Bruchhausenstraße, Ritterstraße, Suck

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Bruchhausenstraße

Beschreibung
Die Straße beginnt am Pferdemarkt und geht in nordöstlicher Richtung auf die Mosel zu und endet nach 200 Metern an der Kreuzung mit der Franz-Ludwig-Straße.

Gehen wir in der Geschichte rückwärts, hat die heutige Bruchhausenstraße ihren Namen seit 1927. Sie wurde nach Albert von Bruchhausen benannt. Er ist am 21.4.1859 in Oelde / Nordrhein-Westfalen geboren. Er war Gerichtsassessor und preußischer Politiker. Nach Bürgermeistertätigkeit in Recklinghausen wurde er von 1904 bis 1927 Oberbürgermeister von Trier. Wegen seiner Verdienste um die Stadt wurde er noch zu seinen Lebzeiten (gestorben 1948 in Buchheim / Baden-Württemberg) zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und die Ritterstraße in Bruchhausenstraße umbenannt. [1]

Seit etwa 1900 hieß sie Ritterstraße, weil sie durch die Ländereien des ehemaligen Ritterordens der Deutschherren führte, die ihren Hof in der nebenliegenden Deutschherrenstraße hatte. Durch Napoleon enteignet und den Hospitien zugeschlagen, gehörten sie noch Mitte des 19. Jahrhunderts dem Bürgerhospital der vereinigten Hospitien.

Im Stadtplan von 1927 [Bild 2] ist die Straße als Ritterstraße bezeichnet, der Wassergraben ist verschwunden und die Straße rechts und links bebaut.

In der Nähe des Pferdemarktes (früher Staffelgasse) ist seit dem 12 Jahrhundert ein Wasserlauf bezeugt "Apud stafele versus apam" (Staffele in der Nähe des Wassers).[2]

1460 geht vom Pferdemarkt eine Gasse "Spülbach" genannt in Richtung Stadtmauer. Sie wurde später als "Sug, Suck" oder "Suech" bezeichnet. und gab das Wasser in den Stadtgraben ab.[3]

In diesen Spülbach floss noch bis 1900 (Trier bekam erst eine Kanalisation zwischen 1899 und 1906) das Oberflächenwasser aus einer ganzen Anzahl Straßen um den Pferdemarkt zusammen, ohne einen schnellen Ablauf zu haben. Bei jedem Gewitter war ein großer Platzteil überschwemmt, ein Sumpf blieb zurück, [3] bis, wegen des äußerst geringen Gefälles, das Wasser sich langsam in den Stadtgraben entleerte. Der Pferdemarkt liegt auf einer Höhe von 131,25 m über NN. Diese Höhe blieb bis zur Mosel. Deshalb floss das Wasser langsam durch den Stadtgraben der Martinsmühle zu, umfloss beidseitig die Abtei als natürliche Barriere, um dann in die Mosel zu laufen. Da mit dem Oberflächenwasser auch die Abwässer aus den nichtkanalisierten Straßen abfloss, war das besonders im Sommer eine stinkige Angelegenheit. Es verwundert deshalb nicht, dass der Weg entlang des Grabens jahrhundertlang nicht bebaut war.

Im Stadtplan von 1832 [Bild 3], ist die Straße noch gänzlich unbebaut und wird mit Suckgasse bezeichnet. 1898 sind die Verhältnisse genauso.
Nach der Kanalisierung um 1900 begann eine rege Bautätigkeit in der Straße. Davon zeugen heute noch viele Häuser, die zwischen 1904 und 1905 gebaut worden sind. Meistens sind es dreigeschossige Mietshäuser im Neogotischen bzw. Neorenaissance – Stil. [4]

Text zusammengestellt von Jürgen Bier, Trier, 2022.

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Straßennamen
Zeit:
1927 [Benennung]
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.638614
lat: 49.760563
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Mitte/Gartenfeld

Datenquellen
[1] Seite „Albert von Bruchhausen“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. Februar 2022, 10:46 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Albert_von_Bruchhausen&oldid=220185751 (Abgerufen: 23. Juni 2022, 14:31 UTC)
[2] Trierische Chronik NFII 1905/6
[3] Zweitausend Jahre Stadtentwicklung Trier, Baudezernat Trier, 1984.
[4] Jürgen Bier, Trier, 2022.

Bildquellen
Bild 1: Von Autor/-in unbekannt - http://www.tripota.uni-trier.de/single_picture.php?signatur=121_trierP_0138, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17428036
Bild 2: Sammlung Jürgen Bier, Trier, 2022.
Bild 3: Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1832 (Genehmigung durch das Stadtarchiv Trier). Sammlung Jürgen Bier, Trier, 2022.

Stand
Letzte Bearbeitung: 26.06.2022
Interne ID: 6723
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6723
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