Kalksteinbruch Rahlsheck

Pickließem, Gemeinde Pickließem

Beschreibung
Ein exaktes Datum, wann der Kalkstein-Steinbruch begonnen wurde, kann nicht genannt werden. Es ist davon auszugehen, dass bereits die Römer hier Kalkstein abbauten.

Situation:
Die Berghöhe Gemarkung Rahlsheck mit ihrem kleinen Wäldchen beherbergt laut Aussage der Archäologie mindestens 36 frühzeitliche Hügelgräber. Die Berghöhe mit Ausdehnungen in Richtung Spangdahlem und Dudeldorf weist Indizien auf, die auf eine frühzeitliche keltische Burg deuten. Die zeitliche Einordnung der Hügelgräber lässt den Schluss zu, dass diese zeitgleich mit den Gräbern von Gransdorf anzusehen sind (ca. 300 – 600 v. Chr.)

Abbau vor dem Jahre 0:
Die gesamte Hochfläche Rahlsheck bis hin an Spanger Bach und Aulbach wurde in Frühzeiten durch Raseneisen bedeckt, wodurch bereits bei den Kelten Abbau und Verwertung statt fanden. Treverer und Römer setzten den Abbau fort. Dies kann zeitlich dadurch eingeordnet werden, da römische Siedlungsstellen bereits auf keltischen Abbauflächen errichtet wurden. Gallorömisch fanden Kalk und Eisenerzabbau statt, wobei nicht mehr festzustellen ist, ob der Steinbruch selbst indieser Zeit begann oder bereits existierte.

Abbau in römischen Zeiten:
Die römischen Siedlungsstellen, die den Steinbruch umgeben, liegen so, dass eine arbeitstechnische Zuordnung von Siedlung und Arbeitsstätte möglich ist. Bei dem nur wenige hundert Meter entfernten (allgemein als mittelalterlich angesehenem) Eisenerzbergwerk ist eine Bergwerksanbindung an römische Infrastruktur nachweisbar. Der Beginn des Steinbruchs dürfte also gleichfalls in römischen Zeiten liegen, wobei der ursprüngliche Steinbruch-Abbau nur unwesentlich entfernt, nahe dem Spanger Bach, Gemeinde Spangdahlem, begann und sich im Laufe der Zeit Richtung Pickließem bewegte.

Abbau in fränkischen/karolingischen Zeiten:
Nach dem Abzug der Römer dürfte ein Mangel an Fachkräften bezüglich Eisenverhüttung und Kalkverarbeitung geherrscht haben, wodurch während fränkischer Zeit (5.-7. Jahrhundert), Menschen des Volksstammes der Chatten (Hessen) in der Eifel integriert wurden. Ein Beleg hierfür dürften die Ansiedlungen in der Eifel durch Karl den Großen, die Ortsgeschichte der Gemeinde Spangdahlem und die Gemarkung Katzenbach sein. Kalkgestein des Steinbruches wurde in das „Chatten-Bach-Tal“ transportiert und dort gebrannt. Im Tal könnten zeitweise zwischen 20 und 50 Kalk-Brennöfen gestanden haben.

Abbau im Mittelalter:
In Dokumenten festgehalten wurde zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert der Eisenerzabbau des nahe gelegenen Pickließemer Eisenerzbergwerks. Eisenerz war wichtigstes Handelsgut. Dass zeitgleich auch Kalk im Steinbruch abgebaut wurde, belegen Fahrspuren die aus dem Steinbruch Richtung Spanger Bach führen und sich tief in den Boden eingruben.

Die Zisterzienser der Abtei Himmerod:
Kloster Himmerod kontrollierte ab dem 12. Jahrhundert den gesamten Bereich zwischen Kailbach und Spanger Bach. Die Höfe beidseits des Spanger Bach waren Grangien. Eisenerz und Kalkabbau wurden vom Spangdahlemer Nikolausturm aus kontrolliert, der ebenfalls den Himmerodern zugeordnet wurde.
Die Mehrzahl der Brennöfen dürfte folglich auch dem Kloster zugerechnet werden, die Abgaben an den Erzbischof und St. Simeon in Trier leisteten. Das Rittergut der von Kesselstatt dürfte laut KI zeitweise auch für die Abtei tätig gewesen sein.
Industrielle Tätigkeit reduzierten sich nach dem 30-jährigen Krieg.

Abbau Französische Republik:
Die Franzosen und Napoleon Bonaparte reaktivierten Eisenerz- und Kalkabbau. Neue Kalköfen entstanden (Beispiel: Scheuermühle Spangdahlem). Die Fahrspuren des 18. und 19. Jahrhunderts verdeutlichen die vielfältigen Transportwege aus dem Steinbruch heraus zu dem Kalköfen der Gemeinde Spangdahlem. Zu dieser Zeit dürften auch Randgebiete des Hügelgräberfeldes in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Abbau „Preußisches“ Kaiserreich:
Die industriellen Verlagerungen ins Ruhrgebiet brachten die Eisenerzgewinnung zum Erliegen. Auch Kalkbedarf verringerte sich vorübergehend und reduzierte sich auf ein Minimum.

Abbau 20. Jahrhundert
Mit Beginn des 1. Weltkrieges vergrößerte sich Kalkbedarf wiederum. Die Kalköfen Spangdahlems gingen wieder in Betrieb. Das Eisenerzbergwerk blieb geschlossen. Kalkgewinnung im Steinbruch der Gemeinde Pickließem und Kalkbrände in Spangdahlem setzte sich bis etwa Mitte der 1960er Jahre fort, bevor die Steinbruchflächen endgültig renaturiert wurden. [1]

Abbildung: Der Steinbruch Rahlsheck
links der Wald mit den Hügelgräbern, rechts der Straße das Eisenerzbergwerk oberhalb des Rapsfeldes der ehemalige Steinbruch, der an der Straße begann an der oberen Spitze des Rapsfeldes eine römische Siedlungsstelle

Siedlungsstelle 2 (Rahlsheck) liegt verdeckt links am Rande des Waldes [Günter Leers, 2026]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Rohstoffgewinnung und -verarbeitung
Zeit:
Circa 500 vor Chr. bis circa 500 nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.663922
lat: 49.986222
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Vor Dickert

Internet
https://www.youtube.com/@keltentrevererundromer-xk3zp

Datenquellen
[1] Günter Leers, 2026.

Bildquellen
Bild 1: © Günter Leers, Spangdahlem, 2026.

Stand
Letzte Bearbeitung: 24.05.2026
Interne ID: 57641
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=57641
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