Ehemaliges Heilig-Geist-Hospital

Enkirch, Gemeinde Enkirch Am Hospital 3
Beschreibung
Erhalten ein kleiner Massivbau, teilweise Fachwerk, mit wohl mittelalterliche Tordurchfahrt. [1]

Die Kreuzritter und ihr Gefolge schleppten im 12. und 13. Jahrhundert oft Krankheiten in das Abendland ein, die dort bisher nie vorgekommen waren. Es waren meistens Tropenkrankheiten, die in ihrer Virulenz und Gefährlichkeit nicht erkannt wurden. Die Menschen standen diesen Krankheiten völlig hilflos gegenüber. Aus christlicher Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft heraus wurde versucht, Unterkünfte für die Armen und für pflegebedürftige Kranke zu gründen. Diese nannte man Hospital zum heiligen Geist. Für die Gründung war keine kirchliche Dotation erforderlich, maßgebend war, daß sie von der höchsten kirchlichen Behörde (Bischof) für den genannten wohltätigen Zweck angenommen und bestimmt wurden.

In der Dissertation Schäfer 1910 Hospital zum heiligen Geist lesen wir: Man sah im heiligen Geist die Verkörperung der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit. Unter dem Bild Zier Taube weihte man ihm, dem Vater der Armen, dem Arzt gegen alle Gebrechen des Leibes und der Seele, diese Stätten der christlichen Barmherzigkeit und unterstellte seinem Schutz nicht nur einzelne Hospitäler oder Krankenhäuser, sondern die ganze Liebestätigkeit.

Diese Hospitäler hatten nichts zu tun mit dem gegründeten Heiliggeist-Orden.

Am 12. September des Jahres 1338 bestätigte der Erzbischof Balduin von Trier (1307- 1354) eine private Dotation für ein solches Hospital in Enkirch. Wenn man bedenkt, daß zum Beispiel die Kaiserstadt Goslar ein solches Hospital 1254 erhielt und Enkirch nur 84 Jahre später, so ist das beachtlich. Agnes, die Witwe des Bürgers Zacharias, übergab diese Schenkung der Enkircher Pfarrkirche, die auch damit den Kirchendienst für die Kranken in der bei dem Hospital gebauten Kapelle zu unterhalten hatte. Balduin bestätigte diese Schenkung und, da die eigenen Mittel der Agnes für einen großzügigen Ausbau des Hospitals nicht ausreichten, verlieh er ihr das Recht, bis zur Fertigstellung der Gebäude Almosen an den Türen zu sammeln. Dabei sicherte er den Förderern dieses Liebeswerkes einen Ablaß von 14 Tagen zu. Der Beweggrund für diese Stiftung war folgender: Agnes war in ihrer Ehe kinderlos geblieben. Ohne eine großzügige Schenkung . im Sinne der christlichen Kirche hätte sie nach damaliger Vorstellung ein ungewisses Jenseits zu erwarten gehabt. Dieses ist ein Parallelfall zu der Gründerin, Hedwig von Ravengiersburg (1074). Der Landesvater, Graf Johann III. von Sponheim-Starkenburg, der Sohn Lorettas, befreite in einer weiteren Urkunde alle Grundstücke, die an dem nie versiegenden Krainbrunnen lagen, von allen Steuern und Abgaben. Der Text dieser Urkunde lautet in freier Übersetzung:

Wir, Johann Graf zu Sponheim tun kund allen denjenigen, die diesen gegenwärtigen Brief sehen, davon hören oder darin lesen, daß wir frei machen mit diesem gegenwärtigen Brief für uns und die unseren. Von Bede Strafe und allem Recht, das wir besaßen, frei sein soll ein Hospital, das gebaut werden soll in unserem Dorf Enkirch. Wozu die Hofstatt gegeben hat Agnes, des Zacharias Weib. Die Werke der Barmherzigkeit in Gottes Ehre gegeben und geloben wir für uns und die unseren lauterlich sein durch Gott zu halten alles in gutem Bau. Als Zeuge haben wir, Graf Johann, vergeben für uns und die unsrigen unser Insiegel an diesen gegenwärtigen Brief gehangen da man zählt nach Gottes Geburt dreizehnhundert Jahre und achtunddreißig Jahre auf Sankt Johannistag, des Papisten wann er geboren ward (24. Juni).

Der seit 1330 residierende Johann III. von Sponheim-Starkenburg vertrug sich leidlich mit Bischof Balduin, obwohl er von diesem am 4. Januar 1351 einen größeren Amtmannbezirk rechts der Mosel erhielt. Balduin starb 1354, und als neuer Bischof erschien Boemund II. (1354- 1362) aus dem Hause Saarbrücken. Er kaufte die immer strittig gewesenen Vogteirechte des Cröver Reiches für sich auf. Kröv blieb zweiherrig. Johann III. baute eine Zollburg unterhalb Starkenburg, sinte (syrte) Mosel genannt, was den Bischof ärgerte. Es kam zu einer offenen Fehde, bei der Enkirch arg belagert und bis auf die mauern verderbet wurde. Johann III.. unterlag. Sein Bruder Heinrich als Mitstreiter wurde sogar mit 40 Rittern und Reisigen bei Kirchberg gefangengesetzt. Das Zollhaus wurde zerstört und blieb bis heute als Ruine stehen.

Das Maß der Zerstörung und die Leiden der Gewalt, die man Enkirch antat, waren anscheinend schwerer Natur, denn am 11. April 1397 beschenkte Johann IV. großzügig das Hospital mit weiteren Weinbergen und Ländereien, die man 1374 und 1395 erworben hatte. Vierzig Jahre nach der Zerstörung Enkirchs sollte dies ein Ausgleich sein für die Not, die die armen lude von Enkirch erlitten hatten. Dem somit an Einfluß und Macht stark vergrößerten Hospital gab man eine neue Satzung über Aufgaben und Sinn desselben. Bei den Ausgaben waren zuerst diejenigen aufgeführt, die für den Spitalmeister mit Mägden und Knechten sowie diejenigen, die für die Armen und Kranken bestimmt waren. An zweiter Stelle standen die Ausgaben für den Priester, der die Messe las davon er der armen lude warten sal mit missen und bichthören. Zuletzt wurden die Unterhaltung der Gebäude und die Anschaffung von Leinen und Hausrat genannt. (Die ganzen Spitalrechnungen mit der neuen Satzung liegen dem Verfasser vor. Sie zu veröffentlichen, würde den geplanten Umfang dieser Arbeit sprengen, sie sind aber von großer ortsgeschichtlicher Bedeutung.)

Bedingt durch die Reformation wurde 1573 die Verwaltung des Hospitals mit der Propstei sowie dem am 18. April 1395 gestifteten Trarbacher Almosen oder Altersheim, Klause genannt, vereinigt. Hinzu kam noch die Wolfer Schaffnei des ehemaligen Klosters. Das Enkircher Hospital blieb jedoch als selbständige Einrichtung innerhalb dieser Vereinigung bestehen und konnte sein segenbringendes Wirken weiterführen. Alle armen, kranken oder sonst wie hilflosen Durchreisenden wurden hier, wenn auch nicht besonders üppig, aber doch leidlich versorgt und verpflegt. Der Diakon erhielt 3 Gulden und 8 Albus als Entschädigung für die Wochenpredigt, die er im Spital halten mußte.

Im 30jährigen Krieg und bei der Hugenottenvertreibung hat das Hospital segensreich wirken können. Dies sollen einige Notizen aus dem Enkircher Kirchenbuch belegen:

1645 ist Catharina, eine Soldatenfrau, deren Mann Georg Berger aus Schlesien, so ein Soldath, gedient bei dene spanier under dem regiment Scharadin under capitain Ulmeyer, bey Aachen von seiner Frau wegen Lüdickher (Lütticher) Bauern zertreut allhier im Spital eine junge Tochter geboren und verstorben.

27. April 1661 eines Pfeiffers oder Spielmanns kranke Frau aus Hall im hiesigen Spital verstorben.

27. April 1661 ist des blinden Henrichs aus Mülheim Filius von 2 Jahr, so allhier im Spital verstorben, begraben worden.

1664 ein fremder Kessler und Leinen Tuch Krämer, so allhier im Spital verstorben Hans Peter aus Herzogtum Busch.

Am 10. März 1710 berichten Zender und Vorsteher der Gemeinde Enkirch, daß die Franzosen das Hospital ruiniert hätten'. Man mußte im Ort ein Armenhaus einrichten. Der Friedhof dieses Hospitals lag neben dem Sunkard (Brunnen) im Hinterdorf.

Da dieses Gelände zum Teil im Besitz der Kirche war, baute man 1901 darauf ein Pfarrhaus. Nach Aufgabe der 2. Pfarrstelle diente es nach dem 2. Weltkrieg als Kindergarten und Gemeindehaus, bis es vor einigen Jahren verkauft wurde, weil im neuen Tersteegenhaus neben der Kirche ein Gemeindesaal und ein Kindergarten eingerichtet worden waren. Beim Bau dieses Hauses wurden noch die Gebeine der dort Beerdigten ausgegraben. Es wurden sogar Waffenteile gefunden, ein Beweis, daß dort auch Soldaten beerdigt waren. Die katasteramtliche Bezeichnung dieses Geländes heißt heute noch am Hospital. Von den ehemaligen Hospitalhäusern am Krain blieb nur das Tor- oder Wachhaus erhalten. Es wurde nach der Zerstörung renoviert und diente als Gemeindehirtenhaus. 1744 wurde es bei einer Versteigerung von der Gemeinde erworben, die es vor Jahren an einen privaten Interessenten verkaufte. Das Gebäude wurde unter Denkmalschutz gestellt. [2]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Krankenhäuser /
Zeit:
12.09.1338
Epoche:
Gotik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.125465
lat: 49.980449
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.enkirch-mosel.de/

Datenquellen
[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2011.
[2] Das Heilig-Geist-Hospital in Enkirch. Von Hans Immich-Spier in Anchiriacum - Enkirch 733 - 1983

Bildquellen
Bild 1: Gemeinde Enkirch (Hg.), 1983. Anchiriacum - Enkirch 733-1983. Groll
Bild 2: Gemeinde Enkirch (Hg.), 1983. Anchiriacum - Enkirch 733-1983. Groll
Bild 3: © Beate Tuerk, Enkirch. beatuerk@web.de
Bild 4: © Beate Tuerk, Enkirch. beatuerk@web.de

Stand
Letzte Bearbeitung: 16.01.2010
Interne ID: 5631
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