Burgscheider Mauer

Landscheid, Gemeinde Landscheid
Beschreibung
Fläche:
a) heute sichtbare Grabenfläche: 250 m²
b) Fläche des Wallkörpers: 4330 m²
c) zu Bebauungszwecken nutzbare Innenfläche: 19110 m²
insgesamt: 236,9 ar

Vermessung: 1966 (Badry)

Forschungsgeschichte: Daß die Burgscheider Mauer immer wieder Beachtung fand, wird aus der vorliegenden Literatur ersichtlich. Als erster erwähnte sie 1845 Steininger. Einige Hinweise kennen wir aus den Akten der Gesellschaft für nützliche Forschungen. Kreuz beschreibt die Anlage in der Zeitschrift Das Eifelland, und bevor Steiner wiederholt auf diesen Ringwall aufmerksam macht, erscheinen 1900 und 1905 zwei kurze Hinweise in der Trierischen Landeszeitung.

Auch von Steinhausen und Wackenroder kennen wir Lagebeschreibungen.

1937 verfaßt Kimmig nach Begehung der Anlage einen bisher unveröffentlichten Bericht. Im Sommer 1967 untersucht Schindler diese Befestigung. Es ist das erste von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierte Objekt des Trierer Forschungsprogrammes für das Siedlungs- und Befestigungswesen. In zwei Monaten gelingt es dem Ausgrabungstrupp, in acht Schnitten den Maueraufbau und die Torgasse zu erforschen.

Auf der inneren Burgfläche, Schnitt I-V, konnte nicht der erhoffte Siedlungshorizont angetroffen werden. Um so erfolgreicher verlief die Untersuchung an dem eigentlichen Befestigungswerk. In Schnitt VI wurde der Sockel einer 5,80 Meter breiten, in Murus-gallicus-Technik errichteten Mauer angetroffen. Sorgfältig aus roten Sandsteinen zusammengefügt war die 1,20 Meter breite und noch 1 Meter hohe Außenmauerschale, an der sich in regelmäßigen Abständen die Löcher von den horizontal gelegten Balken des Holzgerüstes zeigten. Ähnlich, jedoch nur 70 Zentimeter breit, wurde die Innenmauerschale angetroffen. Nicht zu ermitteln waren die Querzüge des Balkengerüstes in der Zwischenfüllung, die aus Sandsteinblöcken und Sandboden, vermischt mit Steinschrott, bestand. Eisennägel, mit denen nach Meinung Schindlers die Querzüge vernagelt waren, wurden nicht angetroffen. Daß die Anlage einem Großbrand zum Opfer fiel, ist durch stark verschlackte, teilweise zu Glas verschmolzene Steine nachzuweisen.

Schnitt VI wurde bis an den äußeren Grabenrand verlängert. Hier zeigte sich vor der Mauer eine knapp 3 Meter breite Berme, und der anschließende 5,50 Meter breite Graben hat eine Tiefe von 1,40 Meter. Mit Schnitt VIII wurde die Randmauer am steilen Nordwesthang untersucht. Hier konnten nur noch die drei untersten Steinlagen der Außenmauersetzung festgestellt werden. Sichtbare Balkenlöcher wurden nicht angetroffen. Dennoch entspricht die Art des Aufbaues der des Schnittes VI.

Daß man in Schnitt VIII auf den Grundriß der Torkammer stieß, überraschte. Zufahrtsweg mit schildoffener Seite, verschobene Wallführung oder dergleichen zeigen sonst den Tordurchlaß an. Hier ist man von diesem Prinzip abgewichen. Schindlers Beschreibung des Torraumes soll hier ungekürzt folgen: Die trapezförmige Torkammer [hier: Plan der Torkammer] ist an der Innenkante der Mauer circa 3,5 Meter breit, an der Außenkante hingegen 2,3 Metera die östliche Torwange wegen des natürlichen Geländegefälles einem gewaltigen Schub und Druck der Gesteinsmassen ausgesetzt war, sind selbst die Blöcke in der untersten erhaltenen Fundamentlage verdrückt oder verkantet. Nur im Fußpunkt dürfte sich die alte Linie der Torwange abzeichnen. Die westliche Torflanke ist dagegen unverändert geblieben. Das Steinpflaster in der Torgasse bestand aus zwei übereinandergeschichteten Lagen. Das plattige Gesteinsmaterial war häufig hochkant gestellt. Eine einzige Stelle in der Mitte der inneren Gasse ist verdächtig, als Standort für einen Torpfosten gedient zu haben, der jedoch nicht in den Boden eingetieft, sondern auf eine Steinplatte gestellt und von Keilsteinen umgeben war. Doch ist das nur eine vage Annahme. Merkwürdig waren die Bodenverhältnisse in der Torgasse. Im westlichen Teil begrenzt durch den hypothetischen Torpfosten und die östliche Toraußenkante, zeichnete sich der gelbgraue Boden zwischen den Pflastersteinen durch besondere Härtung aus, im östlichen Teil war er locker und weich. Dies könnte bedeuten, daß die westliche Torgasse einer intensiveren Benutzung ausgesetzt war als die östliche. Wenn diese Annahme richtig ist, müßte eine Pforte an der Innenseite der Gasse auf der Linie des vermeintlichen Pfostens angebracht und für den Verkehr vorwiegend die westliche Bahn freigegeben gewesen sein. Jedoch, der mangelhafte Befund läßt eine sichere Deutung nicht zu.

Nach Forträumung der Pflasterung waren im Torraum 3 die Grundlinien der Torwangen klar hervorgeholt. Holzkohlereste und dunkle Verfärbung entlang der östlichen Steinreihe sind zu schwach, um aus ihnen Relikte einer hölzernen Torwangenverkleidung oder -Versteifung abzuleiten. Das unterste Niveau der Fundamentsteine im Tor lag zwischen 385,84 und 359,07 Meter über NN, die Pflasterung der Gasse um 20 bis 30 Zentimeter höher. Verwendung großer, meist rechteckiger Blöcke zu erkennen. Anzeichen für querlaufende Balkenzüge des inneren Mauergerüstes ergaben sich nur an den besser erhaltenen Teilen der Tormauer.

Den nördlichen Abschluß der westlichen Torwange bildet eine mächtige, Landesstraße, 6 Meter lange, hochkant gestellte und tief in den gewachsenen Boden eingelassene Sandsteinplatte. Sie gehört zu einem turmartigen Vorbau, der auch an der Nordseite mit einer hochkant gestellten Platte abgesichert, im übrigen aber aus vorwiegend großen Steinblöcken gebaut war. Diese 3 Meter breite Vorbastion sprang 1,8 Meter über die äußere Mauerlinie vor [Abb. Toranlage]. Ihr Mauerwerk war bis zu 1,5 Meter hoch erhalten und verjüngte sich nach oben. Diese Verjüngung, die besonders deutlich am Übergang zum weiteren Mauerverlauf erkennbar wurde, unterstreicht den vorwiegend statischen Zweck dieses Baugliedes, das der Absicherung des westlichen Torflügels an dem hier beginnenden Steilhang diente. Gleichzeitig wird ein turmartiger Oberbau zur Erhöhung der Defensivkraft anzunehmen sein. In der östlichen Außenwand des Vorbaues und der rechtwinklig anschließenden Hauptmauer waren wiederum zwei Löcher für Balkenköpfe des Mauergerüstes gut sichtbar. Die Torgasse verjüngte sich infolge der angeschrägten Torwange von 3,4 auf 3 Meter von innen nach außen. An der Außenkante der Torgasse trat durch einen Rücksprung des Torturmes eine zusätzliche Verengung ein. Hier betrug die Breite des Toreinganges nur noch 2,2 Meter. Im Winkel zwischen der westlichen Torwange und dem Turmvorsprung könnte der Anschlag oder die Einhängung des Burgtores angenommen werden. Jedenfalls spricht bei der Grundrißform alles für ein Außentor und nicht - wie bei Otzenhausen oder Manching - für die Konstruktion einer zwingerartig eingezogenen Pforte. Die Mauerbreite an der östlichen Torwange betrug 5,2 m, an der westlichen Torseite hinter dem Turm 4,6 Meter. Die Grundmaße des Turmes waren 3,6x2x3,2x2,2 Meterm Torschnitt kamen nur geringfügige Scherben zutage.

Funde: Spätlatenezeitliche Keramik.

Zeitliche Einordnung: Befestigung der Spätlatenezeit in Murus-gallicus-Technik. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Befestigungen / Ringwälle
Zeit:
5. Jh. v. Chr. -1. Jh. v. Chr.
Epoche:
La-Tène-Zeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.720345
lat: 49.998590
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Burscheider Mauer, Burtscheider Mauer

Internet
http://www.landesmuseum-trier.de/

Datenquellen
[1] Vor- und frühgeschichtliche Burgwälle des Regierungsbezirkes Trier und des Kreises Birkenfeld. Von Karl-Heinz Koch und Reinhard Schindler. Selbstverlag des Rheinischen Landesmuseums Trier 1994. Online-Shop: www.landesmuseum-trier-shop.de

Bildquellen
Bild 1: Google Earth

Stand
Letzte Bearbeitung: 18.11.2009
Interne ID: 5778
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=5778
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