Artioni Biber-Inschrift

Ernzen, Gemeinde Ernzen
Beschreibung
Artioni Biber-Inschrift und sogenannte Schweineställe (oder Schweigestelle)
An diesem Ort säumen beeindruckende Sandsteinklippen den schmalen Weg von Weilerbach nach Ernzen. Den Namen Schweineställe erklärte man sich so, daß diese Stelle, am Ein- und Ausgang abgeriegelt, einen guten Viehpferch abgibt, in dem die Schweine die vorhandenen Eicheln fressen konnten. Althochdeutsch bedeutet sweiga Weide, stal Stelle und so wird der Name Schweigestelle ebenfalls als Viehweide gedeutet. In einen der Felsen ist die Inschrift Artioni Biber tief eingemeißelt. Ein Einheimischer namens Biber hat in römischer Zeit hier wohl sein Gelübde gegenüber der Artio, einer keltischen bärengestaltigen Jagdgöttin, erfüllt. An der linken Seite der Inschrift ist, noch schwach erkennbar, ein Hammer mit einer weiteren Inschrift eingemeißelt: Tertius [T]ertinus [U]rsulus. Der Hammer kann für den römischen Waldgott Silvanus stehen; der Beiname, nämlich Ursulus = das Bärchen, deutet vielleicht wieder auf die Göttin Artio.

[Homepage der Verbandsgemeinde Irrel. 2002.]


Fundstelle 463
Felsinschrift für die Gottheit Artio, eingehauen in natürlichen Fels. Inschrift: "Artioni Biber". Links daneben an derselben Felswand die Inschrift: Tertius [B]ertinus [U]rsulus; darüber schwach eingraviert ein Hammer mit langem Stiel. Rechts neben der Artio-Inschrift nochmals zweimal "Ter" übereinander eingraviert. Hettner las angeblich noch "Tertius Tertinus".
Der Felsblock wurde aber später an der rechten Seite abgehauen. Eine kleine 1909 durchgeführte Ausgrabung des PM Trier unmittelbar vor dem Inschriftenfelsen erbrachte "einige praehistorische Scherben, dann aus römischer Zeit ein etwa 6 cm langes Steuerruder aus Bronze, wohl von einer Fortunastatuette, sowie einige Knochenreste" (Steinhausen 1932, 98). In der Ortsakte Ernzen ist weiterhin ein mit Draht umwickelter Bronzestab erwähnt. Die Fundstelle liegt in einem Seitental des Weilerbachtales westsüdwestlich von Ernzen.

Binsfeld u.a. 1988, 16f.; Cüppers 1990, 336; Steinhausen 1932, 97f.; Trierer Jahresber. 3, 1910, 12; Trierer Zeitschr. 4, 1929, 183
in: Römisch-Germanische Forschungen, Bd. 63. Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld. Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt a. M. Fundstellenkatalog von: Dirk L. Krausse unter Mitarbeit von Antje Fischbock. 2006

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Inschriften
Zeit:
Circa 500 vor Chr. bis circa 500 nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.397173
lat: 49.836869
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Kammerbüsch

Internet
http://ernzen.de/

Datenquellen
- Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2002.
- Fundstellenkatalog: Die keltisch-römische Siedlung von Wallendorf und ihr archäologisches Umfeld. Dirk L. Krausse unter Mitarbeit von Antje Fischbock, 2006.
- Dirk Krausse: Eisenzeitlicher Kulturwandel und Romanisierung im Mosel-Eifel-Raum. Verlag: Philipp von Zabern, Mainz, 2006. Beilage 1.

Bildquellen
Bild 1: © Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2003. www.irrel.de
Bild 2: © Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2003. www.irrel.de
Bild 3: © Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2003. www.irrel.de

Stand
Letzte Bearbeitung: 25.12.2012
Interne ID: 574
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=574
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