Pranger am Rathaus

Bernkastel, Stadt Bernkastel-Kues Markt 30
Beschreibung
Rathaus am Marktplatz. 1608 erbaut, ursprünglich im Erdgeschoss offenes Gebäude.

> Das Rathaus
Nach Vogts wird ein älteres Rathaus, das wohl an derselben Stelle stand, 1539 im Bernkasteler Schöffenbuch erwähnt. Es handelt sich wohl um das Ratsgebäude mit zwei Ratsstuben und einer Wohnung für den Stadtschreiber Wilhelm Kremer, das auch in der Stadtrechnung vom 22. September anno 1584 bis auf Margarethe anno 1585 erscheint. Der Neubau stammt aus dem Jahre 1608. Er erfuhr 1903/1904 unter Leitung des Architekten Brand aus Trier eine Wiederherstellung und Erweiterung nach Westen.
Der Stadtrat behandelte in seiner Sitzung vom 5. Februar 1914 die Umwandlung der bis dahin offenen Rathaushalle in eine Rathaus-Weinschenke nach den P1änen des Trierer Architekten Brand.
Am 16. März 1914 beschloss der Stadtrat, die Schenke zu errichten und erteilte den Zuschlag dem Weinstubenbesitzer Franz Popp und seinen Mitpächtern: Hotel Drei Könige, Hotel zur Post, Hotel Burg Landshut, für den jährlichen Pachtpreis von 3000 Mark. Die Rathausschenke wurde am 23. Juli 1914 eröffnet.
Mit seinem Marktgiebel ist das Rathaus noch heute ein herausragendes Schmuckstück des Marktplatzes. Wie zwischen den Erkerfenstern zu lesen ist, war der köstliche Bau anno 1608 vollendet.
Die Rathausfassade ist ein prächtiges Werk der deutschen Spätrenaissance, wahrscheinlich der Kunst des Trierer Bildhauers Hans Ruprecht Hoffmann zuzuschreiben oder aber von trierischen Meistern seiner Schule geschaffen. Gönner und Förderer Hoffmanns war der damalige Erzbischof Lothar von Metternich (1599 bis 1623), dessen Wappen mit den drei Muschelschalen und dem kurtrierischen Kreuz neben dem Bernkasteler Stadtwappen den Rathauserker an der Außenseite ziert. Dieser schöne Erker, einer Renaissance-Monstranz ähnlich, ruht auf einer vor dem Mittelpfeiler des Erdgeschosses stehenden Basaltsäule; er ist in Fenster aufgelöst und trägt auf der barock geschweiften Bedachung eine Steinfigur des Salvator mundi, des Welterlösers mit der Weltkugel, ein Werk, das gleichfalls dem Bildhauer Hoffmann zugeschrieben wird.
Das Erdgeschoss der Fassade zeigt links und rechts von der erkertragenden Säule je einen Rundbogen der einst offenen Halle, von der die eine Hälfte als Spritzenhaus diente und die andere Hälfte die Mehlwaage barg. Am Eckpfeiler links vom Beschauer war der Pranger mit Ketten und Handschellen, an welche einst die Übeltäter an den öffentlichen Schandpfahl oder die Schandsäule gefesselt wurden, wie die darüber eingemei13elte Schrift Hochgerichtliche Straff und Bürgerliche Züchtigung meldet. Zwei massive und doch zierliche Dachfensteraufbauten stehen vor dem Walmdach, das mit spiralenverzierter Eisenblume auf der Spitze endet.

Quelle: Bernkastel im Wandel der Zeit, Franz Schmitt

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Brand
Kategorie:
Geschichte / Rechtsdenkmale / Richtstätten
Zeit:
1608
Epoche:
Renaissance

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 7.075927
lat: 49.915431
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Bernkastel-Kues

Datenquellen
Franz Schmitt: Bernkastel im Wandel der Zeit

Bildquellen
Bild 1: © Beate Tuerk, Enkirch. beatuerk@web.de

Stand
Letzte Bearbeitung: 15.08.2008
Interne ID: 8265
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=8265
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