Hauptmarkt

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Hauptmarkt
Beschreibung
Märkte gibt es in Trier seit Urzeiten. Der älteste ist der "alte Markt" (vetus forum = Virnemarkt) an der Römerbrücke. Hier wurden schon bei den Römern die mit Schiffen angelandeten Güter umgeschlagen und verkauft. Mitte des 8. Jahrhunderts errichtete Bischof Milo einen Markt vor der Porta Media in Trier Süd.

Mit der Machtverschiebung vom fränkischen König zum Bischof erlangte der Bischof von Trier das Markt- und Münzrecht. Der zentrale Marktplatz wurde von Erzbischof Heinrich I. um 958 gegründet. Er verlegte den Markt vor das Westtor der Domimmunität. Hier lag er verkehrsgünstig, dreiecksförmig in Nord- Südrichtung auf der Verkehrsachse zwischen Simeons Tor und Neutor und über die Fleischstraße zur Römerbrücke. In den Jahren 965-72 wurde zwischen der Brot- und der Fleischstraße die Kaufleutekirche Sankt Gangolf errichtet. Um den Marktplatz wurden nach und nach repräsentative Gebäude errichtet. Als Hoheitszeichen wurde in der Mitte des Platzes das Marktkreuz errichtet. Durch Aufschüttungen waren lange Zeit die beiden unteren Sockelsteine im Boden versteckt. Seit 1.12.1979 mit der Neugestaltung des Marktplatzes ist der komplette Sockel wieder sichtbar.

Neben den anderen Marktplätzen in der Stadt, die nur einer bestimmten Ware als Umschlagplatz dienten, wie der Pferdemarkt, der Viehmarkt oder der Kornmarkt, hatten hier die verschiedenen Händler ihren Bereich, in dem sie an ihren Ständen die Waren des täglichen Lebens feilboten und verkauften. Meist wurden die Verkaufsstände auf einen jährlich aufkündbaren Zins oder lebenslänglich auf eine oder mehrere Personen, auch erblich, verliehen.

Daneben eignete sich der große zentrale Platz für Jahrmärkte und größere Messen, wie z.B. die Peter- und Paulmesse um den Haupttermin 29.6., oder die Allerheiligenmesse die heute noch stattfinden. Auf diesen Messen bauten auswärtige Gewürzkrämer ihre Zeltbuden oder Tische auf, in denen sie Pfeffer, andere Gewürze und Wachs anboten. Kölner Händler boten Heringe als beliebte Fastenspeise an. Metzer und Echternacher Händler boten Häute, Felle und Pelze an. Eisenhändler aus der Eifel führten Eisen ein, die Weber und Tuchmacher boten ihre Stoffe an. [3]

Für den täglichen Verkauf und für die Wochenmärkte, die dienstags und freitags stattfanden, hatten die Händler ihren festen Platz. Die Standplätze sind im Bild 1 (Auszug aus dem Stadtplan von 1832) eingezeichnet.

Für die Ordnung auf dem Markt sorgten die Marktmeister, die aus der Mitte des Stadtrates gewählt und vereidigt waren, als Marktpolizei. Sie hatten auch den Marktzins (Standgeld) zu erheben und abzurechnen.

Die Fischer, Fischverkäufer hatten ihren an der Ostseite des Marktes von der Einmündung der Thor-Straße (nach dem West-Tor zur Domimmunität genannt, heute Sternstraße) bis etwa zur Einmündung der Glockenstraße. Die Verkaufsstände lagen direkt am Weberbach oder Stadtbach, der in diesem Bereich Fischbach hieß. Im Bach hielten die Fischhändler ihre lebenden Fische frisch. [1] Die Ostlage hatte den Vorteil, dass der Marktteil länger im Schatten der Häuser lag.

Die Bäcker hatten ihre Stände von der Sternstraße bis in die Brotstraße. Während im Allgemeinen Stand oder Marktgeld für die Verkaufsstände zu entrichten war, hatten im 11. Und 12. Jahrhundert die Bäcker dem Zoller des Klosters Sankt Simeon alle Sonntage ein Brot, oder dafür alle 14 Tage einen Heller zu geben. Das Stand- oder Marktgeld betrug also für sie 52 Brote oder 52 Heller/Jahr. Neben den Verkaufsständen (Tische oder Bänke) hatten die Bäcker wegen der Witterung auch Brotlauben oder Gaddemen, von Gadem = Kammer. Die Verkaufsstände an der Rückseite der Sankt Gangolfskirche in der Grabenstraße heißen heute noch im Volksmund Gädemchen. Sie waren wohl ursprünglich Verkaufsstellen für Brot. [2] Damit beim Brotverkauf keine Unregelmäßigkeiten vorkommen, waren aus dem Stadtrat ein Schöffe und 2 Amtsmeister als "Brotwieger" bestimmt und vereidigt. Sie hatten die Aufsicht über das Brotbacken und den Brotverkauf. Sie prüften stichprobenweise unangemeldet in den Verkaufsstellen, aber auch in den Schränken, Kisten und Kasten das Gewicht, die Zusammensetzung und den Backzustand des Brotes. [4]

Die Fleischer (bei uns auch Metzger genannt) hatten ihre Verkaufsstellen an der Sankt Gangolf zugewandten Seite des Marktes bis zur Einmündung der Fleischstraße. Sie hatte ihren Namen von den Fleischbänken und dem Schlachthaus das sich früher hier befand. Bereits 1295 wurde von den Eheleuten Henrich von Britta und seiner Frau Mechthildis verfügt, dass u.a. dem Kloster St. Marien 5 Soliden Jahreszins von der Fleischbank bei der Pfarrkirche Sankt Gangolf zu zahlen sind. [6]

Außer den genannten Verkäufern sind wohl auch Bauern mit Kartoffeln, Gemüse und Obst auf dem Markt vertreten. Der Teil des Marktes von der Steipe in Richtung Judengasse bot dazu Raum genug. In den geschichtlichen Unterlagen findet sich jedoch kein Nachweis. In diesem Bereich befanden sich auch mehrere Geldwechselbuden.

Was befand sich noch auf dem Marktplatz?
1453 wurde einige Schritte süd- östlich vom Marktbrunnen eine sogenannte "Schuppe" angelegt. Das war ein Bassin, welches vom Weberbach mit Wasser gefüllt wurde. Es diente dazu Bäcker, Metzger, Wirte, Krämer und andere, welche unrichtiges Gewicht und Maß verwendet hatten zu einer beschimpfenden Strafe zu verurteilen. Ihnen wurde unter den Armen ein Strick um den Körper gebunden und sie dann dreimal im Becken untergetaucht und das in aller Öffentlichkeit. Um 1473 wurde die Vertiefung wieder verfüllt. [5]

Der Marktbrunnen wurde 1496 auf Kosten der Adelheit von Besslich errichtet und über eine Wasserleitung vom "Dauffborn", der ab da "der Herren Brunnen oder Brünnchen" hieß, befüllt. Dieser im gotischen Stil gehaltener Brunnen wurde 1595 durch den jetzigen im Renaissance-Stil ersetzt. [5] Der Pranger stand beim Zusammentreffen der Brotstraße und der Palaststraße, ziemlich in der Mitte. Das Gebiet der heutigen Grabenstraße gehörte damals noch zum Markt. Auf einer Zeichnung von Gerhard Nauen von 1571 ist er gut zu erkennen. Er bestand aus 2 Holzsäulen, die mit Brettern verbunden waren. An den Holzsäulen befand sich je ein Halseisen, sodass gleichzeitig zwei Delinquenten eingeschlossen werden konnten. Auf jeder Säule steht eine Flagge des Kurfürsten Johann VI. von der Leyen. Gegen 1768 wurde er in den Eingang der Fleischstraße verlegt. Aufgrund von Beschwerden der Anwohner wurde er später wieder an den alten Standort zurückverlegt. [8] 1979 wurde er an der gleichen Stelle mit einer Säule rekonstruiert. (Bild 4b). Jetzt ist auf der Säule eine Flagge mit Petrus dem Stadtpatron.

Zwischen dem Pranger und den Häusern stand bereits 1571 ein zweiter Petrusbrunnen. Es war ein Tiefbrunnen. Die Brunnenöffnung war von einem runden Sockel umgeben, auf dem 6 oder 8 Säulen als Trägerinnen eines Pyramidendaches stehen. Das Brunnentempelchen wurde von einem großen, schlüsseltragenden Petrus gekrönt. Unter dem Dach hing über der Brunnenöffnung eine Rolle für das Brunnenseil, um den daran hängenden Eimer hochziehen zu können. Noch 1804 bestand der Brunnen. Es wird berichtet, dass er für den Einzug Napoleons in Trier am 6.10.1804 besonders geschmückt war. Danach wurde er verschlossen, aber mit einer Schwengelpumpe konnte noch Wasser entnommen werden. [8]

Ein Warff, das war ein kreisförmiger zur Abhaltung von Zweikämpfen und Turnieren mit Holz umschränkter Platz. Für das Auf- und Abschlagen dieser hölzernen Umschränkung auf dem Markt hat die Stadt im 17. Jahrhundert den Zimmerleuten 6 Rädergulden und 18 Albus bezahlt. [5]

Am 10.8.1794 wurde die Stadt Trier von französischen Truppen erobert. In ihrem Gefolge wurde Ende Oktober 1798 eine Guillotine nach Trier gebracht und auf dem Marktplatz aufgebaut. Nach Einbau des Fallbeils wurde die Wirkungsweise am 3.11.1798 an einem Hammel ausprobiert. Am 30.5.1799 wird als erster der wegen Diebstahls zum Tode verurteilte Heinrich Windhäuser damit enthauptet. [7] Heinrich Windhäuser war 1774 in Lüttich geboren, dem Brauch nach wie ein Katholik vorbereitet worden, starb er 25-jährig.

Bearbeitung: Jürgen Bier, Trier, 2021.

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Marktorte
Zeit:
958
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.641596
lat: 49.756954
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Mitte/Gartenfeld

Datenquellen
Bearbeitung: Jürgen Bier, Trier, 2021.
[1] Trierisches Archiv, Ausgaben 1-7, 1898)
https://www.dilibri.de/ubtr/periodical/titleinfo/28617
[2] Geschichte des Oberrheins, 13. Band 1861
[3] Kurtrierisches Jahrbuch 2009
[4] Geschichte des Erzstifts Trier, Marx, 1858
[5] Jahresbericht der Gesellschaft für nützliche Forschungen 1857
[6] Mittelrheinische Regesten, 4. Teil 1886
[7] Schriftenreihe zur Trierischen Landesgeschichte und Volkskunde 1957
[8] Trierische Chronik, NF III 1906/7, Deuser

Bildquellen
Bild 1: Stadtplan 1832 (Ausschnitt), Genehmigung durch das Stadtarchiv Trier.

Stand
Letzte Bearbeitung: 18.09.2021
Interne ID: 51282
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=51282
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