Kaiserlinde mit Gedenkstein

Hünerbach, Gemeinde Kelberg Zum Ring

Beschreibung
Stein fiel dem Straßenbau der Kreisstraße 89 nach Reimerath zum Opfer (verschollen), Linde steht noch neben der neuen Straße, gegenüber dem Lagerplatz der Straßenmeisterei.

Erich Mertes: 70 Jahre Kaiserlinde

In vielen Dörfern der Zentraleifel befindet sich ein grob behauener Basaltstein mit den Jahreszahlen 1813 und 1913. Daneben steht (oder stand) ein Lindenbaum: Die Kaiserlinde.

Es war im Jahre 1913, man feierte im Deutschen Reich den 100jährigen Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig. Man hielt Festreden, errichtete Gedenksteine, prägte Sondermünzen — und pflanzte Bäume. Es war die Jahrhundertfeier der Befreiungskriege.

Für Preußen war das Jahr 1813 in der Tat ein entscheidendes Jahr gewesen, denn mit ihm begann sein Wiederaufstieg zur Großmacht, die schließlich im Kaisertum gipfelte. Ein Jahr vor der Völkerschlacht, 1812, war Napoleon mit seiner Grande Armee (Große Armee) von über 600 000 Mann in Rußland eingefallen. Ein Drittel dieser Armee waren Deutsche. Preußen stellte ein Hilfskorps von 20 000 Mann, die Rheinbundstaaten waren mit Truppenkontingenten beteiligt, u.a. Bayern mit 30 000 Mann und Sachsen mit etwa 25 000, ferner die linksrheinischen Gebiete, welche seit der Jahrhundertwende zu Frankreich gehörten. Schließlich war noch Österreich mit einem Hilfskorps von 30000 Mann beteiligt, von den Truppen anderer Nationen abgesehen. Es war das angeblich größte Heer, das bis dahin in einen Krieg geschickt wurde.

Der Feldzug endete in einer Katastrophe. Von der Großen Armee kam nur etwa jeder zwanzigste Soldat aus Rußland zurück, also circa 5 Prozent. Heute drängen sich einem dabei unwillkürlich Vergleiche mit dem Hitlerfeldzug gegen Rußland und der Schlacht von Stalingrad auf.

An dieser Katastrophe entzündeten sich 1813 der nationale Widerstand und die Befreiungskriege gegen Napoleon. General Yorck (von Wartenburg), der das preußische Hilfskorps unter Napoleon leitete, schloß im Dezember 1812 einen Neutralitätsvertrag mit den Russen (Konvention von Tauroggen), ohne Wissen und gegen den Willen des Preußenkönigs, der sie für ungültig erklären ließ, den General Yorck absetzte und ein Verfahren gegen ihn anordnete. Aber die allgemeine Volksbewegung zwang den Monarchen, wider seine allergnädigste Meinung, sich an die Spitze der patriotischen Bewegung zu stellen. Am 28. 2. 1813 schließt Preußen mit Rußland ein Militärbündnis (Vertrag von Kaiisch). Daraufhin rücken am 4.3. russische Truppen in Berlin ein, das am selben Tag von den Franzosen geräumt worden war. Am 10.3.1813 wird das Eiserne Kreuz gestiftet, am 15. 3. erfolgt die Kriegserklärung Preußens an Frankreich, und am 17. 3. erläßt der König den Aufruf An mein Volk.

Aber Napoleon war noch nicht besiegt. Es war ihm gelungen, innerhalb weniger Monate nach dem Fiasko des Rußlandfeldzuges eine neue Armee aufzustellen. Bereits im April stand er mit den neuen Kräften in Mitteldeutschland. Die Kämpfe des Frühjahrsfeldzuges brachten jedoch keine Entscheidung und führten am 4. 6. 1813 zu einem 6wöchigen Waffenstillstand, der sich als ein schwerer Fehler Napoleons erweisen sollte. Denn während dieser Zeit gelang es, Österreich, wie schon zuvor Schweden und England, für die Koalition gegen Napoleon zu gewinnen. Am 11.8.1813 erfolgte die Kriegserklärung Österreichs an Napoleon. Am 8.10. trat Bayern aus dem Rheinbund aus und schloß sich ebenfalls der Koalition an.

Bei Leipzig begann am 16. Oktober 1813 die dreitägige Völkerschlacht.

Die Armee Napoleons war von drei Armeen der Verbündeten im weiten Halbkreis umzingelt: 1. die Nordarmee unter Führung des schwedischen Kronprinzen Bernadotte, einst Marschall unter Napoleon, 1810 vom schwedischen Reichstag zum Thronfolger gewählt und späterer König Karl XIV. Johann von Schweden und Norwegen; 2. die schlesische Armee unter dem siebzigjährigen preußischen General Fürst Blücher (Marschall Vorwärts), bestehend aus 66 500 Russen und 38 000 Preußen, und 3. die Hauptarmee unter dem österreichischen Fürsten Schwarzenberg. Während der Schlacht gehen die in der französischen Armee eingesetzten württembergischen und sächsischen Truppen zu den Verbündeten über. Am 19. Oktober 1813 erstürmen die Verbündeten Leipzig, der König von Sachsen wird gefangengenommen.

Napoleon konnte mit einem Teil seiner Armee zwar nach Westen über den Rhein entkommen, aber seine Herrschaft über Deutschland war besiegelt. Der Rheinbund löste sich auf, seine restlichen Staaten schlössen sich der Koalition gegen Napoleon an.

In der Neujahrsnacht 1813/14 überschreitet die schlesische Armee unter Blücher den Rhein bei Kaub, Koblenz und Mannheim. Blücher selbst ist in Kaub anwesend, dort erinnert ein Blücherdenkmal und Blüchermuseum an diese historische Tat. 1814 werden die linksrheinischen Gebiete befreit, am 31. März ziehen die Verbündeten in Paris ein. Napoleon muß abdanken und erhält die Insel Elba als Fürstentum. Von dort kehrt er jedoch 1815 zurück und erobert nochmal die Macht in Frankreich (Herrschaft der 100 Tage), während in Wien (Wiener Kongreß) die europäischen Verhältnisse nach altem Muster neu geordnet wurden. Preußen erhieltunda. die Rheinprovinz, zu der auch unser Eifelkreis gehörte. Napoleon aber wurde in der Schlacht bei Waterloo (15 Kilometer südlich Brüssel) endgültig geschlagen und auf die Atlantik-Insel Sankt Helena verbannt, wo er 1821 als Gefangener starb.

Die Eifel war in die Ereignisse jener Zeit voll einbezogen. Sie gehörte de facto von 1794 -1814 zu Frankreich, also rund 20 Jahre. Der Bürgermeister Metten von Kelberg (1814 - 1838) berichtet in seiner Chronik: Am 10. Okt. 1794 lagerte ein Korps von Berenbach-Utzerath. An anderer Stelle schildert er nochmal, daß 10000 Mann frz.-republikanischer Truppen in hiesiger Gegend lagerten, ohne zu sagen, ob es sich um das gleiche Korps handelt. Aus demselben Jahr berichtet Metten weiter: … (der) Höchstberg in Pochten, um welchen herum die im Jahre 1794 retirierende (= sich zurückziehende) kaiserlich-österreichische Armee gelagert und große Degradationen (= Kahlschläge) in den umliegenden Waldungen veRuhrsacht hat. Die Chronik von Ulmen erwähnt französische Angriffe von Darscheid aus über Schönbach, Ulmen, Pochten nach Martental. Auf dem Höchstberg findet man heute noch umfangreiche Verschanzungen von 1794 (s. Trierer Zeitschrift 1980/81, S. 429, Lirstal 1 und 3).

Die Rückeroberung unserer Gegend erfolgte durch die schlesische Armee, die bekanntlich aus preußischen und russischen Truppen bestand. Metten berichtet: Im Jahre 1814, vom 4. bis Ende Mai, passierte durch Kelberg ein kaiserlich-russisches Korps von etwa 40 000 Mann aus Frankreich zur Heimat. Am 7. Mai 1815 lagerte sich vor Kelberg ein königlich-preußisches Korps von etwa 10 000 Mann, welches seinen Marsch gegen Frankreich fortsetzte. Eine Abbildung russischer Soldaten vor Aachen, 1814, wird im Eifelvereinsblatt 1915,5.91 wiedergegeben. Auch ein Münzfund in Bereborn dokumentiert jene Zeit: Um 1955 fand Josef Faßbender beim Umbau einer Scheunenmauer einen Krug mit 11 Silbermünzen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, darunter Kronentaler der Kaiser Joseph II., Leopold II., Franz II. und der frz. Könige Ludwig XV. und Ludwig XVI. sowie ein prägefrisches 5-Francs-Stück Napoleons l. aus dem Jahre 1811 (s. Trierer Zeitschrift 1980/81, S. 410).

Unter Napoleon legte man Wert darauf, wie auch unter anderen Potentaten vor und nach ihm, historische Ereignisse durch Denkmäler zu manifestieren. Ein merkwürdiges Denkmal aus dieser Zeit steht in Koblenz vor der Kastorkirche: der Kastorbrunnen. Er wurde im Jahre 1812 zur Erinnerung an den Feldzug Napoleons gegen Rußland errichtet. Die französische Inschrift lautet: Im Jahre 1812 — zur Erinnerung an den Feldzug gegen die Russen . . .. Als nun nach der Niederlage Napoleons russische Truppen Koblenz besetzten, ließ der neue Stadtkommandant das Denkmal nicht zerstören, sondern vernichtete es durch Ironie, indem er in bestem Verwaltungsfranzösisch hinzusetzen ließ: gesehen und genehmigt von uns, russischem Stadtkommandanten von Koblenz, am 1. Januar 1814.

Hundert Jahre später, unter dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II., feierte man 1913 das Jubiläum all jener Ereignisse und Siege. Alte Leute können sich aus ihrer Jugend noch an die Einweihung der Gedenksteine und das Pflanzen der Kaiserlinde erinnern (Jahrgänge 1905undälter). Schulklassen versammelten sich am Tag der Feier, Kinder sagten Gedichte auf und sangen Lieder von König, Kaiser und Vaterland, während der junge Pflänzling mit bunten seidenen Bändchen geschmückt in die Erde gepflanzt wurde.

Auf eine künstlerische Gestaltung des Gedenksteins hat man offensichtlich keinen Wert gelegt. Es ist eine grobe Steinmetz-Arbeit. Der rauh behauene Stein ist oben leicht gewölbt und etwa 40 Zentimeter breit, 20 Zentimeter dick und 80 Zentimeter hoch, wobei ursprünglich die halbe Höhe aus der Erde ragte. Die Zahlenhöhe beträgt 10 cm.

Die Kaiserlinde mit Gedenkstein wurde in den nachfolgenden Orten des Kreises Daun ausfindig gemacht. Bei der Untersuchung hatte ich die Unterstützung der Bürgermeister in den 5 Verbandsgemeinden, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Es fällt auf, daß alle Dörfer mit Kaiserlinde und Gedenkstein zu dem ehemaligen Kreis Adenau gehörten. Ein Kaiserstein und Kaiserbaum der freundlicherweise von Herrn Roland Thelen, Mehren, aus der dortigen Gemarkung gemeldet wurde, hat einen anderen Ursprung.

Orte mit Kaiserlinde und Gedenkstein 1813/1913 im Kreis Daun:
Arbach, Standort: Schulstraße, bei der alten Schule; Bereborn, Standort: Ortsmitte, im spitzen Winkel der alten Wegegabel zur Kelberger Straße; Berenbach, Standort: Ortsmitte an der Landstraße L101, gegenüber dem Hof Nikolaus Daniels; Bodenbach, Standort: neben der Kirche; Bongard, Baum und Stein verschollen, ehemaliger Standort: im Ort, am heutigen Gemeindeschuppen; Borler, Baum und Stein fielen Mitte der 50er Jahre dem Straßenbau zum Opfer, ehem. Standort: Ortsmitte, unweit der Kapelle; Brücktal, Standort: Ortsmitte, am alten Dorfbrunnen; Gelenberg, Standort: vor der Kapelle; Gunderath, Baum verschollen, Stein mußte dem Straßenbau zum Feriendorf Heilbachsee weichen, zur Zeit in Obhut von Bürgermeister Steffens, soll wieder mit neuer Linde in die Nähe des alten Standortes gesetzt werden; Höchstberg, Standort: im Ort an der Kreisstraße 95, beim Kinderspielplatz vor der alten Schule; Horperath, Baum und Stein fielen um 1940 dem Straßenbau zum Opfer (verschollen), alter Standort: Nähe der Ortskreuzung, an der Landstraße Landesstraße 91 Richtung Sassen; Hünerbach, Stein fiel dem Straßenbau der Kreisstraße 89 nach Reimerath zum Opfer (verschollen), Linde steht noch neben der neuen Straße, gegenüber dem Lagerplatz der Straßenmeisterei; Kaperich, Standort: vor der Kapelle, Linde steht noch, während der Stein seit dem Neubau der Kapelle 1965 verschollen ist; Kelberg, Standort: auf dem alten Marktplatz, wenige Meter neben dem Springbrunnen; Kirsbach, Baum und Stein fielen dem Straßenbau der 50er Jahre zum Opfer (verschollen), ehemaliger Standort: im Ort, am alten oberen Dorfbrunnen; Köttelbach, Standort: an der Kapelle, am Stein ist die obere rechte Ecke abgebrochen, nur noch 18 .. Vorhanden; Kötterichen, Standort: im Ort an der Kreisstraße 94, neben dem Kinder Spielplatz an der Bushaltestelle; Kolverath, Linde verschollen, Stein steht seit einigen Jahren auf dem Hof von Hans Falkenstein (früher Nikolaus Simon) neben der Hofmauer an der Hauptstraße, ehemaliger Standort: gegenüber auf dem ursprünglichen Gemeindeplatz, Ecke Hauptstraße / Gartenstraße; Lirstal, Standort: Ecke Landstraße 96 / Wiesenstraße, Stein ist in Parkstreifen eingeteert und nicht mehr sichtbar, soll aber, nach Bürgermeister Schmilz, wieder gehoben werden; Mannebach, Standort: rechts neben der Einfahrt zur alten Schule; Mosbruch, Standort: im gestreckten Winkel der Landstraßen-Gabelung Landesstraße 96/L 101, gegenüber der Straße nach Uess; Nohn, hier stehen zwei Kaiserlinden, der Gedenkstein stand neben der in Ortsmitte, er fiel dem Vernehmen nach Anfang der 50er Jahre dem Straßenbau zum Opfer (verschollen); Oberelz, Standort: bei der Kapelle, der Stein ist in die Straßenmauer eingebaut; Reimerath, Standort: am Ortseingang aus Richtung Hünerbach, rechts am Hang; Retterath, Standort: im Flürchen, neben der ehemaligen neuen Schule; Rothenbach, Baum und Stein wurden beim Abriß der alten Kapelle 1950 mit entfernt (verschollen), ehemaliger Standort: neben der alten Kapelle, heute Anwesen Maria Lenartz; Sassen, Stein steht heute am Gemeinde-Kühlhaus, ehemaliger Standort: auf dem Forst (op de Fuscht), neben der Straße nach Kolverath, Linde verschollen; Uersfeld, Standort: im südlichen Ortsteil am Mühlenweg, wenige Meter neben dem Straßenschild; Uess, Standort: unterhalb des Dorfes, rechts neben der Straße nach Hörschhausen (L 101). [1]

Einordnung
Kategorie:
Geschichte / Marken und Male / Gedenkpflanzungen
Zeit:
1913
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.946116
lat: 50.293427
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1983/hjb1983.87.htm

Datenquellen
[1] Erich Mertes: 70 Jahre Kaiserlinde in: Heimatjahrbuch Daun 1983 http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb1983/hjb1983.87.htm

Bildquellen
Bild 1: Internet
Bild 2: Lorenz Rugendas: Voelckerschlacht bey Leipzig

Stand
Letzte Bearbeitung: 07.10.2003
Interne ID: 6931
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=6931
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