Der Spitze Stein

Hinterweiler, Gemeinde Hinterweiler
Beschreibung
An der Ostseite des Weges, der von der Straße von Betteldorf nach Dockweiler rechts abzweigt und über die Tuffe des 633,3 Meter hohen Hangelsberges nach Waldkönigen führt, erhebt sich der weithin in der Umgebung bekannte Spitze Stein, auf der Höhenlinie 615 des genannten Berges.

Der Spitze Stein ist ein Basaltlavablock von 0,80 Meter Höhe, 1,25 Meter Länge und 0,50 Meter Breite. Er unterscheidet sich kaum von den übrigen umherliegenden Blöcken, wurde aber in das Naturdenkmalbuch des Kreises Daun eingetragen und dadurch unter den Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes gestellt. Veranlassung zur Unterschutzstellung war nicht die Größe und Form des Steines, an dem Menschenhand durch anscheinend mutwillige Zerstörung teilweise die Spitze beseitigte, sondern seine geschichtliche Bedeutung. Wahrscheinlich trat der Stein früher mehr in Erscheinung als heute. Durch das Umpflügen der nächsten Umgebung wurde der untere Teil des Steines mit Ackerkrume bedeckt. Der Spitze Stein bezeichnete bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts den Mittelpunkt des Kreises. Hier sammelten sich bis zur genannten Zeit die ausgemusterten jungen Männer des ganzen Kreises und wurden von dort aus unter militärischer Begleitung zu den Garnisonorten gebracht. Die Wahl des Steines als Sammelort läßt darauf schließen, daß er schon in alter Zeit eine Bedeutung 'hatte. Ob er heiliger Grenzstein oder Kultstätte war, ließe sich nur durch Funde nachweisen. Funde sind aber noch nicht in seiner Umgebung gemacht worden. Über den Stein und die ihn umgebende Landschaft gehen in den umliegenden Dörfern sagenhafte Erzählungen um. Die Sage erzählt, daß es beim Spitzen Stein nicht geheuer sei.

Waldkönigen, das heute als ein Dorf gilt, dessenihr zum Leben notwendiges Einkommen haben, war vor100 Jahren noch ein armes Dorf. Es fehlte an den nötigen Äckern und Wiesen, und die Männer waren gezwungen, in den umliegenden Dörfern ihr Brot zu verdienen. Frauen und Kinder erbaten sich bei den Bewohnern der umliegenden Orte milde Gaben. Oft wurde es spät, wenn sie auf dem Heimweg am Spitzen Stein vorüberkamen. Angsterfüllt näherten sie sich dem Stein. Einige wollten den weißen Schimmel vorüberjagend gesehen haben, andere sprachen von Spukgestalten, die ihnen den Weg versperrten oder ihnen entgegenkamen. Stimmen in der Luft, Gepolter und Geheul wollen andere gehört haben. Das schaurigste Erlebnis hatte ein Betteldorfer, der spät in der Nacht von Steinborn am Stein vorbeikam. Ihm erschien zwischen Steinborn und Hinterweiler eine mächtige, leuchtende Kugel, die ihn begleitete und ihn erst bei dem Kreuz bei Hinterweiler verließ. Zum Schrecken des späten Wanderers kam ihm die Kugel auf dem Hangelberg wieder entgegen. In heilloser Angst lief er, so schnell er konnte, nach Betteldorf zu. Die Kugel verfolgte den Fliehenden und verließ ihn erst, als er im Tale angelangt war. Er gelobte, niemals mehr in der Nacht am Spitzen Stein vorbeizugehen und machte große Umwege, wenn er zu später Stunde von Waldkönigen kam.

Auch einen Schwank erzählt man sich vom Spitzen Stein. Ein Bewohner eines umliegenden Dorfes schuldete einem Schäfer eine Geldsumme. Alle Bemühungen des Schäfers, zu seinem Gelde zu kommen, blieben erfolglos. Da kam der Gläubiger auf folgenden Einfall, Weil er wußte, daß sein Schuldner am späten Abend am Spitzen Stein vorbei mußte, schob er seinen Schäferkarren, in dem er übernachtete, in die Nähe des Steines und erwartete, auf dem Karren liegend, den Schuldner. Als dieser in die Nähe kam richtete sich der Schäfer auf seinem Karren plötzlich auf und rief ihm mit überlauter, verstellter Stimme zu, daß er dem Schäfer seine Schulden bezahlen müsse. Ob der Schäfer auf diesen Versuch hin sein Geld bekam, ist nicht überliefert. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Steinmale, Menhire /
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.765986
lat: 50.240535
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Hangelberg

Internet
http://www.hinterweiler.de/

Datenquellen
[1] Peter Joseph Busch: Naturdenkmale-Ein Heimatbuch des Trierer Raumes. Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen. 1952.

Bildquellen
Bild 1: © Peter Joseph Busch: Naturdenkmale-Ein Heimatbuch des Trierer Raumes, 1952.

Stand
Letzte Bearbeitung: 20.04.2004
Interne ID: 6686
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6686
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