Hügelgrab (2 von 14)

Speicher, Stadt Speicher

Beschreibung
Die vergessenen Gräber
Hügelgräber im Wald bei Speicher und Herforst

Von Benedikt Heinemann und Rudolf Meiers aus Herforst

Kaum einer kennt sie, die Hügelgräber im Wald bei Speicher und Herforst. Daß Speicher ein alter Töpferort ist, dürfte den meisten bekannt sein. Ebenfalls, daß hier schon die Römer ihre Tongefäße gebrannt haben und daß Eisenschmelzen existierten. Weitaus weniger bekannt sind die Hügelgräber aus vorrömischer Zeit.

Dem Wanderer dürften sie kaum auffallen. Auf vielen Wanderkarten sind sie zwar eingezeichnet, doch sie wiederzufinden, ist relativ schwierig. Meistens weiß man ja auch gar nicht, wie man sich so ein Hügelgrab vorzustellen hat. Dann begibt man sich schon mit falschen Vorstellungen auf die Suche. Die Hügelgräber im Speicherer Wald sind keine hohen Hügel, vielmehr sind es flache Hügel, die sich langsam erheben und einen Durchmesser von ca. 15 Metern haben.

Eingebettet im Mischwald haben die Gräber die Jahrhunderte überstanden. Die hohen Baumkronen lassen nur vereinzelt einen warmen Sonnenstrahl in das Innere des Waldes. Im Wechselspiel von Schatten und Licht vermitteln die Hügelgräber dem Betrachter eine Atmosphäre, in der er nachdenklich wird und über die Zeit nachsinnt, die über diese Stelle hinweggegangen ist und über die Menschen, die hier vor ca. 2000 Jahren gelebt haben.

Hier werden Geschichte und Archäologie greifbar.

Im letztenerwachte das Interesse für die Hügelgräber. Der damalige Direktor des Provinzialmuseums in Trier, Herr Dr. Lehner, führte 1894 eine Versuchsgrabung im Wald bei Speicher durch. Er ließ zwei Grabhügel öffnen. Es fanden sich mehrere Brandschichten mit Knochenresten und einzelne Scherben schlechtgebrannter Gefäße, wie sie für die vorrömische Zeit typisch waren. Außerdem fand man noch in einem der Gräber, in der Tiefe von 1,25 m, einen großen Rotsandstein. Das eine Hügelgrab war etwas größer und stattlicher als die anderen Gräber. Es hatte einen Durchmesser von 15 Metern und war umgeben von einem Ring aus Rotsandsteinblöcken. Die Sandsteinblöcke waren rund um den Hügel auf dem Boden aufgelegt. Die Sandsteinblöcke waren ca. 30 bis 40 Zentimeter lang und ca. 10 bis 20 Zentimeter tief.

Ein altes Foto aus dem letzten Jahrhundert vermittelt einen guten Eindruck von den archäologischen Untersuchungen im Jahre 1894.
Links im Bild, sitzend mit Hut, ist der Museumsdirektor Dr. Lehner zu erkennen. Hinter ihm stehen Peter Mischek und ganz links am Bildrand Jakob Plein-Wagner, Töpfermeister aus Speicher, der sich mit großem Interesse an den damaligen Ausgrabungen beteiligte.

Die Spuren dieser Hügelausgrabung sind bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben. Natürlich hat sich der Schacht, den man damals in dem Hügel aushob, mit den Jahren mit Erde gefüllt, und Laub hat ebenfalls Spuren verwischt.

Einige Jahre später, 1911, wurden erneut Hügelgräber untersucht. Längs der Landstraße nach Rothaus befinden sich mehrere relativ große Grabhügel. Von diesen Gräbern wurden vier durch das Provinzialmuseum in Trier untersucht. In diesem Zusammenhang ist vor allen Dingen ein Grab erwähnenswert: Das Innere des Hügels bestand aus großen gebrochenen Steinen, die in der Mitte am Boden ein längliches Viereck umschlossen. In dieser steinernen Einfassung fanden sich die Überreste eines ca. 16,5 Zentimeter hohen grau-braunen Bechers. Eine Frühlateneflasche mit eingeritzten Zierstreifen auf den Schultern, ein ebenso alter Napf sowie Feuersteinklingen-Fragmente fanden sich bei weiteren Untersuchungen.

Dreizehn Jahre später, im Jahre 1924, wurden die Hügelgräber erneut Mittelpunkt archäologischen Interesses. Dr. Siegfried Loeschcke untersuchte mit dem ortsansässigen Förster, Herrn Lehmann, einen relativ kleinen und flachen Hügel. In den Aufzeichnungen von damals wird er als sieben Schritt breit und ca. 75 Zentimeter hoch beschrieben. Die Ergebnisse dieser Öffnung deckten sich weitestgehend mit den Erkenntnissen aus den bisherigen Untersuchungen. Auch hier fand man wieder Holzkohlestücke, vermischt mit kleinen Knochensplittern. Auf den Kohlen lag ein Rotsandstem, der auf einer Seite sehr stark geschwärzt war.

Noch weitere Grabhügel wurden in den kommenden Jahren im Wald bei Speicher und Herforst untersucht, meistens jedoch nur noch vermessen. Archäologische Untersuchungen, die danach im Speicherer Wald stattfanden, konzentrierten sich hauptsächlich auf die Überreste römischer Zivilisation. Schwerpunkt waren hier die römischen Töpfereien und Ziegeleien. Doch zurück zu den Hügelgräbern. Auffallend an allen Berichten von 1894 bis ca. 1935 sind die vielen Erwähnungen von Rotsandsteinen. Von dem oben erwähnten Steinring, der das ca. 15m breite Hügelgrab umgab, ist heute nichts mehr zu entdecken. Ein Grund dafür ist wohl der, daß die Bevölkerung der benachbarten Dörfer die Sandsteine aus den Wäldern zum Bau ihrer Häuser und Scheunen benutzte. Auch für den Wegebau in den Wäldern und zwischen den umliegenden Feldern nutzte man dieses historische Baumaterial. Auch wurden mit den Jahren Steine der römischen Langmauer auf diese Weise zweckentfremdet. Die auf einigen Karten eingezeichnete Langmauer ist deshalb heute im Wald kaum noch zu entdecken.

Da wir von jeher interessiert durch die Wälder gegangen sind, haben wir auch ein Augenmerk für die noch heute im Wald existierenden Sandsteine gehabt. Vor Jahren ist uns im Bereich der Hügelgräber ein Rotsandstein aufgefallen. Den Maßen nach entsprach er den Angaben, die in den Berichten zu finden waren. Auf dem Stein entdeckten wir strich-, kreuz- und kreisförmige Einritzungen. Nach einigen Wochen fand sich damals noch ein weiterer Stein, ähnlich dem ersten. Damals war uns eine mögliche Bedeutung noch nicht klar. Wir fertigten trotzdem eine Skizze an. Erst viel später trafen wir in der Literatur auf Hinweise. Welchen Ursprungs die Zeichen auf den Steinen sind, ist ein Rätsel geblieben und somit auch, ob es sich vielleicht um vorrömische Grabstelen handelt oder nicht. Jedenfalls sind die Einritzungen nicht durch Zufall entstanden und haben den Charakter von einfachen Schriftzeichen, mit welcher Bedeutung auch immer.

Die Hügelgräber sind ein Zeugnis für die frühe Besiedlung in dieser Region. Längst vor den Römern haben hier in der Eifel Menschen gelebt, deren Kultur bis auf den heutigen Tag Spuren hinterlassen hat. Die Hügelgräber sind jedoch in Vergessenheit geraten. Wie bereits erwähnt, findet man sie noch teilweise in Wanderkarten eingezeichnet, jedoch nicht selten sehr ungenau.

In den letzten Jahren fanden hier auch keine archäologischen Untersuchungen mehr statt. Auch in archäologischen Büchern und in sonstiger Literatur der Heimatkunde findet man sie nur selten erwähnt. Ein wesentliches Buch soll hier aber erwähnt werden: Die Ortskunde Trier-Mettendorf aus dem Jahre 1932 von Dr. J. Steinhausen.

Die Hügelgräber im Speicherer Wald mögen vielleicht in den Augen einiger keine Sensation darstellen. Aber wir meinen, es sind Sehenswürdigkeiten. Sehenswürdigkeiten natürlich nur für den, der bereit ist, sich mit der Geschichte auseinander zusetzen und der ein Empfinden für die Atmosphäre hat, die an diesen Stellen tief im Wald verborgen herrscht. [1]

Einordnung
Kategorie:
Archäologische Denkmale / Bestattungen / Grabhügel
Zeit:
Bis circa 500 vor Chr.
Epoche:
Vor- / Frühgeschichte

Lage
Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon: 6.680444
lat: 49.926742
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Herresheck

Internet
http://www.vg-speicher.de/gemeinden/speicher

Datenquellen
[1] Benedikt Heinemann und Rudolf Meiers aus Herforst in: Heimatkalender Landkreis Bitburg-Prüm 1995

Bildquellen
Bild 1: Heimatkalender Landkreis Bitburg-Prüm 1995
Bild 2: Heimatkalender Landkreis Bitburg-Prüm 1995

Stand
Letzte Bearbeitung: 16.08.2022
Interne ID: 9079
ObjektURL: https://kulturdb.de/einobjekt.php?id=9079
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