Entersburg

Ruine Entersburg, Gemeinde Hontheim
Beschreibung
Fläche:
a) heute sichtbare Grabenfläche: - m²
b) Fläche des Wallkörpers: 1700 m²
c) zu Bebauungszwecken nutzbare Innenfläche: 12200 m²
insgesamt: 139,0 ar

Vermessung: März 1977 (Koch)

Forschungsgeschichte: Die Ruinengemäuer am nördlichen Rand der Bergkuppe sind die Überreste der mittelalterlichen Nantersburg. Sie wurde bei einem Rachefeldzug von Erzbischof Albero zerstört, nachdem sich zuvor die Brüder Werner und Johann von Nantersburch 1134 die Burg Arraz auf hinterlistige Weise angeeignet hatten.

In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckte Pfarrer Ost nach kleineren Untersuchungen Brandspuren auf dem höchsten Felsplateau, in das auch Pfostenlöcher eingegraben waren. Über erste römische Münzfunde berichtet Schumacher. Trotz verschiedener Hinweise ist für Steiner die Entersburg nur eine mittelalterliche Dynastenburg. Eine römerzeitliche Befestigung lehnt er an dieser Stelle ab, hält es aber dennoch für möglich, daß hier ein keltischer und römischer Kultplatz war. 1974 beschreibt Gilles viele Kleinfunde von der Entersburg. Danach fanden umfangreiche Raubgrabungen statt. 1978-79 wurden Ausgrabungen durch das Landesmuseum Trier ausgeführt.

Bei den Ausgrabungen gelang es Grabungsleiter Gilles, bisher unbekannte Benutzungsphasen nachzuweisen.

Vorrömische Mauerreste wurden in acht Grabungsschnitten an der Nord-, Ost- und Südseite angetroffen, so daß der Befestigungsnachweis, wie im Lageplan dargestellt, erbracht ist.

Teilweise freigelegt wurde auch die alte Torgasse an der äußersten Nordostspitze. Für den Ausgräber war wegen der vielen baulichen Veränderungen im Torraum der Tortyp nicht endgültig gesichert - nach seinen Erkenntnissen änderte sich der Zufahrtsweg an dieser Stelle bis ins 11./12. Jahrhundert nicht -, und wegen der vielen Funde in diesem Bereich spricht Gilles von einer Mehrperiodigkeit der keltischen Befestigung.

Eine Aussage über den römischen Teil der Anlage soll nun von Gilles folgen:

Um die höher gelegenen Teile des Bergsporns zog sich zumindest in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts teils über die Terrassenkanten, teils durch den Steilhang eine Umwehrung aus einem unregelmäßigen, in Lehm gesetzten Schieferbruchsteinmauerwerk von bis zu 1,20 Meter Breite. In der Regel war nur seine Mauerfront exakt gesetzt, während der bergseitige Teil mit kleinerem Steinmaterial aufgefüllt war. Offenbar baufällige Abschnitte wurden später - wie im Südosten - durch eine zweite vorgesetzte Mauerschale verstärkt. Zweischaliges Mauerwerk wurde nur im Norden und Osten an kurzen, hangabwärts führenden Mauerstrecken festgestellt. An der Ostspitze der Westflanke waren zudem nahezu senkrechte Felswände in die Umwehrung integriert. Vor der Befestigungsmauer lagen an der einzig zugänglichen Seite im Nordwesten vor einer künstlich versteilten Böschung zwei kurze in den Fels geschlagene Abschnittsgräben, welche durch eine wallartige Felsrippe voneinander getrennt waren. Der innere Graben zeigt einen U-förmigen Querschnitt und erreichte eine Tiefe von 1,50 m.

Trotz des steilen und felsigen Geländes war die Innenfläche relativ dicht bebaut. Das erreichte man, indem man künstliche Terrassen anlegte oder im steilen Gelände stufenförmig aus dem Fels Kammern herausbrach und ihre Wände sorgfältig abschrotete. Mehr als zehn solcher Kammern ließen sich rund um den Gipfel nachweisen. Oft liegen sie kasemattenartig unmittelbar hinter der Befestigungsmauer. Einige waren, wie Abschrotungen und Balkenlöcher erkennen lassen, mehrgeschossig. Größere Kammern waren, so an der Nordostseite, durch Trockenmauern unterteilt.

Der Zugang entsprach dem der vorgeschichtlichen Befestigung und führte um die Nordwestspitze des Sporns durch die spätlatenezeitliche Torgasse am Nordosthang entlang bis zur Ostspitze der spätrömischen Umwehrung, wo er vielleicht neben einem größeren turmartigen Gebäude in die befestigte Höhensiedlung führte, nachdem er zuvor auf 80 Meter etwa parallel zu ihrer Nordwestflanke verlief. Die Wegeführung ließ sich durch Wagenspuren oder Abschrotungen der bergseitigen Wegkanten an mehreren Stellen festlegen, wobei an zwei Stellen bei Bedarf Sperren oder Hindernisse eingebaut werden konnten. Die erste lag im Bereich der vorgeschichtlichen Torgasse und bestand aus zwei trocken gemauerten Querriegeln, zwischen denen bei Gefahr vermutlich Balken verkeilt wurden. Der zweite Riegel lag an einem Felskopf, der die Wegeführung bereits stark einengte. Dort bestand die Möglichkeit, zwischen zwei Rundhölzern und einem herausgearbeiteten Felsspalt Bohlen oder Bretter zu verkeilen und somit den Zugang vorübergehend zu sperren.

An der Nordwestspitze wurde oberhalb des Zugangs nicht vor dem 2. Viertel des 4. Jahrhunderts ein etwa 10x10 Meter großer Turm (Burgus) mit mehr als 2 Meter starken Fundamentmauern wohl zum zusätzlichen Schutz der höher gelegenen Befestigungsanlage errichtet, von der die Nordschleife des Ueßbaches nicht einzusehen war, ein Unsicherheitsfaktor, der erst durch den Bau des Turmes beseitigt wurde.

Bei den Untersuchungen konnte auch das mittelalterliche Burggemäuer freigelegt werden. Der Detailplan zeigt den zweigeteilten abgeknickten Raum von rund 30 Meter Länge und 10 Meter Breite. Die 1,10 bis 1,48 Meter breite Mauer ist unter Verwendung von Kalkmörtel mit behauenen Schiefersteinen, römischen Spolien, Quadern und Halbwalzen errichtet. Jeden Raum erreicht man von der Südseite durch eine Türöffnung, die es auch in der raumunterteilenden Zwischenmauer gibt.

Funde:
a) Keltische Münzen, Keramik und viele Kleinfunde aus Bronze und Eisen,
b) römische Münzen vom 1. bis zum 4. Jahrhundert, römische Keramik - das Material umfaßt mehrere Zentner -, viele Bronzegegenstände aus römischer Zeit,
c) mittelalterliche Münzen, Keramik- und Metallfunde.

Zeitliche Einordnung:
a) Mittel- bis spätlatenezeitlich.
b) Römische Periode: 2. Hälfte 3. bis Mitte 4. Jahrhundert.
c) Die um 1095 errichtete Nentirsburch wird bereits 1138 zerstört. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Befestigungen / Spornburgen
Zeit:
Circa 300-0
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.007997
lat: 50.080958
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Burgwald

Internet
http://www.landesmuseum-trier.de/

Datenquellen
[1] Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Regierungsbezirkes Trier und des Kreises Birkenfeld. Von Karl-Heinz Koch und Reinhard Schindler. Selbstverlag des Rheinischen Landesmuseums Trier 1994. Online-Shop: www.landesmuseum-trier-shop.de

Bildquellen
Bild 1: Google Earth
Bild 2: Google Earth

Stand
Letzte Bearbeitung: 15.04.2015
Interne ID: 5767
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5767
ObjektURL als Mail versenden