Starkenburger Herrschaftsmühle

Enkirch, Gemeinde Enkirch
Beschreibung
Südöstlich der Ortslage am Ahringsbach, nördlich der Ahringsmühle: ehemalige Mühle; kleiner Fachwerkbau, teilweise massiv, wohl aus dem 19. Jahrhundert. [1]

Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die heutige Kloningersmühle, die ehemalige Starkenburger Herrschaftsmühle, auch Schloßmühle genannt, die älteste Mühle auf Enkircher Bann ist. Die ältesten Urkunden sind von ihr jedoch nicht erhalten. Als durch den Bau der Grevenburg nach 1350 die Sponheimer Herrschaft die alte Starkenburg verließ, schwand auch das Interesse an jener Argenzmühle (heute Ahringsmühle), und sie ging in die Nutzung der Gemeinde Enkirch über, die 1599 jene Starkenburger Schloßmühle sowie als Gemeindemühle die ehemalige Ravengiersburger Mühle betrieb.

Für beide Mühlen hatte man 17 Malter Korn und 11 Gulden Rädergeld zu zahlen, allerdings gehörte dazu das obere Backhaus. Diese noch später beschriebenen überhöhten Malterabgaben ließen die Gemeinde wiederholt aufstöhnen.

Als nun im Jahre 1600 der Landesfürst Carl von Birkenfeld stirbt, läßt sein Nachfolger Herzog Georg Wilhelm durch die Kastellaunische Rentenkammer die Malterabgaben verdoppeln. Wieder klagt die Gemeinde und erreicht dadurch, daß sie die Ahringsmühle (Schloßmühle) nach gründlicher Überholung der Herrschaft zurückgeben kann. 1605 ist diese Argentz Mühle in notwendig baw gebracht und für den jetzig Burggrafen dem Joachim Birk ausgeliefert worden. Er hatte nur 2 Malter Korn und 6 Gulden Rädergeld zu entrichten.

Die weite Entfernung von Enkirch sowie die denkbar schlechte Straße, die nicht gerade günstig war für die Anlieferung der Frucht, ließen auch jenen Joachim Birk als Schloßmüller nicht froh werden, und als sie wieder einmal ohne Pächter war, verkaufte sie die Herrschaft als Erbbestandsmühle dem Johann Schlemmer von Starkenburg.

Anscheinend wird auch er mit den Abgaben nicht fertig, denn er verkauft 1651 diese halbe Ahringsmühle dem gewesenen Enkircher Gemeindemüller Echternach. Da jedoch die Herrschaft nicht den Kaufschilling erhielt, wie es damals üblich war, wurde der Verkauf ungültig. Schlemmer gelang es nicht, den Erbbestand abzulösen, und so wurde die Mühle 1683 an den Sohn des vorhergehenden verpachtet. Bleibt sie Erbbestandsmühle, dann zahle er jährlich 19 Faß gutes dürres Korn und 8 Moselgulden zu Martini an die Landschreiberei nach Trarbach, oder aber 300 Moselgulden für Erb und Eigen. Schlemmer entschied sich für das letztere. Er zahlte bereits 1684 75 Gulden, also ein Viertel der Summe, in bar und verbürgte für den Rest seine Wiesen und Ländereien sowie 3100 Weinstöcke in Starkenburger Lagen. Nach dem Tode des Schlemmer wurde die Mühle von dessen Witwe im Jahre 1710 an den Müller Leopold Henn, ebenfalls aus Starkenburg, verkauft und ging 1763 an dessen Sohn Leopold Henn über.

Von letzterem erhält sie Johann Wendel Kloninger, unter dessen Leitung sie noch eine fast sagenhafte Entwicklung durchmachte. Das ganze umliegende Land wurde erworben und unter den Pflug genommen. Hier wurde auch Bier gebraut.

Noch heute wird von dem florierenden Leben dieser Zeit erzählt. Plötzlich wurde dieser Wohlstand jäh unterbrochen, als beim großen Wolkenbruch von 1874 der größte Teil der Gebäude weggeschwemmt wurde. Es ging so überraschend schnell, daß die Bewohner mit Knecht und Mägden sich nur gefahrvoll über große Nußbäume in den Abhang retten konnten. Als das Wasser abgelaufen war, lag das ganze Vieh ertrunken im Stall. Ein Trümmerhaufen blieb übrig. Die Mühle wurde nicht wieder aufgebaut. 1920 wurden die Gebäudereste von dem Kunstmaler Heinrich Gesemann erworben und zu einem Atelier umgestaltet. Damit hatte die älteste Mühle ihren Betrieb eingestellt. [2]

Einordnung
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Technische Bauten und Industrieanlagen / Mühlen
Zeit:
19. Jahrhundert
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.144136
lat: 49.968183
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Oben in Arings

Internet
http://www.enkirch-mosel.de/

Datenquellen
[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2011.
[2] Hans-Immich-Spier; Ursprung der Enkircher Mühlen In: Ancharicum - Enkirch - 733 - 1983

Bildquellen
Bild 1: Gemeinde Enkirch (Hg.), 1983. Anchiriacum - Enkirch 733-1983

Stand
Letzte Bearbeitung: 02.08.2011
Interne ID: 7784
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