Ehemalige Eisenhütte Raskop

Hof Raskop, Gemeinde Landscheid
Beschreibung
Grundlage der Eisenhüttenindustrie in der südlichen Eifel ist der vielfach nestartig vorkommende Braun- oder Toneisenstein, eine Anreicherung des Eisens durch Verwitterung (Fe(2) zu Fe(3)) besonders an den Stellen, wo im Untergrund Kalkschichten vorhanden sind.
Das gelöste Eisen wird in Verbindung mit dem Kalk chemisch umgesetzt und in den Oberflächenschichten als Brauneisenstein abgesetzt. Brauneisensteinvorkommen finden sich in der südlichen Eifel im Bereich zwischen Kyll und Salm und westlich der Kyll in einem schmalen Streifen zwischen Welschbillig im Süden und Masholder im Norden.
Schon zur Römerzeit wurden diese Erzvorkommen bergbaulich genutzt, dies beweisen zahlreiche Funde von Schlackenstellen bei Zemmer und Orenhofen.

Auch im Mittelalter wurden diese Vorkommen ausgebeutet und meist an Ort und Stelle in kleineren Hüttenwerken verarbeitet.

Die Eisenhütte Raskopp
befand sich am Kailbach circa 5 Kilometer nordwestlich von Landscheid auf dem Gebiet des heutigen Hofes Raskopp, der zusammen mit dem nahen Weiler Hof Hau zur Gemeinde Landscheid gehört.

Als Grund für die Entstehung der Eisenhütte Raskopp nimmt Peter Neu das Bestreben des Erzbischofes von Trier, Anrechte an Eisenhütten in der Südeifel zu erwerben, an. Im 15.hatte er durch den Rückkauf der Eisenschmitter Rechte durch die Grafen von Manderscheid Rechte und Einkünfte an diesem Wirtschaftszweig eingebüßt. Dies veranlasste wahrscheinlich Kurtrier zur Gründung des Eisenwerkes in Raskopp, im Tal des Kailbaches auf kurtrierischem Boden. Mit ausschlaggebend für die Gründung dürfte wohl auch der Erfolg der Eisenhütte in Eisenschmitt zur damaligen Zeit gewesen sein.

Erstmals urkundlich genannt wurde eine Eisenhütte in Raskopp im Jahre 1470. Johann, reyddemeyster (Hüttenmeister) der Eisenschmiede auff Rasskop pachtete vom nahen Kloster Himmerod auf lebenslänglich das Sammelrecht von taubem Holz uß ieme walde uff dem vorst für die jährliche Lieferung von 1 Fuder Holzkohlen und 3 1/2 Weißpfennigen. Einige Jahre später, im Jahre 1476, wurden schon in einem Einnahmeregister der Burg Obermanderscheid Abgaben der Hütte verzeichnet: Inname des Ysses item zo Raißkoppe 6 Centner. Auch das Weistum von Landscheid aus dem Jahre 1507 bestätigte diese Abgaben an Kurtrier noch einmal: auch ligt uff der keylle nebent Hymertrode ein Isen Smydt genant Raiskopp, die lycht uff Hymmelrater guettere und gifft mey. g. hr. jairs von wasser und schirme 6 zentneren Isens. Die Einkünfte Kurtriers in Raskopp verminderten sich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts. Im Jahre 1580 wurden von den Hüttenmeistern und dem Schmied aus Raskopp nur mehr 3 Zentner nach Manderscheid abgeführt. Nach dem 30jährigen Krieg schmolz die Abgabe dann auf 1 Zentner. Die Verringerung der Produktion der Hütte ist wohl auf den Ortswechsel einiger Mitglieder der Familie Raskopp zurückzuführen, die sich später in Eisenschmitt niederließen.

Die Produkte der Hütte
In Raskopp wurden neben den herkömmlichen Hüttenprodukten auch gußeiserne Öfen hergestellt. Im Jahre 1513 zahlte die Stadt Trier den Meistern uff Raskopp 16 Gulden vur den isenoven, den er der statt in die raitsstobe hait gemacht.
Die Hütte produzierte auch Kriegswaffen. Der Amtmann von Wittlich ließ in den Jahren 1487/88 auf der Hütte Kanonen gießen: Item hait This die 4 Slangen helffen bynnden, vur syne arbeit und lohn 3 Gulden Item Cleißgm uff Raißkop und syne Broder have gearbeit 6 Tage und zu den Slangen Isen gloetzer und ein forme gemacht, have gewecht Landesstraße 1/2 Centner facit 5 Gulden. Aber auch Haushaltsgegenstände wurden hier produziert. Graf Dietrich von Manderscheid kaufte am 8. April 1595 von Hiesen aus Raskopp 8 Isen leffel, die er weiter verschenkte.

Der Niedergang der Hütte Raskopp
Ein Register aus Manderscheid vom Jahre 1662 verzeichnete für Raskopp folgende 3 Familien: Theis Veiten, Peter uff Raßkopff und Leyßen Niclas. An Abgaben wurde kein Eisen mehr an die kurfürstliche Kellnerei nach Manderscheid abgeführt. Die Hütte verfiel um das Jahr 1685. Raskopp lieferte vor dem Verfall noch jährlich 2 Zentner Eisen nach Manderscheid. Nach der Auflösung der Hütte wurde diese Rente in Geld umgewandelt. Die anfängliche Rente von 14 Gulden wurde schon 1702 auf 7 Gulden ermäßigt. Im Jahre 1719 entstand ein Streit um die Waldnutzung in den Wäldern Saalholz und Überbüsch zwischen dem Kloster Himmerod und den Gemeinden Landscheid, Burg, Niederkail und Binsfeld. Aus den Akten geht hervor, daß das Hüttenwerk damals nicht mehr bestanden hat und daß der damalige Hof Raskopp auf dem alten Standort des Hüttenwerkes errichtet worden war. Der Hof gehörte damals dem Kloster Himmerod und war, da er auf trierischem Territorium lag, der Kellnerei Manderscheid jährlich 7 Gulden an Abgaben schuldig. Der benachbarte Hof Hau, der im Jahre 1690 errichtet wurde, erhielt seinen Namen von einer Rodungsfläche, die durch Kohlenbrenner angelegt wurde. Die Kohlen wurden zum Hüttenwerk Raskopp geliefert.

Das Himmeroder Gut zu Raskopp wurde am 01. März 1805 für 2200 Franc (586 Taler) versteigert. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Eisenwerke
Zeit:
1470
Epoche:
Gotik

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.710436
lat: 50.013324
Lagequalität der Koordinaten: Vermutlich
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.landscheid.de/

Datenquellen
[1] Günter Hesse, Andreas Wisniewski: Wittlich-Land. Geschichte einer Verbandsgemeinde zwischen Vulkaneifel und Mosel. Hrsg. Verbandsgemeinde Wittlich-Land 1990.

Bildquellen
Bild 1: Hesse, Wisniewski: Wittlich-Land. Geschichte einer Verbandsgemeinde zwischen Vulkaneifel und Mosel

Stand
Letzte Bearbeitung: 20.04.2014
Interne ID: 7840
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