Weis(s)er Wacken

Berendsborn, Stadt Konz
Beschreibung
Möglicherweise keltischer oder noch älterer Kultstein ursprünglich in Konz am Berndsborn stehend und zusammen mit der Quelle die Hochgerichtsgrenze zwischen den Ämtern Pfalzel und Saarburg markierend. 1912 dort entfernt und im neugeschaffenen Kaiserwäldchen (heute unterhalb von Konz-Roscheid) auf einem kleinen künstlichen Plateau und einem kleinen Betonsockel aufgestellt. Das ehemalige Kaiserwäldchen ist aber mittlerweile (2002) vollkommen verwildert und im Wald aufgegangen. Es ist von der Stadt Konz geplant (Stand Sommer 2002) den Stein dort zu entfernen und wieder an seinem angestammten Platz am Berendsborn aufzustellen.

Zugang (zum derzeitigen Standplatz im Wald):
Von Konz fährt man in Richtung Stadtteil Konz-Roscheid den Berg hoch. Nach einer Linkskurve kommt etwa auf halber Höhe rechts das kleine Neubaugebiet Am Sprung mit herrlicher Aussicht. Man fährt an diesem vorbei und an dessen Ende nach rechts ab zum letzten Haus des
Neubaugebiets. Hier Parkplatz. Ein geteerter Waldweg führt etwa parallel zur Autostrasse in den Wald (hier Trimmdichpfad). Man folgt diesem Weg und nimmt die erste Abzweigung eines ungeteerten Waldweges nach links. Nach einigen hundert Metern an einer großen Wegekreuzung finden sich die Reste des Kaiserwäldchens, die Fundamente der ehemaligen Gastwirtschaft und
der Stein.


Siehe auch den Datensatz:
Konz - Berendsborn


Der weisse Wacken am Konzer Berendsborn
von Rudolf Molter

Ein Sommermorgen des Jahres 1912.

Am Berendsbur haben sich Konzer Bauern mit Pferd und Wagen eingefunden und die Zahl weiterer Konzer Doktoren in Nähe der munter sprudelnden Quelle und wassergefüllten Sandsteintröge nimmt ständig zu. Sie alle wollen bei einem Ereignis dabei sein, das hier seinen Ausgang nehmen soll: Das Versetzen des ganz in der Nähe des Brunnens seit undenklichen Zeiten im Gebüsch stehenden, sogenannten weissen Wackenhinauf in das Kaiserwäldchen am Konzer Sprung. Dieser mächtige, aufrecht stehende und etwa zwei Meter hohe Quarzitblock mit seinen geschätzten 80 Zentner Gewicht, soll in Zukunft zu Ehren ihrer Majestät Kaiser Wilhelm II dort oben, an dem von hohen Eichen umstandenen Festplatz einen besonderen Akzent setzen. Äusserer Anlass zu dieser, von patriotischen Gedanken getragenen Aktion ist die 25. Wiederkehr der Kaiserkrönung am 14. Juni 1888, sowie das Gedenken an die vor etwa 100 Jahren vor Moskau zu Ende gegangene Herrschaft Napoleons. Im Deutschen Reich wurden an diesem Tage vielerorts Kaiser - Eichen oder Kaiser - Linden gepflanzt, sowie dazu Gedenksteine errichtet.

Es muss ein hartes Stück Arbeit gewesen sein, bis sich der mächtige Stein vom Untergrund gelöst hatte und sich auf dem unter der Last ächzenden Wagen befand. Erst recht der Transport hinauf über den steilen und kurvenreichen Sprung - Weg hatte die vorgespannten acht schweren Belgier - Pferde zum Dampfen gebracht.

Seit diesem Tag steht der weisse Wacken am (ehemaligen) Festplatz Waldeslust. Im Jahre 1930 erhielt er zur Erinnerung an die Befreiung des Rheinlandes zusätzlich eine inzwischen abhanden gekommene
Bronzeplakette mit dem Portrait von Feldmarschall Hindenburg, der 1925 Reichspräsident geworden war.

Die geschichtliche Bedeutung des weissen Wacken für Konz liegt offenbar in seinem Bezug zur Quelle Berendsborn. Im kurfürstlichen Jahrgedinge des Jahres 1574 wird die Gerichtsgrenze, also die juristische Zuständigkeit zwischen den kurfürstlichen Ämtern Pfalzel (Trier) und Saarburg u.a. definiert mit ...bis an die alte Landwehr (Weerberg), von dort herab bis auf den Bernhardsborn, von dem Bemhardsbom herüber auf den weissen Stein oder -Wacken, von da auf Kanert zu.... In dem beschriebenen Konzer Bezirk hat der Kurfürst alle Rechte als Hochgerichts-, Schirm - und Gewaltherr: Dabei ist zu wissen und es wird gewiesen und erkannt, dass im Fall ein missetätiger Mensch jenseits dem Bernhardsborn ergriffen würde, so soll derselbe gen Saarburg und da einer von den Unterthanen zu Kuntz ergriffen würde, derselbe gen Pfalzel geführt werden.

Der Grenzstein wird weiterhin in einer Urkunde des
Schöffengerichtsbuches von Konz im Jahre 1649 (S. 80) genannt, wo ein Feld bei dem weißen Wack aufgeführt ist. In der Pfarrchronik von Sankt Nikolaus heißt es (S.493) im Jahre 1671 nochmals...obent Contz aufm weißen Stein.

Der Erklärung des Begriffs weisser Stein oder - Wacken von seiner weißen (hellen) Farbe als Quarzitblock ist eine weitere, wahrscheinlichere Version vorzuziehen. Quelle und Stein weisen nämlich hier auf die vorbeschriebenen, alten Grenzen und rechtlichen Zuständigkeiten hin. Das Wort weis ist in diesem Sinne auch enthalten im Begriff Weistum, als eine Rechtsordnung die auf bestehendes Recht hin-weist. Etwas weismachen hatte ursprünglich einen positiven Sinn, während es heute eher als etwas vormachen verstanden wird.

Das Stammwort zu weisen ist wohl das althochdeutsche wizzi für Strafe. Beispielhaft sei hier auf den Trierer Ortstei! auf der Weismark hingewiesen, der -aus ,weis(s)e Wacken-Mark entstanden ist. Hier stand früher ein Grenzstein als Grenzscheide der Hoheitsgebiete von Sankt Matthias und Sankt Irminen. Ähnlich weist auch der weis(s)e Turm der dem Ort Weißenthurm am Rhein den Namen gab, die - Grenze des ehemals Kurtrierischen zum Kurkeöllnischen aus.

Auch die bereits 1648 erwähnte weisse Mark auf der Roscheiderhöhe war so eine Grenzmarke oder Scheidmark, wie sie hier genannt wird.

Der weisse Wacken stand als Grenzstein also nachweislich seit über vier Jahrhunderten in direkter Nachbarschaft zum Berendsbom. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass er bereits etwa 250 Jahre früher und mit Einführung der kurfürstlichen Ämter und ihrer Bezirke, unter
Erzbischof Balduin in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert diese Funktion inne hatte.

Es könnte sogar darüber hinaus so sein, dass dieser weisse Wacken einer, jener Menhire im Trierer Land ist, die aus vorrömischer bezw. keltisch - treverischer Zeit stammen und (ähnlich den frühgeschicht!ichen Stein - Denkmälern des Ferschweiler Plateaus zwischen Sauer und Prüm aus der Zeit von etwa 2000 v. Chr.) religiö -kultische Bedeutung hatte. Oft wurden solche, von Menschenhand aufgerichtete Hinkelsteine und heidnischen Quellheiligtümer später in christlichem Sinne umgewidmet oder (wie in Konz auf Sankt Bernhard ?) umgetauft.

Aus diesen geschichtsträchtigen Gründen und zur Wiederherstellung eines mit Sicherheit viele Jahrhunderte bestehenden, historisch begründeten Zustandes wird deshalb vorgeschlagen, den Konzer weissen Wacken wieder an seinen angestammten Platz in Nähe des Berendsbur zu versetzen.

Hierzu bietet sich ein südlich der heutigen Brunnenanlage und ihres Zuganges vorhandener Grünstreifen an. Der Monolith stände somit als Pendant circa 8 -10 Meter von der Quellfassung entfernt am dortigen Hangfuss optisch wirkungsvoll an der Strasse Am Berendsbom. Eine nachfolgende Planskizze verdeutlicht vorstehende Konzeption. Darüber hinaus liegt der Stadtverwaltung und den Fachausschüssen eine Vorentwurfsplanung zu
zukünftigen, verkehrsberuhigenden und integrierten gestalterischen Massnahmen in diesem Bereich am Berendsborn / Hubert-Zette!meyer-Stasse vor. Diese sind jedoch zeitlich unabhängig von der vorbeschriebenen
Aufstellung des weissen Wacken zu verwirklichen, würden aber die Gesamtsituation um die Brunnenanlage und ihr Umfeld städtebaulich wesentlich verbessern.

Quellen und Literaturhinweise: Konzer Chronik, 1970; Michel Scherer.
Die Strassennamen der Stadt Trier, 1970; E. Zenz. Heimatkalender Bitburg-Prüm 1989, C. Oberweis. Die Strassennamen der Stadt Konz, 1984.
Der Berendsbom, Festschrift ..1989. Die Flumamen von Konz, 1992 R. Molter.

Anmerkung:
Der Stein steht mittlerweile (August 2002) wieder an seinem angestammten Platz neben dem Quellheiligtum Berendsborn. Das Foto zeigt den aktuellen Standort.

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Steinmale, Menhire /
Zeit:
Circa 500 vor Chr. bis circa 500 nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.574979
lat: 49.691424
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.konz.de/

Datenquellen
Helge Rieder, Konz, 2002 und Rudolf Molter, Konz.

Bildquellen
Bild 1: © Helge Rieder, Konz, 2002
Bild 2: © Helge Rieder, Konz, 2003

Stand
Letzte Bearbeitung: 01.01.2003
Interne ID: 6165
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6165
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