Ehemalige Irrenanstalt Augustinerhof

Mitte-Gartenfeld, Stadt Trier Am Augustinerhof
Beschreibung
Angesichts der beschriebenen wirtschaftlichen Situation in Trier ist die Armenpflege ein großes Anliegen der Kirche. Auch die Fürsorge der Städte erweitert sich im Zeitalter der Aufklärung beträchtlich.

Nachdem die städtischen Behörden nach der Säkularisation bei Napoleon mehrere Jahre um die Überlassung von Nationalgebäuden zur Errichtung von Armenhäusern nachgesucht haben, befiehlt er am 9. Oktober 1810 die Einrichtung eines Bettelhauses in Trier für das Saar-Departement. Am 2. Oktober 1812 können die ersten Armen in das säkularisierte ehemalige Augustinerkloster einziehen.

Im April 1816 übernimmt die Trierer Regierung das Landarmenhaus, in welchem seit dem 15. April 1815 auch Irre aufgenommen werden.

Ein eigener Bau für diese Menschen ist bereits im Jahre 1828 beabsichtigt, wird jedoch erst 1834-37 von Johann Georg Wolff im Bering des Augustinerklosters, etwa an der Stelle des heutigen Theaters, realisiert.

Der ursprüngliche Bau besitzt sechzehn Achsen, zwei Geschosse und ist im Grundriß in je eine vordere und hintere Raumflucht sowie einen zentralen Erschließungsgang gegliedert. Die Fassade ist bestimmt durch einen sechs Achsen breiten und etwa eineinhalb Achsen tiefen Mittelrisaliten, der bekrönt wird von einem flachen Frontispiz mit Akanthusschmuck und aufsitzenden Akanthusakroterien

Der sehr hohe Drempel des Gebäudes ist im Bereich des Risaliten als Mezzanin ausgebildet und mit sechs Rundfenstern besetzt. Jeweils ein Zugang befindet sich im Erdgeschoss der äußeren Achsen des Risaliten. Die horizontale Gliederung erfolgt über Sohlbanksimse bei den Geschossen sowie über ein geschoßtrennendes Gurtgesims, welches im Bereich der Zugänge leicht verkröpft zu einem flachen Dreiecksgiebel ausgebildet ist.

Wie an vielen Bauten Wolffs ist auch hier eine Beletage zu finden: Die Stockwerkfenster sind höher als diejenigen des Erdgeschosses (2:1 vs 1,8:1) und überdeckt mit einer leichten geraden Verdachung sowie einer darübersitzenden, aus Volutenschmuck bestehenden halbplastischen Giebelverdachung, die mit einer Maske in ihrem Zentrum sowie Eckakroterien geziert ist.

Sämtliche Fenster des Risaliten sowie die Obergeschoßfenster haben ein Gewände, wohingegen die Fenster des restlichen Gebäudes in den Putz eingeschnitten sind, der in zurückhaltender Rustika gebildet ist.

Mit der Irrenanstalt, auch als Schinkelbau bezeichnet, errichtet Wolff nach dem Gefängnis sein zweites öffentliches Gebäude, bei dem er gestalterisch offensichtlich dem Klassizismus Karl Friedrich Schinkels zuneigt. Was Schweicher starke Anklänge an die Schinkelschule nennt, stellt sich tatsächlich als eine verblüffende Ähnlichkeit mit einem Gebäude Schinkels dar, dem Salzsteuergebäude am Neuen Packhof" in Berlin.

Hier vor der Quer- und dort vor der Längswand hat der Risalit in beiden Fällen eine recht große Tiefe. Sechs beziehungsweise sieben Achsen breit ist die Zonung identisch, einzig Schinkels Mezzaninfenster sind quadratisch und nur seitlich ausgeführt. Die Frontispizgestaltung ist hier ornamental, dort figural, hier finden sich Akanthus-, dort Palmettenakroterien.

Da Wolff, wie seine anderen Gebäude bereits deutlich gezeigt haben, niemals plagiativ mit vorhandenen Bauformen umgeht, sondern diese immer modifiziert und schöpferisch in seinem eigenen Sinne umwandelt, ist im Falle des Schinkelbaues tatsächlich mit großer Sicherheit davon auszugehen, daß die Fassadengestaltung dieses Gebäudes weitestgehend auf Vorgaben der OBD (Oberbaudeputation Berlin) beruht.

Erhaltungszustand: nicht erhalten

Baumeister: Johann Georg Wolff (Kreisbaukonduktor und später Bauinspektor sowie bis 1848 Stadtbaumeister)
Geboren: 7.3.1789 in Trier
Gestorben: 31.8.1861

Weitere (erhaltene) Bauten: u.a. Kasinogebäude am Kornmarkt, Hauptzollamt am Johanniterufer 1-3 und das Königlich Preußische Gefängnis, heute Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum. [1]

Einordnung
Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Wolff, Johann Georg (Stadtbaumeister), Trier [1789-1861].
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Krankenhäuser /
Zeit:
1834-37
Epoche:
Klassizismus

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.633836
lat: 49.751778
Lagequalität der Koordinaten: Vermutlich
Flurname: Ortslage

Internet
http://www.drzimmermann.info/

Datenquellen
[1] Michael Zimmermann: Klassizismus in Trier. Die Stadt und ihre bürgerliche Baukunst zwischen 1768 und 1848. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997. ISBN 3-88476-280-X

Bildquellen
Bild 1: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier.
Bild 2: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier

Stand
Letzte Bearbeitung: 14.08.2004
Interne ID: 8586
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=8586
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