischen Keller bei diesem Opferstein soll ein gewisser Goldammer goldene Figürchen gefunden haben".

Vermutlich beschreibt Nikolaus Loyo hier den Hortfund aus dem Jahr 1852, von dem Peter Henrich im Jahr 2006 berichtet: "..., das ein „gewölbter kellerartiger Raum" ausgeräumt wurde. Dabei trat der Hortfund zutage. Ein Teil der Münzen soll ins Rheinische Landesmuseum Trier gelangt sein. Diese sind nicht (mehr) auffindbar."

Hortfund:
- 30 römische Münzen verschiedener Prägung
- Bronzestatuette Merkur "5 Zoll Höhe"
- Bronzeobjekt "schön gearbeitetes kupfernes Cylinderchen", "Schelle"
- Eisenobjekte "mehreres Eisenzeug, dessen Gebrauch sich nicht leicht ermitteln läßt."
- Eisenobjekt "eine Art Waffe, ähnlich unseren Wiesenmessern"
- Beinernes Objekt "Stück eines Hirschgeweihs"
- Gefäß unbestimmter Form "zweihenkelige Urne aus grobkörniger Erde"

Der Hortfund ist verschollen. Peter Henrich deutet ihn als Schrott- oder Plünderungsdepot und datiert dieses auf den Zeitraum um 310 n. Chr.

Die ursprünglich in der Nischenrückwand fest eingemauerte Halbreliefplatte, ebenfalls aus rotem Sandstein, zeigte in einer einfachen, bäuerlichen Formensprache 3 symmetrisch nebeneinander stehende Personen (die Heilige Familie?: Maria-Jesus-Josef), darüber, wie schwebend oder fliegend(?), eine stark nach rechts geneigte, das Kreuz tragende Person.

Die Hintergründe, die zur Errichtung des nach der Inschrift auf das Jahr 1770 zu datierenden Mehrener Bildchen‘s führten, sind nicht bekannt. Der in der Sohlbank-Kartusche genannte Arnold Schildgen war wohl der Stifter/Erbauer und zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt.

Im August 1979 wurde das Mehrener Bildchen zerstört und das Relief aus der Bildnische gestohlen. Im Herbst desselben Jahres stellten Josef Jungen und Roland Thelen aus Mehren unter Verwendung des vorhandenen Bruchsteinmaterials das Heiligenhäuschen in der Ursprungsform, jedoch mit verwaister Bildnische, wieder her. Im Jahr 1984 gestaltete Hubert Ostermann aus Mehren unter Mithilfe von Alois Bley vom nahegelegenen Weinfelder Hof das Umfeld mit der heute vorhandenen Bepflanzung. Die
heute in der Bildnische angebrachte Plastik (vermutl. industrieller Tonguss) zeigt die Madonna mit Kind. Der Stifter ist unbekannt.

*Arnold Schildgen, geboren am 24.12.1725 in Mehren, war das zweite von drei Kindern von Johann Adam Schildgen, Schöffe in Mehren (*~1686+1762) und seiner Frau Maria Katharina geb. Borsch(?)(*~1686 +1755).
1754 heiratete er Agnes Görgen (*1724/+1796), die Tochter von Philipp Görgen, Synodale in Schalkenmehren (*~1690 +1757). Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, von denen drei im Alter zwischen 11 und 18 Jahren
starben. Das zweitgeborene Kind, Kaspar Schildgen (*1758) zog vermutlich von Schalkenmehren fort, so dass kein Nachfahre von Arnold Schildgen in Schalkenmehren verblieben ist. Von Beruf war Arnold Schildgen Schäfer. Im Steuer-Revisionsprotokoll für Schalkenmehren von 1753 ist ein Schäfer Arend Schülgen gelistet und mit 36 Albus veranlagt. Bei der genannten Person dürfte es sich um den aus Mehren stammenden Arnold Schildgen handeln, der also schon seinen Hausstand in Schalkenmehren hatte, bevor er dort am 20.11.1754 Agnes Görgen heiratete. In der Steuerliste von 1763 wird sein Haushalt unter dem Namen Arnold Schiltgen mit 36 Albus veranlagt und das Revisionsprotokoll von 1793 führt ihn als Beisassen.
Arnold Schildgen starb am 14.04.1795 im Alter von fast 70 Jahren in Schalkenmehren.

Den von Pastor Loyo genannten "Goldammer" hat es wirklich gegeben: Das Familienbuch der Pfarrei Mehren nennt den evangelischen Tagelöhner Heinrich Ernst Goldammer,*26.01.1843 in Terpitzsch (südöstlich von Leipzig). Er hat die aus Mehren stammende Eva Barbie geheiratet. Das einzige Kind aus dieser Ehe war Franz Goldammer (*1869 +1951). Ob nun Heinrich Ernst Goldammer oder sein Sohn Franz Goldammer der Finder der goldenen Figürchen war, bleibt offen... – allerdings passen die Lebensdaten nicht zu den Funden in den Jahren 1852 und 1854. [1]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Heiligenhäuschen
Zeit:
1770
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.856776
lat: 50.178425
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Auf der langen Fuhr

Internet
http://www.mehren.de/

Datenquellen
[1] © Roland Thelen, Mehren, 2018.

Bildquellen
Bild 1: © Roland Thelen, Mehren, 2018.
Bild 2: © Roland Thelen, Mehren, 2018.
Bild 3: © Roland Thelen, Mehren, 2018.
Bild 4: © Roland Thelen, Mehren, 2018.

Stand
Letzte Bearbeitung: 06.05.2018
Interne ID: 47667
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=47667
ObjektURL als Mail versenden