Römergrab

Orenhofen, Gemeinde Orenhofen
Beschreibung
Fläche:
a) heute sichtbare Grabenfläche: 626 m²
b) Fläche des Wallkörpers: 420 m²
c) zu Bebauungszwecken nutzbare Innenfläche: 274 m²
insgesamt: 13,2 ar

Vermessung: Juli 1976 (Koch)

Forschungsgeschichte: Die Anlage findet in der Literatur immer wieder Beachtung. Der Tranchot-Karte Nr. 204 von 1803-1820 entnehmen wir für den Lageplatz neben der Bezeichnung Auf der hohen Mark die Eintragung Eisengruben. Schmitt beschreibt 1854 hier unter der Bezeichnung Burgknopp einen beachtlichen Hügel mit rundumlaufendem Graben. Er gibt eine ursprüngliche Höhe mit 25 Fuß (rund 7,50 Meter) an, vermerkt aber weiter, daß in der letzten Zeit eine Abtragung und Einebnung des Hügels vorgenommen worden sei, so saß die Höhe nur noch 15 Fuß (rund 4,50 Meter) betrage.

Im Oktober 1912 begann eine erste Untersuchung durch das Provinzialmuseum Trier. Es wurde ein schmaler, in Nord-Südrichtung verlaufender Schnitt, genau durch die Mitte, bis zum gewachsenen Boden durchgeführt. Dabei erkannte man im Graben eine mittelalterliche Wohngrube, aus der ein ungewöhnlich großer Kugelbauchtopf stammt. Ein alter Schaufelstiel aus dem Hügelinnern gab den Hinweis dafür, daß Unbekannte früher hier gewühlt haben.

In den zwanziger Jahren beschäftigten sich Steinhausen und Steiner (4-6) intensiv mit dieser Anlage. Erfahren wir zuerst, was Steinhausen schreibt: In dem Hügel haben wir die Reste einer frühmittelalterlichen Erdburg zu sehen, die man als 'Motte' bezeichnet; sie hat früher eine Palisade und Warte getragen, die zum Schutz der hier betriebenen Eisengewinnung und der dabei Beschäftigten gedient hat'. Steiner bemerkt zu der Anlage: Sicher mittelalterlich ist ein Turmhügel (französisch motte, englisch moated mount genannt), ein künstlich aufgeschütteter und mit einem breiten Graben umgebener Hügel, der eine Holzpfahlwand (Palisade) als Schutz wehr hatte und darin einen Holzturm trug.

Es ist, worauf C. Schuchardt mit Recht hingewiesen hat, eine in ebenen Landstrichen entstandene Burgform, durch Normannen weithin verbreitet. Von dieser Art kleinster Burg haben wir in unserem Bezirk wenigstens ein Beispiel aufzuweisen: es liegt in dem durch frühere Erzschürfungen zerwühlten Wald von Orenhofen.

Bei weiteren Überlegungen schließt Steinhausen nicht aus, daß ein großes Hügelgrab beim Bau der Burg benutzt wurde.

Funde: Mittelalterliche Keramik.

Zeitliche Einordnung: Mittelalterliche Motte. [1]

Burgknopp, Burghügel (Motte). Ein großer von einem Graben umgebener Hügel, der von der Bevölkerung als Römergrab angesprochen wird. In Wirklichkeit handelt es sich um einen mittelalterlichen Burghügel.

Der Vorläufer der Burgen unserer Zeit waren die sogenannten Motten. Vermutlich ist ihre Entstehung auf das 9. und 10. Jahrhundert zurückzuführen. Eine solche Motte bestand aus einem hölzernem Wohn- und Wehrturm, der auf einem meist aufgeschüttetem Hügel stand. Der Turm war von einem hölzernem Palisade umgeben. Am Fuße des Hügels war ein weiterer Bereich, ebenfalls durch einen Palisadenzaun und durch einen Graben geschützt, in welchem Ställe und Wirtschaftsgebäude standen. Von dieser Vorburg konnte man nur über eine Fallbrücke in die Hauptburg, den Turm, gelangen. Schon hier lässt sich die für die abendländischen Burgen typische Zweiteilung in Vor- und Hauptburg erkennen.

Auf einer solchen Motte lebte nun ein Lehnsherr oder ein Ritter mit seiner Familie und seinem Gefolge auf engstem Raum zusammen. Wenn ein Feind sich dem Lehen näherte, flüchteten die Bauern der Umgebung mit ihrem Vieh in die Motte ihres Herren, um Schutz zu suchen.

Während Notzeiten wie den großen Wikingerstürmen schossen diese Motten wie Pilze aus dem Boden. Selbst später, als es schon Burgen aus Stein gab, wurden sie errichtet. Im 11. Jahrhundert verstärkte man viele Motten, indem man die Holzgebäude teilweise durch Stein
ersetzte. Diese Entwicklung ging, durch den Einfluss der morgenländischen Festungen veRuhrsacht, bis in das 11. und 12. Jahrhundert, in welchem man die Befestigungsanlagen nur noch aus Stein errichtete. Von diesem Zeitpunkt an spricht man nicht mehr von Motten. [2]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Befestigungen / Motten
Zeit:
Circa 500 nach Chr. bis circa 1220
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.672434
lat: 49.902859
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Römergrab, Burgknopp im Growäldchen

Internet
http://www.landesmuseum-trier.de/

Datenquellen
[1] Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Regierungsbezirkes Trier und des Kreises Birkenfeld. Von Karl-Heinz Koch und Reinhard Schindler. Selbstverlag des Rheinischen Landesmuseums Trier 1994. Online-Shop: www.landesmuseum-trier-shop.de
[2] W. Janssen: Studien zur Wüstungsfrage. 1975

Bildquellen
Bild 1: Google Earth
Bild 2: Google Earth

Stand
Letzte Bearbeitung: 03.12.2007
Interne ID: 5693
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5693
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