Verwaltungs- und Wohnungsgebäude der Straßenbahner

Die Trierer Straßenbahnen (1905 - 1951)
Euren, Stadt Trier Werner-Siemensstraße

Beschreibung
In der Werner-Siemenstraße befanden sich die Verwaltungsgebäude der Städtischen Elektrizitäts-Werke Trier und die Beamten- und Schaffnerwohnungen der Straßenbahner.
Da zur Zeit der Betriebseröffnung ein Mangel an geeigneten Kleinwohnungen vorherrschte, wurde auf dem Gelände des Elektrizitätswerkes eine Anzahl Wohnhäuser zu je vier Wohnungen, mit Zwei- oder Dreizimmer ausgestattet mit gemeinsamer Waschküche sowie Badeeinrichtung und Bleichwiese, erbaut. [1]

Auch in Trier gab es mal eine Straßenbahn. Von 1890 bis 1905 eine Pferdebahn und von 1905 bis 1951 eine elektrische Straßenbahn mit 4 Linien.

Chronologischer Abriss (nach Joachim und Karl-Josef Gilles [2]):

Pferdebahn:
Durch Ratsbeschluss am 27.11.1889 wurde dem belgischen Ingenieur Charles de Féral aus Brüssel die Konzession erteilt, eine 1000mm-schmalspurige Pferdebahn zu bauen.

Am 26. Juli 1890 wurde dann eine Pferdebahn eröffnet, auf 3,44 km Gleis. Es gab 2 Linien für die Pferdebahn:
Hauptbahnhof – Hauptmarkt – Löwenbrücken (Trier-Süd),
Hauptbahnhof – Hauptmarkt – Römerbrücke (rechte Moselseite).

Ab 1891 Ausbau auf 2-gleisige Spuren und Errichtung einer Werkstatt, die Pferdebahn war im 30-Minuten-Takt im Betrieb, bei einem einheitlichen Tarif von 10 Pfennig auf allen Strecken.
1899 Verkauf der Pferdebahn an die Elektrizitätswerke-AG Helios in Köln.
1902 Weiterverkauf an die Stadt Trier.
1905 Einstellung des Pferdebahnbetriebs und Verkauf an die Riegelsberger Straßenbahn (Saarland).

Die elektrische Straßenbahn (1905 – 1951)
1903 Beschluss des Trierer Stadtrats zum Bau einer normalspurigen (1435mm) Straßenbahn.
15.10.1905: Eröffnung der Strecken nach Pallien und nach Euren. Fahrpreis: 10 Pfennig.
21.10.1905: Eröffnung Linie Porta Nigra – Hauptfriedhof.
18.10.1905: Eröffnung Linie Hauptmarkt – Töpferstraße.
1906: Rote Linie bis Treppenaufgang des Weißhauses, Grüne Linie Verlängerung bis nach St. Matthias.
Einteilung der Linien nach Farben rot – grün – blau – weiß.
1913: Fertigstellung der Kaiser-Wilhelm-Brücke und Neustrukturierung der Linien.
1914 – 1918: 1. Weltkrieg, Trier war wichtiger Versorgungsstützpunkt. Zahlreiche Unterbrechungen des Verkehrsbetriebes durch Bombenangriffe.
Ab 1919: Besetzung Triers durch amerikanische und danach französische Truppen. Zeitweise Einstellungen der Linien (bis auf die grüne Linie).
Ab 1920: weitere Unterbrechungen des Verkehrsbetriebes wegen Kohlemangels.
1923: Inflation – ein Fahrschein vom Hauptbahnhof nach St. Matthias kostete 150 Millionen Reichsmark, nach Einführung der Rentenmark dann 15 Pfennig.
Ab 1924: Wiederaufnahme der Blauen Linie und 1925 der Weißen Linie. Modernisierung der Gleisanlagen.
Dezember 1931: Linienbezeichnungen Farben werden durch Nummern ersetzt.
Ab 1933: alle Linien schaffnerlos (an Heilig-Rock-Tage wieder mehr Personal).
1939: Beschluss des Stadtrates, Straßenbahn auf Obus (Oberleitungsbus) umzustellen. Kriegsbedingt aber nur teilweise Umsetzung dieses Beschlusses.
2. Weltkrieg: Trierer Verkehrsbetriebe durch Luftangriffe betroffen (1943 und 1944).
Ende 1946: Reaktivierung des innerstädtischen Verkehrsbetriebes.
Ab 1949: Ersetzen der maroden, kriegsbeschädigten Straßenbahnwagen durch Obusse.
14.9.1951: Letzte Fahrten von noch 3 Straßenbahnlinien durch die Trierer Innenstadt, begleitet von zahlreichen Trierern und Chopins Trauermarsch.

Linien und Haltestellen (um 1930):
Rote Linie (Linie 1, Signatur Dreieck): Hauptbahnhof – Euren
Blaue Linie (Linie 2, Signatur Kreis): Porta Nigra – Pallien
Grüne Linie (Linie 3, Signatur Raute): Hauptbahnhof – St. Matthias / St. Medard
Weiße Linie (Linie 4, Signatur Andreaskreuz): Jägerkaserne (Trier Nord) – St. Medard

Um 1930 gab es im gesamten damaligen Stadtgebiet insgesamt 22 Haltestellen, davon 19 Teilstreckenhaltestellen und 3 Umsteigestellen (Porta Nigra, Hauptmarkt, Bahnrampe).

Text: Michael Grün, Trier, nach [2].

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Unbekannt
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Straßenbahnverkehr
Zeit:
ab 1890
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.618939
lat: 49.748053
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.swt.de/swt/Integrale?SID=CRAWLER&MODULE=Frontend&ACTION=ViewPageView&PageView.PK=5&Document.PK=2767&_p_Menu.PK=2768

Datenquellen
[1] H. Henney: Die Elektrizitäts-Werke der Stadt Trier - Bau- und Entwicklungsgeschichte 1902 bis 1913, Druck von Schaar&Dathe, Trier 1913.
[2] Joachim und Karl-Josef Gilles: Die Trierer Straßenbahnen (Die Reihe auf Schienen unterwegs), Sutton-Verlag Erfurt, 2006. ISBN: 3-89702-944-8.

Bildquellen
Bild 1: Sammlung Jörg Busch, Trier-Biewer, 2022, aus: © H. Henney: Die Elektrizitäts-Werke der Stadt Trier - Bau- und Entwicklungsgeschichte 1902 bis 1913, Druck von Schaar&Dathe, Trier 1913.
Bild 2: Sammlung Jörg Busch, Trier-Biewer, 2022, aus: © H. Henney: Die Elektrizitäts-Werke der Stadt Trier - Bau- und Entwicklungsgeschichte 1902 bis 1913, Druck von Schaar&Dathe, Trier 1913.
Bild 3: Sammlung Jörg Busch, Trier-Biewer, 2022, aus: © H. Henney: Die Elektrizitäts-Werke der Stadt Trier - Bau- und Entwicklungsgeschichte 1902 bis 1913, Druck von Schaar&Dathe, Trier 1913.
Bild 4: Sammlung Jörg Busch, Trier-Biewer, 2022, aus: ©Stadtarchiv Trier - Stadt Trier und Vororte 1927, Ausschnitt.
Bild 5: Autor/-in unbekannt - Henney: Die Elektrizitäts-Werke der Stadt Trier : Bau- und Entwicklungs-Geschichte 1902 bis 1913 (www.ub.uni-koeln.de/cdm/ref/collection/rheinmono/id/433853), gemeinfrei.
Bild 6: © Verkehrsmuseum SWT Stadtwerke Trier, 2017.

Stand
Letzte Bearbeitung: 14.12.2022
Interne ID: 52124
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=52124
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