Fundstelle römischer Mauerreste

Trittenheim, Gemeinde Trittenheim
Beschreibung
Spurensuche im Trittenheimer Wald

Wer den idyllischen Ort Trittenheim im Moseltal kennt, wird sich wohl schwerlich vorstellen können, dass die Gemeinde über ein relativ großes Waldareal ( 460 Hektar) verfügt.

Vom Ort aus nicht sichtbar erstreckt sich der Trittenheimer Wald hinter dem Kronenberg jenseits des Tales der Kleinen Dhron bis zum 400 Meter über Normal-Null. liegenden Ort Heidenburg hin.

Das zusammenhängende Waldgebiet wird umrahmt von der Kleinen und der Großen Dhron, die in Papiermühle zusammenfließen. Im Süden liegt die Begrenzung nahe der Heidenburger Flur, wo wir heute Felder und Wiesen sowie einige Windkraftanlagen finden. Durch den Trittenheimer Wald fließen folgende Gewässer: Speinbach, Kohlbach ( fließen in die Kleine Dhron) und Lierensbach (mündet in die Große Dhron) .

Folgt man von Heidenburg aus dem Wanderweg H 2, so erreicht man mitten im Wald den Distrikt Zabicht und die Liersbachquelle. Hier wurden schon Ende des letzten Jahrhunderts römische Fundamente entdeckt und dem Museum in Trier gemeldet. Das Gelände ist jedoch versteckt, unwegsam und liegt viel zu weit von den spektakulären Funden im Moseltal entlang der römischen Fernstraße von Trier nach Neumagen und weiter nach Bingen entfernt. Mit der Zeit geriet der Fund bei der einheimischen Bevölkerung in Vergessenheit.

Wenn man mit offenen Augen durch den Zabicht streift, fallen einem die Erhöhungen im Waldgelände, die das antike Mauerwerk verbergen, auf und man stößt mit etwas Glück auf guterhaltene römische Tonziegel, die verstreut unter Blättern herumliegen. Man kann sich gut vorstellen, dass hier in der Antike zwar keine Villa, aber doch ein kleiner Tempel, vielleicht eine Art Quellheiligtum gestanden hat. Da es vor dem Ausbau der Straßen im Moseltal eine Nord-Südverbindung von der Eifel zum Hunsrück durch den Ort Trittenheim gegeben hat, könnte es sein, dass der Weg von Trittenheim über den alten Kordel (Carral = Karrenweg), der heute noch existiert, weiter durch den Ortsteil Dhrönchen und quer durch den Trittenheimer Wald zur alten Römerstraße zwischen Heidenburg und Talling geführt hat. Dieser Weg hätte nahe an den antiken Fundstellen vorbeigeführt.

In der Trittenheimer Festschrift des Winzerfestes von 1936 ist in einem Bericht von Hans Pesch auf Seite 4 folgendes über Das Weindorf Trittenheim zu lesen:

Wenn auch über die Gründung Trittenheims nichts bekannt ist, so steht doch fest, dass sich in seiner nächsten Umgebung römische Niederlassungen befanden. Im Jahre 1851 wurden im Trittenheimer Wald ungefähr 20 Aschenkrüge mit Knochenresten und in der Nähe dieses Gräberfeldes römisches Gemäuer und Spuren einer Wasserleitung gefunden. Dieser Bezirk, der wohl in der Antike kein geschlossenes Waldgebiet war, sondern zumindest über größere Lichtungen verfügte, da sonst eine Bebauung schlecht möglich gewesen wäre, ist auch noch anderweitig erwähnt.

Dieser Bericht deutet auf eine wesentlich ältere vorzeitliche Besiedlung hin. Im Zeitungsartikel Steine als uralte Kultzeichen im Trierer Land von Dr. Paul Steiner (TV vom 5. April 1930) ist folgendes zu lesen:
Die Steinkreise Bei Heidenburg, etwa 1,6 - 1,8 Kilometer nördlich vom Ort (Meßtischbl. 3457, Neumagen) im Trittenheimer Wald, Distrikt Zabicht, Jagen 6 und 11, liegen 3 Steinkreise. Auf sie hat nur Herr Mergener aufmerksam gemacht (Trierer Jahresberichte V 1912, S. 23). Ich fand 1911 bei einem flüchtigen Besuch, der sich im Anschluß an die Besichtigung einer nicht weit davon befindlichen römischen Ruinenstätte an der Lierbachquelle ermöglichen ließ, eine Anzahl von Quarzitblöcken (Findlinge) verschiedener Größe in ziemlich regelmäßigen Abständen zu einem doppelten Kreis zusammengelegt der 20-25 Schritt Durchmesser haben könnte. Diagonal durch die so abgegrenzte Fläche hindurch eine doppelte Reihe weiterer Quarzblöcke wie die Abzweigung eines Weges. In einem dieser 3 Steinkreise sollen vor langen Jahren beim Baumroden Urnenreste
zum Vorschein gekommen sein. Etwas gleichartiges habe ich bisher in unserem Bezirk nicht gesehen.

Auch wenn heute nahezu alle Spuren aus der vorgeschichtlichen Zeit verwischt sind, ist dieser Bericht doch in Zusammenhang mit dem Hinkelstein vom benachbarten Heidenburg, einem etwa 3000 Jahre altem Menhir, der ebenso wie Steinkreise zu den megalithischen Denkmälern zählt, zu sehen. Alle Anzeichen deuten auf eine Besiedlung des Trittenheimer Waldes schon im Neolithikum hin, die sich dann in römischer Zeit fortsetzte.
Bei einer Besichtigung des Quellbereiches des Lierensbaches fallen tatsächlich eine sehr große Anzahl von umherliegenden Quarzitblöcken auf. Sie liegen zum Teil sehr dicht beieinander, aber doch in keinerlei Weise geordnet. Auch dem zuständigen Revierförster ist eine besondere Anordnung in Form von Kreisen nicht bekannt. Heute ist der Waldstreifen rund um die Fundstellen sehr stark durch neu angelegte Holzabfuhrwege verändert. Ich glaube deshalb nicht, dass man noch irgendwelche neuen Spuren aus der Vergangenheit findet.

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Fundstellen
Zeit:
Circa 500 vor Chr. bis circa 500 nach Chr.
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.941082
lat: 49.809154
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Im Zabicht

Internet
http://www.trittenheim.de/

Datenquellen
© Marlene Bollig, Trittenheim, 2003 www.trittenheim.de/marlenebollig


Stand
Letzte Bearbeitung: 15.01.2003
Interne ID: 6447
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6447
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