Buchsbäume im Palmenwäldchen

Himmerod, Gemeinde Großlittgen
Beschreibung
Buxus sempervirens, 186 Pflanzen in den Parkanlagen des Klosters. Verordnung vom 18. Juni 1938. [1]

Der Weg zum „Palmenwäldchen“ ist schon ein bisschen abenteuerlich. Erst einmal geht es über den Friedhof des Klostergeländes, dann auf die für Besucher schon zur Klausur zählende eingezäunte Wiese an der Nordseite der Kirche und schließlich an Hochlandrindern vorbei in Richtung der nördlichen Mauer des Klostergeländes. Man muss allerdings genau hinsehen, um die Buchsbäume, die in der Kirche als „Palmen des kleinen Mannes“ gelten, zu sehen, denn sie sind in vielen Fällen von Eichen und Buchen überwachsen. Die Pflanzen aus der Gattung „Buxus“ verfügen teilweise über stattliche Stämme von mehr als vier Metern und haben einen Durchmesser von etwa zehn Zentimetern.

Die Buchsbäume, die diesen Namen aufgrund ihrer Größe verdient haben, stehen nicht zusammen auf einer kleinen Fläche, sondern sie säumen einen Weg von 200 Metern, der entlang der nördlichen Außenmauer bis an die Ecke, die von Nord- und Ostmauer gebildet wird, führt.

Er verläuft parallel zur L 34 und Richtung Altenhof. Bis heute sind die Buchsbäume, von denen es vor 30 Jahren noch 186 gab, ein Naturdenkmal. 1938 erhielten sie diese Bezeichnung. Damit verbunden war damals ein Verbot der Entfernung, Zerstörung oder Veränderung. Es heißt in der Verordnung vom 18. Juni 1938: „Darunter fallen alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Naturdenkmäler und ihre Umgebung zu schädigen oder zu beeinträchtigen. Als Veränderung eines Baumdenkmals gilt auch das Aussägen, das Abbrechen von Zweigen, das Verletzen des Wurzelwerks oder jede Zerstörung des Wachstums, soweit es sich nicht um Maßnahmen der Pflege des Naturdenkmals handelt.“ In den Unterlagen der Kreisverwaltung ist vermerkt, dass die Buchsbäume zu diesem Zeitpunkt eine Höhe von vier bis fünf Metern, einen Durchmesser von zehn bis zwölf Zentimetern und ein Alter von 200 bis 250 Jahren hatten. Prof. Reinhold Bohlen, Domkapitular und Rektor der Abteikirche, berichtet: „Falls es stimmt, dass die Bäume 1938 ein Alter von 200-250 Jahren aufzuweisen hatten, wären diese zwischen 1688 und 1738 gepflanzt worden, das heißt in der Amtszeit von Abt Robert Bootz (1685-1730), der in Himmerod ein großes Bauprogramm durchführte und u. a. die wirtschaftlichen Voraussetzungen dafür schuf, dass sein Nachfolger Abt Leopold Camp (1731-1750) die barocke Klosterkirche errichten lassen konnte.“ Und: „Es wäre vorstellbar, dass die Buchsbäume zu einer barocken Park- und Gartenanlage gehört haben, die sich auf zwei Terrassen erstreckte.“ Dazu gibt es sogar ein kleines literarisches Zeugnis. Ein Trappistenmönch hat es im Jahr 1919 aufgeschrieben. Ihm ist der Buchsbaumbestand bei einer Begehung des Geländes aufgefallen. Und er bringt es mit einer barocken Klosteranlage in Verbindung.

Auch Gartenexpertin Barbara Mikuda-Hüttel, Dozentin für Gartendenkmalpflege, kann sich vorstellen, dass es eine solche Gartenanlage in Himmerod gab. Sie sagt: „Solche Anlagen gab es ja nicht nur bei Schlössern, sondern auch bei Klöstern.“ Inzwischen ist das nur noch mit viel Fantasie zu erahnen. 1999 sah es anscheinend noch anders aus. Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, berichtet: „Eine letzte Überprüfung des Naturdenkmals hat am 9. April 1999 stattgefunden. Damals wurden keine Schäden oder Gefährdungen festgestellt. Es wurden aber auch keine Fotos festgehalten.“

Die übriggebliebenen Pflanzen haben aber bis heute eine wichtige Funktion. Die Palmzweige für Palmsonntag werden dort geschnitten. Es kann also sein, dass Menschen, die an Palmsonntag in Himmerod ein Sträußchen mitgenommen haben, jetzt nicht nur ein religiöses Zeichen des Lebens, sondern auch ein kleines Zeugnis eines vergessenen Barockgartens zu Hause haben. [2]

Einordnung
Kategorie:
Naturobjekte / Bäume / Buchsbäume
Zeit:
1688 und 1738
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.757107
lat: 50.028371
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Kloster Himmerod

Internet
http://www.kloster-himmerod.de/

Datenquellen
[1] Seite „Liste der Naturdenkmale in Großlittgen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 26. April 2019, 20:18 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Liste_der_Naturdenkmale_in_Gro%C3%9Flittgen&oldid=187943279 (Abgerufen: 7. Juli 2019, 14:26 UTC)
[2] Christina Bents https://www.volksfreund.de/region/mosel-wittlich-hunsrueck/das-palmenwaeldchen-von-himmerod_aid-39849281]

Bildquellen
Bild 1: Peter Valerius, Kordel, 2005.

Stand
Letzte Bearbeitung: 07.07.2019
Interne ID: 5075
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