Gedenktafel für Clara Viebig

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Simeonstiftplatz 1
Beschreibung
Angebracht ist sie am Simeonstiftplatz 1, Eingang Kutzbachstraße,
wo bis in die Sechzigerjahre Viebigs Geburtshaus stand.

Inschrift:
Hier stand das Haus, in dem die Dichterin
CLARA VIEBIG
(1860-1952)
geboren wurde. [1]

Clara Viebig (* 17. Juli 1860 in Trier; † 31. Juli 1952 in West-Berlin) war eine deutsche Erzählerin, Dramatikerin und Feuilletonistin, die insbesondere der literarischen Strömung des Naturalismus zugerechnet wird. Clara Viebigs Werke zählten um die Jahrhundertwende in den bürgerlichen Haushalten zur Standardbibliothek. Ein Teil ihres Werkes, insbesondere autobiographische Schriften, sowie Romane, die in der Eifelregion, an der Mosel und am Rhein spielen, werden noch heute aufgelegt.

Leben
Clara Viebig war die Tochter des Oberregierungsrates und Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Ernst Viebig und dessen Ehefrau Clara. Die Familie stammte ursprünglich aus Posen und gelangte durch die Versetzung des Vaters nach Trier. Dort wurde Clara im Haus Simeonstiftstraße 10, heute Kutzbachstraße, geboren. Im Jahr 1861 wohnte die Familie in der heutigen Zuckerbergstraße 24, später verzog sie nach der Olk.

Ihre Geburtsstadt behielt Clara Viebig zeit ihres Lebens in guter Erinnerung: „Ich habe mir just den schönsten Winkel des ganzen schönen Rheinlandes zum Geborenwerden ausgesucht. In Trier, unweit der ‚Poort‘, wie das Römertor im Volksmund heißt, stand meine Wiege; sie schaukelte im Takt der vielen frommen Glocken, die, […] mit mächtigen Stimmen über die Mosel schallten.“

1868 wurde der Vater zum Stellvertreter des Regierungspräsidenten Friedrich von Kühlwetter befördert und musste mit seiner Familie nach Düsseldorf umziehen. Auch dort, in der Geburtsstadt des von ihr verehrten Heinrich Heine, lebte sich Clara schnell ein.

1876 verweilte die junge Clara zu einem Pensionsjahr in Trier, in der Familie eines Landgerichtsrats, den sie in ihren Schriften ‚Matthieu‘ nennt: „Mathieu, Untersuchungsrichter des Kreisgerichts Trier, das den ganzen ländlichen Bezirk des zu Trier gehörenden Eifelteils umfasste, […] auf seinen vielen Dienstfahrten zu Tatbestandsaufnahmen, zu Verhören und Obduktionen nahm er mich mit.“ Während sie in den Wirtsstuben auf den Onkel wartete, lernte sie durch die Erzählungen der Wirtinnen Land und Leute kennen. Aus dieser Zeit stammt ihre Liebe zur Eifel, die sie später in ihren Erzählungen und Romanen literarisch umsetzte.

Nach dem Tod des Vaters zog Clara 1883 mit der Mutter nach Berlin um. Dort studierte sie Gesang an der Hochschule für Musik und gab Privatstunden, um sich ein Zubrot zu verdienen.

13 Jahre lang verbrachte Clara Viebig die Ferien bei Verwandten auf deren Gütern in der Provinz Posen. Die dort erhaltenen Eindrücke setzte sie später in zahlreichen Romanen und Erzählungen um.

Viebig bezeichnete die Lektüre der Werke Émile Zolas, speziell Germinal, als ausschlaggebend für ihr eigenes literarisches Schaffen; wegen dieses Vorbildes wurde Viebig auch die „deutsche Zolaide“ genannt. Die Schriftstellerin erinnerte sich: „Dieser ‚Germinal‘ war mir eine Offenbarung. [...] O diese Kraft, diese Größe, diese Glut der Farben, diese Fülle der Gesichte, diese Leidenschaft der Gefühle - so muß man schreiben, so! Ohne Rücksicht, ohne Furcht, ohne scheues Bedenken [...] nur ehrlich, ehrlich!“

Stilistisch schulte sie sich an den naturalistisch orientierten Romanen des französischen Schriftstellers Guy de Maupassant (1850–1893): „Von ihm habe ich gelernt, sprachlich wählerisch zu sein.“

Der Bekanntschaft mit Theodor Fontane im Jahr 1895 verdankte Clara Viebig den Kontakt zum Verlag seines Sohnes, Friedrich Fontane, und zu dessen Teilhaber Friedrich Theodor Cohn. Den jüdischen Verleger heiratete Viebig im Jahr darauf.

Für ihre ersten Arbeiten verwendete Clara das Pseudonym „C. Viebig“, da sie als weibliche Literatin im Kaiserreich schwer Fuß fassen konnte. Man habe geraten, „statt meines ehrlichen Taufnamens Clara mich mit einem einfachen C. zu begnügen. Er meinte, Publikum und Redakteure hätten nun einmal ein gewisses Misstrauen gegen die weibliche Feder, besonders, wenn die Autorin noch unbekannt sei; es wäre vorteilhafter für mich, wenn man hinter dem C. einen Carl oder Clemens oder Constantin vermutete.“[9] Ihr gelang es, zahlreiche Skizzen, Märchen, Novelletten und Novellen in den Feuilletonbeilagen von Zeitungen und Zeitschriften zu veröffentlichen. 1896, mit 36 Jahren, konnte Clara Viebig mit dem Fortsetzungsroman Wildfeuer in einer Berliner Zeitung auch als Roman­autorin debütieren.

1896 heiratete sie in Berlin Friedrich Theodor Cohn und veröffentlichte fortan in dessen Verlag F. Fontane & Co. fast alle ihre Werke. Ihr gemeinsamer Sohn Ernst Viebig (1897–1959) wurde Komponist und Dirigent. Die Familie lebte in Berlin-Zehlendorf in großbürgerlichen Verhältnissen und verbrachte wiederholt Kuraufenthalte im Eifelkurort Bad Bertrich, wo sie immer wieder Anregungen zu ihren Eifelwerken fand.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zeigte Viebig sich zunächst patriotisch und schrieb entsprechende Artikel in Zeitungen und Zeitschriften. Ihr anfänglicher Enthusiasmus wandelte sich jedoch schnell in Skepsis, als sich ihr Sohn Ernst zum Heer meldete: „Sie waren eben alle nicht bei Sinnen gewesen, die Söhne nicht, die Lehrer nicht, die Väter nicht – alle nicht. Nur die Mütter sahen, wie es wirklich war; die ahnten, wie es kommen würde. Gekommen war.“

Auf dem Höhepunkt ihres literarischen Schaffens publizierte Viebig fast jährlich einen Roman oder einen Band mit Erzählungen. Zwischen 1898 und 1933 unternahm Clara Viebig allein oder mit ihrem Ehemann immer wieder Vortragsreisen nach Basel, Den Haag, Luxemburg, New York City, Paris, Sankt Petersburg und Wien. Ihre Werke werden insbesondere ins Französische, Spanische, Englische, Italienische, Niederländische, Norwegische, Schwedische, Finnische, Tschechische, Ukrainische, Slowenische und ins Russische übersetzt, einige in Blindenschrift übertragen.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 musste ihr Mann als Jude seine Verlagsanteile an die Deutsche Verlagsanstalt abgeben, und die Publikationsmöglichkeiten für die Schriftstellerin waren nun erheblich eingeschränkt. Nach seinem Tod 1936 trat Clara Viebig der Reichsschrifttumskammer bei, so dass sie drei Romane neu veröffentlichen konnte.

Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete die Schriftstellerin wegen der Luftangriffe auf Berlin ins oberschlesische Mittenwalde, Landkreis Falkenberg O.S., überlebte den Krieg zusammen mit ihrer langjährigen Haushälterin Marie Holzbauer und kehrte 1946 krank und verarmt nach Berlin zurück. Ein alter Bekannter aus den Zeiten der Eifelreisen, Ernst Leo Müller, der ehemalige Bürgermeister von Hillesheim, unterstützte sie fortan, wenn auch nicht immer uneigennützig, wirtschaftlich und persönlich.

Anlässlich des 70. Geburtstages ehrte die Stadt Düsseldorf, der Clara Viebig insbesondere mit ihrem Roman Die Wacht am Rhein aus dem Jahr 1902 ein Denkmal gesetzt hatte, mit der Benennung einer Straße. Im Dresdner Stadtteil Löbtau gibt es ebenfalls seit den 1960er Jahren eine Clara-Viebig-Straße, sowie auch in ihrer Geburtsstadt Trier.

Clara Viebig starb am 31. Juli 1952 im Alter von 92 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte fand sie in Düsseldorf auf dem Nordfriedhof, in der Ehrengrab­stätte ihres Vaters. [2]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Denkmale
Zeit:
16.08.2018
Epoche:
21. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.642042
lat: 49.759563
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
https://www.trier.de

Datenquellen
[1] http://www.verlags-karree.de/vk33/index.php?option=com_jem&view=event&id=129:enthuellung-der-gedenktafel-fuer-clara-viebig
[2] Seite „Clara Viebig“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Oktober 2018, 17:01 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Clara_Viebig&oldid=181852955 (Abgerufen: 22. Oktober 2018, 23:43 UTC)

Bildquellen
Bild 1: Nicola Perscheid [Public domain], via Wikimedia Commons.

Stand
Letzte Bearbeitung: 22.10.2018
Interne ID: 47993
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=47993
ObjektURL als Mail versenden