Schutzalf

Mückeln, Gemeinde Mückeln
Beschreibung
Schutzalf - ein verschwundener Ort

Vor hundert Jahren starb der letzte von Schutzalf
Wenn man von Strohn bei Gillenfeld durch die romantische Strohner Schweiz, vorbei am Sprinkerhof, dem Alfbach flußabwärts folgend, ungefähr eine halbe Stunde gewandert ist, kommt man nach Schutzalf, oder wie man im Volksmund sagt: Auf Schutzalf. Hier stand früher das Dörfchen, der Hof Schutzalf mit vier Häusern und einer Kapelle mit Bruderwohnung, wovon heute nichts mehr zu sehen ist, außer zwei schweren, vierkantigen Steinen, die in der Schutzalfer Kapelle als Altarsteine dienten. Die ebenfalls noch vorhandenen Fundamente der Häuser sind vom Wiesengrund überlagert. Die Kapelle war eine Wallfahrtskapelle. In derselben wurde nach mündlicher Überlieferung eine Kreuzpartikel aufbewahrt. Die Wallfahrer kamen daher auch hauptsächlich in der Fastenzeit nach dort. Schutzalf gehörte zur Gemeinde und Pfarrei Strohn. Der Name Schutzalf stammt wohl daher, weil der Ort im Schutze des Alftales lag. Das Gelände, direkt am Alfbach gelegen, circa fünf Minuten oberhalb der Sprinker Mühle, ist heute alles Wiese und Weide. Die alten Altarsteine liegen gut sichtbar auf einer Wiese, die sich jetzt im Besitz eines Mückeiner Bürgers befindet.

1813 beim Rückmarsch aus Rußland zerstörten die Franzosen Schutzalf, aber es wurde sogleich wieder aufgebaut. Einen in der Nähe gelegenen Weiher zerstörten sie ebenfalls, um besser an die Fische zu kommen, um ihren Hunger zu stillen. Der Staudamm des Weihers ist heute noch zu erkennen. Die örtliche Flurbezeichnung heißt heute noch Am Klosterweiher.

Ein Ahne namens Johann Adam Becker war Schullehrer in Schutzalf. Derselbe war geboren am 17. September 1770 in Oberöfflingen und starb am 20. Januar 1824 in Schutzalf. Es ist wohl etwas erstaunlich, daß damals bereits in dem kleinen Ort Schutzalf eine Schule bestand. Dieselbe diente jedoch als solche für die Orte Schutzalf, Mückeln, die Höfe Trautzberg und Sprink, sowie für die Sprinker Mühle. Schutzalf war hier Mittelpunkt. Da zu dieser Zeit der Schulunterricht öfters in Privathäusern oder auch in der Kirche abgehalten wurde, ist anzunehmen, daß der Unterricht in der genannten Kapelle stattfand, da ein besonderes Schulhaus nicht erwähnt ist.

Obwohl angenommen wurde, daß Schutzalf von einer Seuche heimgesucht worden sei und die Bewohner deshalb den Ort zum Teil verließen ist glaubhaft mündlich überliefert und zwar von einem Onkel von uns vom Sprinker Hof, der sich als Junge selbst an den Löscharbeiten beteiligte, daß eine Feuersbrunst mehrere Häuser einäscherte. Letztere wurden dann nicht wieder aufgebaut, sondern die Bewohner verließen den Ort und zogen teilweise nach Mückeln, nahe Schutzalf, westlich auf dem Berge gelegen, deren Familien heute noch existieren. Andere zogen nach Trautzberg und Strohn.

Meine Nachforschungen über Schutzalf ergaben, daß im Jahre 1882 wohl der letzte Einwohner von Schutzalf starb. Die Sterbe-Urkunde dieses letzten Einwohners im Sterbe-Register der Bürgermeisterei Gillenfeld (jetzt Verbands-gemeinde Daun) hat folgenden Wortlaut:

1882 - Register Nr. 40: Gillenfeld den 19. Mai 1882. Es erscheint Peter Neumann, Tageslöhner, wohnhaft in Mük-keln, und zeigt an, daß der Josef Ternes, Tageslöhner, Witwer 1. Ehe von Anna Maria Hort und Ehemann 2. Ehe von Anna Maria Hammes, 69 Jahre alt, kathol. Religion, wohnhaft zu Schutzalf, Gemeinde Strohn, geboren zu Ellscheid, Sohn der verlebten Eltern Johann Ternes und Christine Pantenburg, beide wohnhaft zuletzt in Ellscheid, zu Schutzalf am 19. Mai 1882 morgens 6.00 Uhr verstorben sei. Deklarant erklärte, aus eigener Wissenschaft über den Sterbefall unterrichtet zu sein.

V.g. gez. Peter Neumann gez. David, Bürgermeister.

Die Ehefrau des Josef Ternes starb zehn Jahre später. Sie heiratete nach dem Tode des Josef Ternes, den Ackerer Johann Hammes aus Strohn. Deren Sterbe-Urkunde lautet wie folgt:

1892 - Register Nr. 64: Gillenfeld den 6. September 1892. Es erscheint der Ak-kerer Johann Hammes, wohnhaft zu Strohn und zeigt an, daß seine Ehefrau Anna Maria Hammes, geborene Hammes, 55 Jahre und acht Monate alt, kathol. Religion, geboren zu Alflen, wohnhaft zu Strohn, Witwe erster Ehe von dem zu Schutzalf, Gemeinde Strohn, verstorbenen Dachdecker Josef Ternes, verstorben sei.

gez. Unterschriften.

Der Schullehrer Johann Adam Becker und Ehefrau Anna Maria Thullen kamen wohl um die Jahrhundertwende des 18./19. Jahrhunderts. aus Oberöfflingen nach Schutzalf. Deren Tochter Margaretha,-unsere Urgroßmutter väterlicherseits, -wurde noch in Oberöfflingen geboren und zwar am 27.3.1798, während ihr Bruder Hubert am 14. 5.1808 in Schutzalf geboren wurde.

Hubert Becker war verheiratet mit Johannetta geb. Öffling, die aus Eckfeld stammte. Im Sterbeakt derselben aus dem Sterbe-Register der Pfarrei Strohn heißt es: Johanna Öffling aus Eckfeld, verstorben am 4. 9. 1866 in Schutzalf, 54 Jahre alt, Ehefrau von Hubert Becker, geb. 1808 in Schutzalf.

In vorstehendem Sterbeakt der Pfarrei Strohn ist das Wort ermordet mit Bleistift nachgetragen. Johanna Becker geb. Öffling wurde tatsächlich ermordet und berichtete mir Nikolaus Steffes aus Mückeln (jetzt wohnhaft in Wesseling-Berzdorf), ein Nachkomme dieser Eheleute Becker, darüber folgendes: Die Eheleute Hubert und Johanna Becker besaßen unmittelbar bei ihrem Haus zum Alfbach zu eine größere Korbweidenanlage. Im Nachbardorf Strohn erschien eines Tages ein fremder Korbflechter und traf sich dort mit einem Mann aus Strohn in einer Gaststätte, der nicht gerade den besten Leumund hatte. Beide zechten bis in die Nacht hinein. Der Fremde zahlte die Zeche, wofür ihm sein Kumpan aus Strohn gute Korbweiden besorgen sollte. Letzterer wußte um die große Weidenanlage der Becker's auf Schutzalf und machten beide sich in der Nacht auf den Weg dorthin.

Johanna Becker hörte dann nachts plötzlich Geräusche in der Weidenanlage. Schnell weckte sie ihren Mann und sagte: Steh schnell auf, es ist jemand in unsern Weiden! Sie war keine ängstliche Frau und lief mit in die Weidenanlage und rief: Was wollt ihr Spitzbuben hier?, worauf der fremde Korbmacher, der hinter einem dichten Weidenstrauch verdeckt stand, mit einem scharfen Messer zustach und die Frau schwerverletzte, noch ehe ihr Mann ihr zu Hilfe eilen konnte. Sie starb drei Tage später. Der Korbmacher wurde gefaßt, verhaftet und später zu lebenslängl. Zuchthaus veRuhrteilt. Sicherlich stellte der Täter am Gericht das grausame Geschehen so dar, daß er nicht die Absicht gehabt hätte, die Frau zu töten, sonst hätte er damals wohl zum Tode veRuhrteilt werden müssen.

Meine weiteren Nachforschungen beim Bischöflichen Archiv und beim Stadtarchiv in Trier ergaben, daß Schutzalf im Jahre 1846 21 Einwohner halt (11 männl.und10 weibl., alle Katholiken, Pfarrei Strohn). Im Jahre 1860 zählte es sieben Einwohner, 1866 acht und 1869 noch fünf Einwohner. Nach 1882 ist Schutzalf nicht mehr erwähnt.

Die Gemeinde Mückeln hat bei Aufgabe des Ortes Schutzalf mehrere Einzelteile aus der dortigen Wallfahrtskapelle angesteigert, die sich heute noch teilweise im Besitz der Filialkirche befinden. Einige Stücke, wie kleine Heiligenfiguren, befinden sich auch in Privatbesitz. Die Glocke aus dieser Kapelle wurde ebenfalls von der Gemeinde Mückeln angesteigert. Sie befindet sich heute noch in der neuen Kirche daselbst. Sebastian Steffes, dessen Lieblingsbeschäftigung Heimatforschung war, berichtet darüber aus sicherer Quelle, daß die Glocke an Ort und Stelle, also in Schutzalf gegossen worden sei. Da ich dies jedoch bezweifelte, wandte ich mich an die Glockengießer Mark in Brockscheid. Senior wie junior Mark bestätigten mir dann, daß dies der Fall sei, da die Glockengießerfrüher zu dieser Zeit, wie auch andere Handwerkszweige, Wandergewerbe gewesen sei.

Diese Glocke also war zunächst in der alten Filialkapelle in Mückeln. Wie so viele andere, wurde auch diese Glocke im Weltkrieg 1939/45 eingezogen, zum Einschmelzen, um Kriegsmaterial daraus herzustellen. Sie kam zu einem Sammellager bei Hamburg. Die Glocke wurde jedoch nicht eingeschmolzen. Das ist dem Umstand zu verdanken, daß ein Mückeiner Bürger namens Josef Becker, ebenfalls ein Nachkomme der Schutzalfer Becker' s, ihre Herkunft auf die Glocke geschrieben hatte, nämlich: Mükkeln, Kreis Daun. So gelangte die Glocke wieder in ihre alte Heimat zurück. Sie befindet sich jetzt in der in den Jahren 1952/53 in Mückeln neu erbauten Kirche und ruft heute noch, wie ehedem in Schutzalf, die Gläubigen zum Gottesdienst.

In De Lorenzi: Pfarreien, Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier, l, Reg.-Bez. Trier 1887, ist ebenfalls bestätigt, daß die Glocke aus der Kapelle in Schutzalf stammt., eine weitere Bestätigung über den Ort Schutzalf gibt Wackenroder in Kulturdenkmäler des Reg.-Bezirks Trier.

Die Pfarrei Wollmerath, Kreis Cochem, ist eine der ältesten der Diözese Trier. In ihrer Chronik Seite 93 berichtet sie unter der Überschrift: Die Kapellen der ehemaligen Pfarreien wie folgt: In den Dörfern Filz, Demerath, Immerath, Strohn und Schutzalf standen schon früh Kapellen. Die frühesten Kapellen stammen wahrscheinlich aus dem 14. Jhdt.

Zu Schutzalf, nahe bei Strohn, stand 1545 eine Kapelle, die nun nicht mehr besteht. Eine Urkunde von 1706 enthält über sie folgendes: Auf der Kirchthüre zu Schutzalf ist diese Zahl 1545. Binnet der Kirche auf einem Schränklein in dem Chor ist diese Zahl 1557. Was solche Jahreszahlen bedeuten ist mir unwissend, ob sie bedeuten die erste Bebauung solcher Kapellen oder eine Reparatur, oder eine inwendige Weiße, (Anstrich). 1737 wohnte Bruder Peter als Kleusner und Eremit zu Schutzalf.

Bis zur Säkularisation durch Napoleon 1795 -1805 gehörte Schutzalf zum Besitze des Klosters Springiersbach bei Bengel, ebenso die Sprinker Mühle, die in Erbpacht gegeben war, sowie die Höfe Sprink und Trautzberg. Außerdem besaß das Kloster weitere Grundstücke in Strohn, (Struna,) Scheidweiler, (Sadewilre,) und Immerath (Ymgenrait). Das Wappen von Springiersbach ist heute noch auf dem Hofhaus in Sprink zu sehen. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Wüstungen
Zeit:
1545 bis 1892
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.939367
lat: 50.094674
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Schutzalf

Internet
http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1982/hjb1982.36.htm

Datenquellen
[1] Anton Sartoris: Schutzalf — ein verschwundener Ort. Jahrbuch Kreis Daun 1982. http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1982/hjb1982.36.htm
[2] Tranchot-Karte 1810-1811

Bildquellen
Bild 1: © Stefan Lehnertz, Eckfeld, 2015.

Stand
Letzte Bearbeitung: 26.04.2015
Interne ID: 6910
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6910
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