Gartenanlage der ehemaligen Abtei Sankt Maximin

Trier-Nord, Stadt Trier Schöndorfer Straße 20 A–C
Beschreibung
Gartenanlage der Abtei Sankt Maximin

Der „Vater“ der Gartenanlage war Abt Nikolaus Paccius von Sankt Maximin.

Eigentlich hieß er Johann Heinrich Paccius, geboren am 20.3.1668 in Mayen. Er war Sohn des in Trier um 1635 geborenen Kellners (er war für die Eintreibung der Geld- und Naturalabgaben verantwortlich) des Trierer Kurfürstens in Mayen Johann Paccius und der in Trier geborenen Ehefrau Maria Elisabeth Brandt. Er bezog mit 15 Jahren die Universität Trier, machte 1685 den Magister und trat 1686 in Kloster Sankt Maximin als Pater Nikolaus ein. Priesterweihe 1692. Als Pater übernahm er die Pfarrstelle in Großwinternheim und wurde 1711 Probst in Schwabenheim. Vom 6.10.1719 bis zu seinem Tod war er Abt in Sankt Maximin. 1722 war er außerdem Rector magnificus der Universität in Trier. Am 25.8.1731 starb er in der Abtei Sankt Maximin und wurde auch dort begraben. [3]

Unter ihm wurde in den Jahren 1724 bis 1726 nördlich der quadratischen Klosteranlage, außerhalb des Klosterberings, eine neue, etwa zwei Hektar große Gartenanlage erstellt. Dieser Ziergarten war von einer durch Obelisken geschmückte und durch Spalierobst verdeckte Mauer umgeben, achsensymmetrisch und mit rasterförmigen Beeten angelegt und mit einer kleinen, später erweiterten Orangerie am nördlichen Ende der Hauptachse und zwei Gartenhäuschen versehen.

Das Gartenhaus rechts oben (im roten Kreis) steht heute noch an der Ecke Schöndorfer Straße / In der Reichsabtei. Außerdem waren vier kleinere und ein großer Springbrunnen in der Mitte vorhanden.

Geschmückt wurde die Anlage von dem Bildhauer Johann Neudecker der Jüngere durch Figurenzyklen, die Konstantin, Helena und zwei weitere Kaiser als Wohltäter der Abtei, die sieben Kardinaltugenden und sieben biblische Gestalten zeigen.

Johann Neudecker der Jüngere war – wie sein Vater Johann Neudecker der Ältere – Bildhauer. Er war am 14.3.1692 in Hadamar geboren und starb um 1728. Bekannte Erzeugnisse seiner Kunst schmücken die Zisterziensterabtei Marienstatt, das Fürstäbtliche Residenzschloss in Fulda, den Dom zu Fritzlar und die Abtei Sankt Maximin. [2]

Nach der Verstaatlichung des Klosters durch Napoleon, die am 4.Februar 1802 verfügt wurde, wurde die Abtei geplündert und alles Verwertbare verkauft. Helena und ihre Gefährten mussten ihren Garten verlassen und kamen in fremde Hände.
Die Gebrüder Nell erwarben die meisten Statuen zweifellos als „Säkularisationsgut“ und stellten sie in ihrem Park „Nells Ländchen“ auf. Hier standen sie über den Park verstreut fast 150 Jahre und erfreuten die Besucher des Parkes.

Zwei weitere Exemplare aus dem für Sankt Maximin geschaffenen Figurenzyklus aus
der Werkstatt Neudeckers reisten noch weiter. 1966 wurden sie aus Berliner Privatbesitz nach Amerika verkauft.

So kam die heilige Helena mit ihren Gefährten nach 75 Jahren in Sankt Maximin, fast 150 Jahre im Nells Park über Umwege in den Palastgarten. Dort stehen sie mittler-weile um die 70 Jahre.
Als der Park nach dem zweiten Weltkrieg der Stadt übertragen wurde, wurden sie entlang des Wasserbassins im Palastgarten zwischen Kurfürstlichem Palais und dem Landesmuseum zusammengeführt. [Bilder 3 bis 5]

Auf einigen Sockeln, der heute im Palastgarten stehenden Skulpturen ist das Wappen des Abtes von Sankt Maximin, ein ovales Feld mit einem rost-förmigen Zeichen inmitten der Jahreszahl 1726 angebracht. Das Feld wird gekrönt vom Krummstab des Abtes, der Mitra und einem Schwertknauf. [Bild 6]

[Text nach Jürgen Bier, Trier 2021, verändert]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Abt Nikolaus Paccius von St. Maximin (* 1668 Mayen, † 1731 Trier)
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Kunstobjekte
Zeit:
1726
Epoche:
Barock / Rokoko

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.652286
lat: 49.760624
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
https://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Nord

Datenquellen
[1] Jürgen Bier, Trier, 2021.
[2] Deutsche Nationalbibliothek
[3] Kirchenbuch St. Clemens Mayen.

Bildquellen
Bild 1: © Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 2: © Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 3: © Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 4: © Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 5: © Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 6: © Jürgen Bier, Trier, 2022.

Stand
Letzte Bearbeitung: 23.03.2022
Interne ID: 51588
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=51588
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